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Geschichte vom braven Kasperl und dem schoenen Annerl by Clemens Brentano

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Geschichte vom braven Kasperl und dem schoenen Annerl

Clemens Brentano



Es war Sommersfruehe, die Nachtigallen sangen erst seit einigen Tagen
durch die Strassen und verstummten heut in einer kuehlen Nacht, welche
von fernen Gewittern zu uns herwehte; der Nachtwaechter rief die elfte
Stunde an, da sah ich, nach Hause gehend, vor der Tuer eines grossen
Gebaeudes einen Trupp von allerlei Gesellen, die vom Biere kamen, um
jemand, der auf den Tuerstufen sass, versammelt. Ihr Anteil schien mir
so lebhaft, dass ich irgendein Unglueck besorgte und mich naeherte.

Eine alte Baeuerin sass auf der Treppe, und so lebhaft die Gesellen
sich um sie kuemmerten, so wenig liess sie sich von den neugierigen
Fragen und gutmuetigen Vorschlaegen derselben stoeren. Es hatte etwas
sehr Befremdendes, ja schier Grosses, wie die gute alte Frau so sehr
wusste, was sie wollte, dass sie, als sei sie ganz allein in ihrem
Kaemmerlein, mitten unter den Leuten es sich unter freiem Himmel zur
Nachtruhe bequem machte. Sie nahm ihre Schuerze als ein Maentelchen um,
zog ihren grossen schwarzen, wachsleinenen Hut tiefer in die Augen,
legte sich ihr Buendel unter den Kopf zurecht und gab auf keine Frage
Antwort.

"Was fehlt dieser alten Frau?" fragte ich einen der Anwesenden; da
kamen Antworten von allen Seiten: "Sie koemmt sechs Meilen Weges vom
Lande, sie kann nicht weiter, sie weiss nicht Bescheid in der Stadt,
sie hat Befreundete am andern Ende der Stadt und kann nicht hinfinden,
"--"Ich wollte sie fuehren", sagte einer, "aber es ist ein weiter Weg,
und ich habe meinen Hausschluessel nicht bei mir. Auch wuerde sie das
Haus nicht kennen, wo sie hin will."--"Aber hier kann die Frau nicht
liegen bleiben", sagte ein Neuhinzugetretener. "Sie will aber
platterdings", antwortete der erste; "ich habe es ihr laengst gesagt,
ich wolle sie nach Haus bringen, doch sie redet ganz verwirrt, ja sie
muss wohl betrunken sein."--"Ich glaube, sie ist bloedsinnig. Aber
hier kann sie doch in keinem Falle bleiben", wiederholte jener, "die
Nacht ist kuehl und lang."

Waehrend allem diesem Gerede war die Alte, grade als ob sie taub und
blind sei, ganz ungestoert mit ihrer Zubereitung fertig geworden, und
da der letzte abermals sagte: "Hier kann sie doch nicht bleiben",
erwiderte sie, mit einer wunderlich tiefen und ernsten Stimme:

"Warum soll ich nicht hier bleiben? Ist dies nicht ein herzogliches
Haus? Ich bin achtundachtzig Jahre alt, und der Herzog wird mich
gewiss nicht von seiner Schwelle treiben. Drei Soehne sind in seinem
Dienst gestorben, und mein einziger Enkel hat seinen Abschied
genommen;--Gott verzeiht es ihm gewiss, und ich will nicht sterben,
bis er in seinem ehrlichen Grab liegt."

"Achtundachtzig Jahre und sechs Meilen gelaufen!" sagten die
Umstehenden, "sie ist mued und kindisch, in solchem Alter wird der
Mensch schwach."

"Mutter, Sie kann aber den Schnupfen kriegen und sehr krank werden
hier, und Langeweile wird Sie auch haben", sprach nun einer der
Gesellen und beugte sich naeher zu ihr.

Da sprach die Alte wieder mit ihrer tiefen Stimme, halb bittend, halb
befehlend:

"O lasst mir meine Ruhe und seid nicht unvernuenftig; ich brauch keinen
Schnupfen, ich brauche keine Langeweile; es ist ja schon spaet an der
Zeit, achtundachtzig bin ich alt, der Morgen wird bald anbrechen, da
geh ich zu meinen Befreundeten. Wenn ein Mensch fromm ist und hat
Schicksale und kann beten, so kann er die paar armen Stunden auch
noch wohl hinbringen."

Die Leute hatten sich nach und nach verloren, und die letzten, welche
noch da standen, eilten auch hinweg, weil der Nachtwaechter durch die
Strasse kam und sie sich von ihm ihre Wohnungen wollten oeffnen lassen.
So war ich allein noch gegenwaertig. Die Strasse ward ruhiger. Ich
wandelte nachdenkend unter den Baeumen des vor mir liegenden freien
Platzes auf und nieder; das Wesen der Baeuerin, ihr bestimmter,
ernster Ton, ihre Sicherheit im Leben, das sie achtundachtzigmal mit
seinen Jahreszeiten hatte zurueckkehren sehen, und das ihr nur wie ein
Vorsaal im Bethause erschien, hatten mich mannigfach erschuettert.
"Was sind alle Leiden, alle Begierden meiner Brust? Die Sterne gehen
ewig unbekuemmert ihren Weg--wozu suche ich Erquickung und Labung, und
von wem suche ich sie und fuer wen? Alles, was ich hier suche und
liebe und erringe, wird es mich je dahin bringen, so ruhig wie diese
gute, fromme Seele die Nacht auf der Schwelle des Hauses zubringen zu
koennen, bis der Morgen erscheint, und werde ich dann den Freund
finden wie sie? Ach, ich werde die Stadt gar nicht erreichen, ich
werde wegemuede schon in dem Sande vor dem Tore umsinken und
vielleicht gar in die Haende der Raeuber fallen." So sprach ich zu mir
selbst, und als ich durch den Lindengang mich der Alten wieder
naeherte, hoerte ich sie halblaut mit gesenktem Kopfe vor sich hin
beten. Ich war wunderbar geruehrt und trat zu ihr hin und sprach:
"Mit Gott, fromme Mutter, bete Sie auch ein wenig fuer mich!"--bei
welchen Worten ich ihr einen Taler in die Schuerze warf.

Die Alte sagte hierauf ganz ruhig: "Hab tausend Dank, mein lieber
Herr, dass du mein Gebet erhoert."

Ich glaubte, sie spreche mit mir, und sagte: "Mutter, habt Ihr mich
denn um etwas gebeten? Ich wuesste nicht."

Da fuhr die Alte ueberrascht auf und sprach: "Lieber Herr, gehe Er
doch nach Haus und bete Er fein und lege Er sich schlafen. Was zieht
Er so spaet noch auf der Gasse herum? Das ist jungen Gesellen gar
nichts nuetze; denn der Feind geht um und suchet, wo er sich einen
erfange. Es ist mancher durch solch Nachtlaufen verdorben. Wen
sucht Er? Den Herrn? Der ist in des Menschen Herz, so er
zuechtiglich lebt, und nicht auf der Gasse. Sucht Er aber den Feind,
so hat Er ihn schon; gehe Er huebsch nach Haus und bete Er, dass Er ihn
loswerde. Gute Nacht!"

Nach diesen Worten wendete sie sich ganz ruhig nach der andern Seite
und steckte den Taler in ihren Reisesack. Alles, was die Alte tat,
machte einen eigentuemlichen ernsten Eindruck auf mich, und ich sprach
zu ihr: "Liebe Mutter, Ihr habt wohl recht, aber Ihr selbst seid es,
was mich hier haelt; ich hoerte Euch beten und wollte Euch ansprechen,
meiner dabei zu gedenken."

"Das ist schon geschehen", sagte sie; "als ich Ihn so durch den
Lindengang wandeln sah, bat ich Gott, er moege Euch gute Gedanken
geben. Nun habe Er sie, und gehe Er fein schlafen!"

Ich aber setzte mich zu ihr nieder auf die Treppe und ergriff ihre
duerre Hand und sagte: "Lasset mich hier bei Euch sitzen die Nacht
hindurch, und erzaehlet mir, woher Ihr seid, und was Ihr hier in der
Stadt sucht; Ihr habt hier keine Huelfe, in Eurem Alter ist man Gott
naeher als den Menschen; die Welt hat sich veraendert, seit Ihr jung
wart."

"Dass ich nicht wuesste", erwiderte die Alte, "ich habs mein Lebetag
ganz einerlei gefunden; Er ist noch zu jung, da verwundert man sich
ueber alles; mir ist alles schon so oft wieder vorgekommen, dass ich es
nur noch mit Freuden ansehe, weil es Gott so treulich damit meinet.
Aber man soll keinen guten Willen von sich weisen, wenn er einem auch
grade nicht not tut, sonst moechte der liebe Freund ausbleiben, wenn
er ein andermal gar willkommen waere; bleibe Er drum immer sitzen, und
sehe Er, was Er mir helfen kann. Ich will Ihm erzaehlen, was mich in
die Stadt den weiten Weg treibt. Ich haett es nicht gedacht, wieder
hierher zu kommen. Es sind siebenzig Jahre, dass ich hier in dem
Hause als Magd gedient habe, auf dessen Schwelle ich sitze, seitdem
war ich nicht mehr in der Stadt; was die Zeit herumgeht! Es ist, als
wenn man eine Hand umwendet. Wie oft habe ich hier am Abend gesessen
vor siebzig Jahren und habe auf meinen Schatz gewartet, der bei der
Garde stand! Hier haben wir uns auch versprochen. Wenn er
hier--aber still, da koemmt die Runde vorbei."

Da hob sie an, mit gemaessigter Stimme, wie etwa junge Maegde und Diener
in schoenen Mondnaechten, vor der Tuer zu singen, und ich hoerte mit
innigem Vergnuegen folgendes schoene alte Lied von ihr:


Wann der juengste Tag wird werden,
Dann fallen die Sternelein auf die Erden.
Ihr Toten, ihr Toten sollt auferstehn,
Ihr sollt vor das Juengste Gerichte gehn;
Ihr sollt treten auf die Spitzen,
Da die lieben Engelein sitzen.
Da kam der liebe Gott gezogen
Mit einem schoenen Regenbogen.
Da kamen die falschen Juden gegangen,
Die fuehrten einst unsern Herrn Christum gefangen.
Die hohen Baeum erleuchten sehr,
Die harten Stein zerknirschten sehr.
Wer dies Gebetlein beten kann,
Der bets des Tages nur einmal,
Die Seele wird vor Gott bestehn,
Wann wir werden zum Himmel eingehn!
Amen.


Als die Runde uns naeher kam, wurde die gute Alte geruehrt. "Ach",
sagte sie, "es ist heute der sechszehnte Mai, es ist doch alles
einerlei, grade wie damals, nur haben sie andere Muetzen auf und keine
Zoepfe mehr. Tut nichts, wenns Herz nur gut ist!" Der Offizier der
Runde blieb bei uns stehen und wollte eben fragen, was wir hier so
spaet zu schaffen haetten, als ich den Faehnrich Graf Grossinger, einen
Bekannten, in ihm erkannte. Ich sagte ihm kurz den ganzen Handel,
und er sagte, mit einer Art von Erschuetterung: "Hier haben Sie einen
Taler fuer die Alte und eine Rose"--die er in der Hand trug--; "so
alte Bauersleute haben Freude an Blumen. Bitten Sie die Alte, Ihnen
morgen das Lied in die Feder zu sagen, und bringen Sie mir es. Ich
habe lange nach dem Lied getrachtet, aber es nie ganz habhaft werden
koennen." Hiermit schieden wir, denn der Posten der nah gelegenen
Hauptwache, bis zu welcher ich ihn ueber den Platz begleitet hatte,
rief: "Wer da?" Er sagte mir noch, dass er die Wache am Schlosse habe,
ich solle ihn dort besuchen. Ich ging zu der Alten zurueck und gab
ihr die Rose und den Taler.

Die Rose ergriff sie mit einer ruehrenden Heftigkeit und befestigte
sie sich auf ihren Hut, indem sie mit einer etwas feineren Stimme und
fast weinend die Worte sprach:


Rosen die Blumen auf meinem Hut,
Haett ich viel Geld, das waere gut,
Rosen und mein Liebchen.


Ich sagte zu ihr: "Ei, Muetterchen, Ihr seid ja ganz munter geworden",
und sie erwiderte:


Munter, munter
Immer bunter,
Immer runder.
Oben stund er,
Nun bergunter,
's ist kein Wunder!


"Schau Er, lieber Mensch, ist es nicht gut, dass ich hier sitzen
geblieben? Es ist alles einerlei, glaub Er mir; heut sind es
siebenzig Jahre, da sass ich hier vor der Tuere, ich war eine flinke
Magd und sang gern alle Lieder. Da sang ich auch das Lied vom
Juengsten Gericht wie heute, da die Runde vorbeiging, und da warf mir
ein Grenadier im Voruebergehn eine Rose in den Schoss--die Blaetter hab
ich noch in meiner Bibel liegen--, das war meine erste Bekanntschaft
mit meinem seligen Mann. Am andern Morgen hatte ich die Rose
vorgesteckt in der Kirche, und da fand er mich, und es ward bald
richtig. Drum hat es mich gar sehr gefreut, dass mir heut wieder eine
Rose ward. Es ist ein Zeichen, dass ich zu ihm kommen soll, und
darauf freu ich mich herzlich. Vier Soehne und eine Tochter sind mir
gestorben, vorgestern hat mein Enkel seinen Abschied genommen--Gott
helfe ihm und erbarme sich seiner!--und morgen verlaesst mich eine
andre gute Seele, aber was sag ich morgen, ist es nicht schon
Mitternacht vorbei?"

"Es ist zwoelfe vorueber", erwiderte ich, verwundert ueber ihre Rede.

"Gott gebe ihr Trost und Ruhe die vier Stuendlein, die sie noch hat!"
sagte die Alte und ward still, indem sie die Haende faltete. Ich
konnte nicht sprechen, so erschuetterten mich ihre Worte und ihr
ganzes Wesen. Da sie aber ganz stille blieb und der Taler des
Offiziers noch in ihrer Schuerze lag, sagte ich zu ihr: "Mutter,
steckt den Taler zu Euch, Ihr koenntet ihn verlieren."

"Den wollen wir nicht weglegen, den wollen wir meiner Befreundeten
schenken in ihrer letzten Not!" erwiderte sie. "Den ersten Taler
nehm ich morgen wieder mit nach Haus, der gehoert meinem Enkel, der
soll ihn geniessen. Ja seht, es ist immer ein herrlicher Junge
gewesen und hielt etwas auf seinen Leib und auf seine Seele--ach Gott,
auf seine Seele!--Ich habe gebetet den ganzen Weg, es ist nicht
moeglich, der liebe Herr laesst ihn gewiss nicht verderben. Unter allen
Burschen war er immer der reinlichste und fleissigste in der Schule,
aber auf die Ehre war er vor allem ganz erstaunlich. Sein Leutnant
hat auch immer gesprochen: "Wenn meine Schwadron Ehre im Leibe hat,
so sitzt sie bei dem Finkel im Quartier." Er war unter den Ulanen.
Als er zum erstenmal aus Frankreich zurueckkam, erzaehlte er allerlei
schoene Geschichten, aber immer war von der Ehre dabei die Rede. Sein
Vater und sein Stiefbruder waren bei dem Landsturm und kamen oft mit
ihm wegen der Ehre in Streit; denn was er zuviel hatte, hatten sie
nicht genug. Gott verzeih mir meine schwere Suende, ich will nicht
schlecht von ihnen reden, jeder hat sein Buendel zu tragen: aber meine
selige Tochter, seine Mutter, hat sich zu Tode gearbeitet bei dem
Faulpelz, sie konnte nicht erschwingen, seine Schulden zu tilgen.
Der Ulan erzaehlte von den Franzosen, und als der Vater und
Stiefbruder sie ganz schlecht machen wollten, sagte der Ulan: "Vater,
das versteht Ihr nicht, sie haben doch viel Ehre im Leibe!" Da ward
der Stiefbruder tueckisch und sagte: "Wie kannst du deinem Vater so
viel von der Ehre vorschwatzen? War er doch Unteroffizier im N...
schen Regiment und muss es besser als du verstehn, der nur Gemeiner
ist!"--"Ja", sagte da der alte Finkel, der nun auch rebellisch ward,
"das war ich und habe manchen vorlauten Burschen fuenfundzwanzig
aufgezaehlt; haette ich nur Franzosen in der Kompanie gehabt, die
sollten sie noch besser gefuehlt haben, mit ihrer Ehre!" Die Rede tat
dem Ulanen gar weh, und er sagte: "Ich will ein Stueckchen von einem
franzoesischen Unteroffizier erzaehlen, das gefaellt mir besser. Unterm
vorigen Koenig sollten auf einmal die Pruegel bei der franzoesischen
Armee eingefuehrt werden. Der Befehl des Kriegsministers wurde zu
Strassburg bei einer grossen Parade bekanntgemacht, und die Truppen
hoerten in Reih und Glied die Bekanntmachung mit stillem Grimm an. Da
aber noch am Schluss der Parade ein Gemeiner einen Exzess machte, wurde
sein Unteroffizier vorkommandiert, ihm zwoelf Hiebe zu geben. Es
wurde ihm mit Strenge befohlen, und er musste es tun. Als er aber
fertig war, nahm er das Gewehr des Mannes, den er geschlagen hatte,
stellte es vor sich an die Erde und drueckte mit dem Fusse los, dass ihm
die Kugel durch den Kopf fuhr und er tot niedersank. Das wurde an
den Koenig berichtet, und der Befehl, Pruegel zu geben, ward gleich
zurueckgenommen. Seht, Vater, das war ein Kerl, der Ehre im Leib
hatte!"--"Ein Narr war es", sprach der Bruder. "Fress deine Ehre,
wenn du Hunger hast!" brummte der Vater. Da nahm mein Enkel seinen
Saebel und ging aus dem Haus und kam zu mir in mein Haeuschen und
erzaehlte mir alles und weinte die bittern Traenen. Ich konnte ihm
nicht helfen; die Geschichte, die er mir auch erzaehlte, konnte ich
zwar nicht ganz verwerfen, aber ich sagte ihm doch immer zuletzt:
"Gib Gott allein die Ehre!" Ich gab ihm noch den Segen, denn sein
Urlaub war am andern Tage aus, und er wollte noch eine Meile umreiten
nach dem Orte, wo ein Patchen von mir auf dem Edelhof diente, auf die
er gar viel hielt; er wollte einmal mit ihr hausen.--Sie werden auch
wohl bald zusammenkommen, wenn Gott mein Gebet erhoert. Er hat seinen
Abschied schon genommen, mein Patchen wird ihn heut erhalten, und die
Aussteuer hab ich auch schon beisammen, es soll auf der Hochzeit
weiter niemand sein als ich." Da ward die Alte wieder still und
schien zu beten. Ich war in allerlei Gedanken ueber die Ehre, und ob
ein Christ den Tod des Unteroffiziers schoen finden duerfe. Ich wollte,
es sagte mir einmal einer etwas Hinreichendes darueber.

Als der Waechter ein Uhr anrief, sagte die Alte: "Nun habe ich noch
zwei Stunden. Ei, ist Er noch da, warum geht Er nicht schlafen? Er
wird morgen nicht arbeiten koennen und mit seinem Meister Haendel
kriegen; von welchem Handwerk ist Er denn, mein guter Mensch?"

Da wusste ich nicht recht, wie ich es ihr deutlich machen sollte, dass
ich ein Schriftsteller sei. "Ich bin ein Gestudierter", durfte ich
nicht sagen, ohne zu luegen. Es ist wunderbar, dass ein Deutscher
immer sich ein wenig schaemt, zu sagen, er sei ein Schriftsteller; zu
Leuten aus den untern Staenden sagt man es am ungernsten, weil diesen
gar leicht die Schriftgelehrten und Pharisaeer aus der Bibel dabei
einfallen. Der Name Schriftsteller ist nicht so eingebuergert bei uns,
wie das homme de lettres bei den Franzosen, welche ueberhaupt als
Schriftsteller zuenftig sind und in ihren Arbeiten mehr hergebrachtes
Gesetz haben, ja, bei denen man auch fragt: "Ou avez-vous fait votre
philosophie? Wo haben Sie Ihre Philosophie gemacht?", wie denn ein
Franzose selbst viel mehr von einem gemachten Manne hat. Doch diese
nicht deutsche Sitte ist es nicht allein, welche das Wort
Schriftsteller so schwer auf der Zunge macht, wenn man am Tore um
seinen Charakter gefragt wird, sondern eine gewisse innere Scham haelt
uns zurueck, ein Gefuehl, welches jeden befaellt, der mit freien und
geistigen Guetern, mit unmittelbaren Geschenken des Himmels Handel
treibt. Gelehrte brauchen sich weniger zu schaemen als Dichter; denn
sie haben gewoehnlich Lehrgeld gegeben, sind meist in aemtern des
Staats, spalten an groben Kloetzen oder arbeiten in Schachten, wo viel
wilde Wasser auszupumpen sind. Aber ein sogenannter Dichter ist am
uebelsten daran, weil er meistens aus dem Schulgarten nach dem Parnass
entlaufen, und es ist auch wirklich ein verdaechtiges Ding um einen
Dichter von Profession, der es nicht nur nebenher ist. Man kann sehr
leicht zu ihm sagen: "Mein Herr, ein jeder Mensch hat, wie Hirn, Herz,
Magen, Milz, Leber und dergleichen, auch eine Poesie im Leibe; wer
aber eines dieser Glieder ueberfuettert, verfuettert oder maestet und es
ueber alle andre hinueber treibt, ja es gar zum Erwerbszweig macht, der
muss sich schaemen vor seinem ganzen uebrigen Menschen. Einer, der von
der Poesie lebt, hat das Gleichgewicht verloren, und eine uebergrosse
Gaenseleber, sie mag noch so gut schmecken, setzt doch immer eine
kranke Gans voraus." Alle Menschen, welche ihr Brot nicht im Schweiss
ihres Angesichts verdienen, muessen sich einigermassen schaemen, und das
fuehlt einer, der noch nicht ganz in der Tinte war, wenn er sagen soll,
er sei ein Schriftsteller. So dachte ich allerlei und besann mich,
was ich der Alten sagen sollte, welche, ueber mein Zoegern verwundert,
mich anschaute und sprach:

"Welch ein Handwerk Er treibt, frage ich; warum will Er mirs nicht
sagen? Treibt Er kein ehrlich Handwerk, so greif Ers noch an, es hat
einen goldnen Boden. Er ist doch nicht etwa gar ein Henker oder
Spion, der mich ausholen will? Meinethalben sei Er, wer Er will, sag
Ers, wer Er ist? Wenn Er bei Tage so hier saesse, wuerde ich glauben,
Er sei ein Lehnerich, so ein Tagedieb, der sich an die Haeuser lehnt,
damit er nicht umfaellt vor Faulheit."

Da fiel mir ein Wort ein, das mir vielleicht eine Bruecke zu ihrem
Verstaendnis schlagen koennte: "Liebe Mutter", sagte ich, "ich bin ein
Schreiber."--"Nun", sagte sie, "das haette Er gleich sagen sollen. Er
ist also ein Mann von der Feder; dazu gehoeren feine Koepfe und
schnelle Finger und ein gutes Herz, sonst wird einem drauf geklopft.
Ein Schreiber ist Er? Kann Er mir dann wohl eine Bittschrift
aufsetzen an den Herzog, die aber gewiss erhoert wird und nicht bei den
vielen andern liegen bleibt?"

"Eine Bittschrift, liebe Mutter", sprach ich, "kann ich Ihr wohl
aufsetzen, und ich will mir alle Muehe geben, dass sie recht
eindringlich abgefasst sein soll."

"Nun, das ist brav von Ihm", erwiderte sie, "Gott lohn es Ihm und
lasse Ihn aelter werden als mich und gebe Ihm auch in Seinem Alter
einen so geruhigen Mut und eine so schoene Nacht mit Rosen und Talern
wie mir und auch einen Freund, der ihm eine Bittschrift macht, wenn
es Ihm not tut. Aber jetzt gehe Er nach Haus, lieber Freund, und
kaufe Er sich einen Bogen Papier und schreibe Er die Bittschrift; ich
will hier auf Ihn warten, noch eine Stunde, dann gehe ich zu meiner
Pate, Er kann mitgehen; sie wird sich auch freuen an der Bittschrift.
Sie hat gewiss ein gut Herz, aber Gottes Gerichte sind wunderbar."

Nach diesen Worten ward die Alte wieder still, senkte den Kopf und
schien zu beten. Der Taler lag noch auf ihrem Schoss. Sie weinte.
"Liebe Mutter, was fehlt Euch, was tut Euch so weh, Ihr weinet?"
sprach ich.

"Nun, warum soll ich denn nicht weinen? Ich weine auf den Taler, ich
weine auf die Bittschrift, auf alles weine ich. Aber es hilft nichts,
es ist doch alles viel, viel besser auf Erden, als wir Menschen es
verdienen, und gallenbittre Traenen sind noch viel zu suesse. Sehe Er
nur einmal das goldne Kamel da drueben, an der Apotheke, wie doch Gott
alles so herrlich und wunderbar geschaffen hat! Aber der Mensch
erkennt es nicht, und ein solch Kamel geht eher durch ein Nadeloehr
als ein Reicher in das Himmelreich.--Aber was sitzt Er denn immer da?
Gehe Er, den Bogen Papier zu kaufen, und bringe Er mir die
Bittschrift."

"Liebe Mutter", sagte ich, "wie kann ich Euch die Bittschrift machen,
wenn Ihr mir nicht sagt, was ich hineinschreiben soll?"

"Das muss ich Ihm sagen?" erwiderte sie; "dann ist es freilich keine
Kunst, und wundre ich mich nicht mehr, dass Er sich einen Schreiber zu
nennen schaemte. wenn man Ihm alles sagen soll. Nun, ich will mein
Moegliches tun. Setz Er in die Bittschrift, dass zwei Liebende
beieinander ruhen sollen, und dass sie einen nicht auf die Anatomie
bringen sollen, damit man seine Glieder beisammen hat, wenn es heisst:
"Ihr Toten, ihr Toten sollt auf erstehn, ihr sollt vor das Juengste
Gerichte gehn!"" Da fing sie wieder bitterlich an zu weinen.

Ich ahnete, ein schweres Leid muesse auf ihr lasten, aber sie fuehle
bei der Buerde ihrer Jahre nur in einzelnen Momenten sich schmerzlich
geruehrt. Sie weinte, ohne zu klagen, ihre Worte waren immer gleich
ruhig und kalt. Ich bat sie nochmals, mir die ganze Veranlassung zu
ihrer Reise in die Stadt zu erzaehlen, und sie sprach: "Mein Enkel,
der Ulan, von dem ich Ihm erzaehlte, hatte doch mein Patchen sehr lieb,
wie ich Ihm vorher sagte, und sprach der schoenen Annerl, wie die
Leute sie ihres glatten Spiegels wegen nannten, immer von der Ehre
vor und sagte ihr immer, sie solle auf ihre Ehre halten und auch auf
seine Ehre. Da kriegte dann das Maedchen etwas ganz Apartes in ihr
Gesicht und ihre Kleidung von der Ehre; sie war feiner und
manierlicher als alle andere Dirnen. Alles sass ihr knapper am Leibe,
und wenn sie ein Bursche einmal ein wenig derb beim Tanze anfasste
oder sie etwa hoeher als den Steg der Bassgeige schwang, so konnte sie
bitterlich darueber bei mir weinen und sprach dabei immer, es sei
wider ihre Ehre. Ach, das Annerl ist ein eignes Maedchen immer
gewesen. Manchmal, wenn kein Mensch es sich versah, fuhr sie mit
beiden Haenden nach ihrer Schuerze und riss sie sich vom Leibe, als ob
Feuer drin sei, und dann fing sie gleich entsetzlich an zu weinen;
aber das hat seine Ursache, es hat sie mit Zaehnen hingerissen, der
Feind ruht nicht. Waere das Kind nur nicht stets so hinter der Ehre
her gewesen und haette sich lieber an unsren lieben Gott gehalten,
haette ihn nie von sich gelassen, in aller Not, und haette seinetwillen
Schande und Verachtung ertragen statt ihrer Menschenehre. Der Herr
haette sich gewiss erbarmt und wird es auch noch; ach, sie kommen gewiss
zusammen, Gottes Wille geschehe!

Der Ulan stand wieder in Frankreich, er hatte lange nicht geschrieben,
und wir glaubten ihn fast tot und weinten oft um ihn. Er war aber
im Hospital an einer schweren Blessur krank gelegen, und als er
wieder zu seinen Kameraden kam und zum Unteroffizier ernannt wurde,
fiel ihm ein, dass ihm vor zwei Jahren sein Stiefbruder so uebers Maul
gefahren: er sei nur Gemeiner und der Vater Korporal, und dann die
Geschichte von dem franzoesischen Unteroffizier, und wie er seinem
Annerl von der Ehre so viel geredet, als er Abschied genommen. Da
verlor er seine Ruhe und kriegte das Heimweh und sagte zu seinem
Rittmeister, der ihn um sein Leid fragte: "Ach, Herr Rittmeister, es
ist, als ob es mich mit den Zaehnen nach Hause zoege." Da liessen sie
ihn heimreisen mit seinem Pferd, denn alle seine Offiziere trauten
ihm. Er kriegte auf drei Monate Urlaub und sollte mit der Remonte
wieder zurueckkommen. Er eilte, so sehr er konnte, ohne seinem Pferde
wehe zu tun, welches er besser pflegte als jemals, weil es ihm war
anvertraut worden. An einem Tage trieb es ihn ganz entsetzlich, nach
Hause zu eilen; es war der Tag vor dem Sterbetage seiner Mutter, und
es war ihm immer, als laufe sie vor seinem Pferde her und riefe:
"Kasper, tue mir eine Ehre an!" Ach, ich sass an diesem Tage auf
ihrem Grabe ganz allein und dachte auch: wenn Kasper doch bei mir
waere! Ich hatte Bluemelein Vergissnichtmein in einen Kranz gebunden
und an das eingesunkene Kreuz gehaengt und mass mir den Platz umher aus
und dachte: hier will ich liegen, und da soll Kasper liegen, wenn ihm
Gott sein Grab in der Heimat schenkt, dass wir fein beisammen sind,
wenns heisst: "Ihr Toten, ihr Toten sollt auferstehn, ihr sollt zum
Juengsten Gerichte gehn!" Aber Kasper kam nicht, ich wusste auch nicht,
dass er so nahe war und wohl haette kommen koennen. Es trieb ihn auch
gar sehr, zu eilen; denn er hatte wohl oft an diesen Tag in
Frankreich gedacht und hatte einen kleinen Kranz von schoenen
Goldblumen von daher mitgebracht, um das Grab seiner Mutter zu
schmuecken, und auch einen Kranz fuer Annerl, den sollte sie sich bis
zu ihrem Ehrentage bewahren."

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Film review: Choke

Mark Crick performs 'Hanging Wallpaper with Ernest Hemmingway' and 'Boarding an Attic with Edgar Allan Poe'

History's missing pages: Iranian academic sliced out sections of priceless collection

These are high times for Gordon Brown. He has been praised for saving the global financial system, and received a welcome respite from his electoral troubles at the Glenrothes byelection.

But not everything is rosy for the prime minister. His latest book, Wartime Courage: Stories of Extraordinary Courage by Ordinary People in World War Two, has sold just 193 copies in the fortnight it has been on sale.

In the same two weeks, Jordan - Pushed to the Limit, the latest instalment of the glamour model's autobiography, sold 4,446 copies, despite having been on sale for 10 months. Wartime Courage currently ranks at 10,646 in the Amazon UK sales chart.

To rub salt into his wounds, the reviews have been rotten. The Independent bemoaned Brown's "robotic neutrality", "engine-drone monotone" and "mealy-mouthed avoidance of 'controversial' issues". Writing in the Spectator, the author James Delingpole went further, describing Wartime Courage as a "leaden, clunken-fisted cuttings job". Brown has an "automaton-like inability either to empathise with his subject ... or to work out which details needed emphasising and which could be safely excluded".

Brown's subjects - which include the Chariots of Fire legend Eric Liddell and Violette Szabo, who worked undercover for the Special Operations Executive during the second world war - were intrinsically thrilling, said Delingpole. Which "makes it all the less excusable that Brown has made them seem so dull".

And that's not all. "His opening and closing essays are waffly, trite and, in so far as they attempt to make political capital from the achievements of people who have nothing whatsoever to do with him or his grisly ideology, offensive," complained Delingpole, who admitted that as a "starving author" he resented "the allocation by the publishing industry of time, money, space and attention to people who can barely write and anyway have well remunerated day jobs".

Not everyone hated it, however. The Jewish Chronicle's reviewer was a lone fan, saying all of the stories in the book were "well told" and made "compelling reading". "Finding time to write this book does the prime minister credit."

The book was due to be published in April, but did not hit the shops until November. A spokeswoman for Bloomsbury, the prime minister's publisher, denied it had been held back because of his low popularity ratings in the spring.

"The reason it was delayed was because he hadn't finished writing it - he didn't have a ghostwriter," said Bloomsbury's publicity director, Katie Bond.

Neill Denny, editor-in-chief of the publishing trade magazine the Bookseller, said that while he was surprised Brown's book had sold so badly, it was not the most tempting proposition.

Denny said: "It would be different if he had written his memoirs. That could be political dynamite. We've had half the story of the Blair years, but Brown's point of view could be fascinating."

But he added: "It is not disastrously bad. Hardback books do not sell in huge quantities any more. When the Booker longlist came out last year, of the 13 books, half had sold less than 1,000 copies."

Gordon Brown's first book on the subject of bravery, Courage: Eight Stories, which was published by Bloomsbury last year, has sold 4,469 copies in the UK, according to Nielsen BookScan.

The Conservatives may be falling back in the polls, but they are easily winning the book war: William Hague's biography of William Pitt the Younger has sold more than 78,000 copies since 2004.

PM's weighty tome

Tirpitz and Godfrey Place

On 11 September six X-craft set out for the thousand-mile journey. Each midget submarine had two crews: one for the passage out - on which they were towed by six larger submarines - and one operational crew to carry out the final attack. Two of the midget submarines broke adrift, one being eventually recovered, the other sinking with all hands. On 19 September the four remaining vessels approached the target area, still under tow. Towing problems delayed HM Submarine Stubborn and her charge X-7 when a floating mine - part of the outer defences of Altafjord - became caught on the tow-line and was then impaled on the bows of the midget submarine. [Godfrey] Place, the commander of X-7, went out on its forward casing and cleared the mine away with his foot.

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Why shouldn't Sarah Palin get a book deal?

To the untrained eye the damage is barely visible. Yet within the handbound pages of books charting how Europeans travelled to Mesopotamia, Persia and the Mogul empire from the 16th century onwards, the damage caused by one Iranian academic to a priceless British Library collection is irreversible.

Leading scholars at the library are at a loss to explain why Farhad Hakimzadeh, a Harvard-educated businessman, publisher and intellectual, took a scalpel to the leaves of 150 books that have been in the nation's collection for centuries. The monetary damage he caused over seven years is in the region of £400,000 but Dr Kristian Jensen, head of the British and early printed collections at the library, said no price could be placed upon the books and maps that he had defaced and stolen.

"These are historic objects which have been damaged forever," said Jensen. "You cannot undo what he has done and it has compromised a piece of historical evidence which charts the early engagement of Europeans with what we now know as the Middle East and China.

"It makes me extremely angry. This is someone who is extremely rich who has damaged and destroyed something that belongs to everybody."

Hakimzadeh, 60, faces a jail sentence today when he appears at Wood Green magistrates court in London. The Iranian-born academic fled his country after the fall of the Shah and holds a US passport. He has pleaded guilty to 14 specimen charges of stealing maps, pages and illustrations from 10 books at the British Library and four from the Bodleian Library in Oxford dating back to 1998.

When police searched his home in Knightsbridge, west London, last July they discovered some of the missing maps, pages and pictures inserted into less valuable editions of the same books he owned.

Academics at the library were forced to turn detective in June 2006 after a reader who had taken out a copy of Sir Thomas Herbert's book A Relation of Some Yeares Travaille, Begunne Anno 1626 suggested some of its pages had been removed.

Careful examination by experts at the library proved him to be correct and the staff mounted a delicate operation to find out who had been damaging the book and whether other items had suffered the same fate.

Using electronic records, they found all the British Library members who had taken out the book and then examined other works these people had had contact with. They discovered that other works detailing the same periods in history and covering European engagement to the area from modern-day Syria to Bangladesh were also damaged.

Pages had been sliced away close to the spine of the books and maps, one of them worth £32,000, had been removed from chapters, leaving barely noticeable indentations in the paper marking where they had been.

"It was only the books taken out by Hakimzadeh which showed a consistent pattern of damage," said Jensen.

They discovered that Hakimzadeh had taken out 842 books and of these at least 150 had been mutilated. Some of the stolen pages were discovered but many have been lost forever.

The library wrote to Hakimzadeh, who at the time was chief executive of the Iran Heritage Foundation, a charity he formed in 1995 to promote and perserve the history, languages and culture of Iran. He replied saying he had no idea that there was any damage to the books. It was at this point that the library went to the police with the details of the investigation.

Forensic scientists analysed the damaged books and police officers called at Hakimzadeh's Knightsbridge home, where he lived with his wife.

"Some pages were found loose and others had been inserted into books in his own collection," said Jensen, who acccompanied the officers. "Hakimzadeh is eminently characteristic of our traditional groups of readers: he has a profound knowledge of the field. From my point of view, that makes it worse because he actually knew the importance of what he was damaging. What he did was use the cover of serious scholarly purpose to steal historic pieces and abuse our trust."

The library has launched a civil action to sue Hakimzadeh for full compensation.

Defaced books

The rare books that were defaced by Hakimzadeh include:

Historia de la China From the writings of Father Matteo Ricci, an Italian Jesuit who travelled to China in 1582 and became the first western traveller to settle there. First published in Latin in 1615. This copy was printed in Spain in 1621. Ricci learned to speak and write Chinese and his work was the first important and reliable European description of the country.

Novus Orbis An anthology of works by Simon Grynaeus, professor of Greek at Basle. Hakimzadeh removed an engraving of a world map drawn by Hans Holbein the Younger, court painter to Henry VIII.

Mithridates By the English dramatist Nathaniel Lee. Published in 1693.

Ost-indian-und Persianische Reisen By Johann Gottlieb Worm, the German philosopher who accompanied an envoy of the Dutch East India Company sent to the Safavid court in Persia in 1717. He travelled to Isfahan from India via Bandar. Published in 1745.

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