Mutter und Kind. by Friedrich Hebbel
F >>
Friedrich Hebbel >> Mutter und Kind.
This etext was produced by Michael Pullen.
Mutter und Kind
Friedrich Hebbel
Ein Gedicht in sieben Gesaengen.
1859
Erster Gesang.
Eben grauet der Morgen. Noch stehen die zitternden Sterne
An der Woelbung des Himmels, die kaum am Rande zu blauen
Anfaengt, waehrend die Mitte noch schwarz, wie die Erde, herabhaengt.
Frierend kriechen die Waechter mit Spiess und Knarre nach Hause,
Doch sie erloeste die Uhr und nicht die steigende Sonne,
Denn noch ruhen die Buerger der Stadt und beduerfen des Schutzes
Gegen den schleichenden Dieb, den spaehende Augen gewaehren.
Wie der Hahn auch rufe, und wie vom Turme herunter
Auch der hungrige Geier mit ewig brennendem Magen
Nach dem Fruehstueck kraechze, es kuemmert nicht Mensch noch Tiere.
Nur in den Staellen, die hinter die stattlichen Haeuser versteckt sind,
Wird's allmaehlich lebendig, es scharren und stampfen die Pferde,
Und es bruellen die Kuehe, allein die Knechte und Maegde
Schwoeren sich bloss, zur Nacht die Raufen noch voller zu stopfen,
Als es gestern geschah, und schlafen weiter in Frieden.
Nun, man muesste sie loben, wofern sie sich rascher erhueben,
Aber, wer koennte sie tadeln, dass sie sich noch einmal herumdrehn?
Ist doch die Kaelte zu gross! Der Fuss, dem die Decke entgleitet,
Schrickt zurueck vor der Luft, als ob er in Wasser geriete,
Welches sich eben beeist, auch darf man den Winter nicht schelten,
Weihnachts-Abend ist da, wie sollt' er nicht grimmig sich zeigen!
Dennoch lehnt schon am Pfahl der still vergluehnden Laterne
Eine dunkle Gestalt. Im Licht des flackernden Dochtes,
Welcher sich selbst verzehrt, des OEls allmaehlich ermangelnd,
Kann man den Juengling erkennen, der unbeweglich hinueber
Schaut nach dem Erdgeschoss des Hauses ueber der Strasse.
Wahrlich, es muessen die Pulse ihm heiss und fieberisch huepfen,
Dass er um diese Stunde, die selbst im Sommer die Zaehne
Oft zum Klappern bringt und alle Glieder zum Schaudern,
Hier so ruhig steht, als waer' er in Eisen gegossen.
Schneidend und scharf, wie ein Messer, zerteilt der Hauch nun die Luefte,
Welcher die Sonne meldet: den sollen die Fische im Wasser
Spueren und mitempfinden, er aber regt sich auch jetzt nicht.
Doch, da schreitet er vor und naht sich dem Hause. Was gibt ihm
Denn so ploetzlich Gefuehl und macht ihn lebendig? Ein Schimmer
Ward da drunten sichtbar, den eine getragene Lampe
Zu verbreiten scheint. Er bueckt sich nieder, zu lauschen,
Spricht: sie ist's! und tickt mit leisem Finger ans Fenster.
Drinnen taucht ein Kopf empor. Die klarste der Scheiben
Suchend, er findet sie schwer, die meisten sind blind und belaufen,
Lugt er schuechtern hindurch. Es ist ein bluehendes Maedchen,
Welches sich selber beleuchtet, indem es, die Lampe erhebend,
Nach dem Klopfenden spaeht. Er ruft: mach' auf, Magdalena!
Und enteilt in das Gaesschen, das links am Hause sich hinzieht.
Bald auch oeffnet sich seitwaerts das Dienerpfoertchen, doch halb nur,
Und den Fuss in der Tuer, beim Licht noch einmal ihn pruefend,
Spricht sie: Christian, du? Was kannst du so zeitig nur wollen?
Lass uns hinein--versetzt er--du wuerdest draussen erfrieren,
Und wir sind ja noch sicher! Sie sperrt ihm noch immer den Eingang,
Doch er haelt ihr den Pelz entgegen, in den er gehuellt ist,
Und nun tritt sie zurueck und geht voran in die Kueche,
Waehrend er auf den Zehen ihr folgt. Schon brennt auf dem Herde
Hell und lustig ein Feuer. Sie stellt den Kessel mit Wasser
Jetzt darueber und setzt sich an einer Seite daneben,
An der anderen er. Die roetliche Flamme vergoldet
Spielend beider Gesichter, und gegen sein dunkel gebraeuntes
Sticht ihr lilienweisses, mit blonden Locken bekraenztes,
Fein und angenehm ab. So musst du--beginnt sie--schon wieder
Auf die Strasse hinaus, und das am heiligen Abend?
Wer dem Fuhrmann dient,–-entgegnet er--feiert die Feste
Selten gemaechlich zu Hause, denn immer mangelt dem Kaufmann
Dies und das im Gewoelb', und da die Kunden nicht warten,
Wartet er selbst auch nicht! Doch du--erwidert sie leise,
Fast in Vorwurfes Ton--du koenntest es lange schon besser
Haben, wenn du nur wolltest!–-Du meinst, ich koennte beim Kaufmann
Selber, koennte bei euch sein--versetzt er mit Laecheln--und freilich
Haett ich's bequemer und duerfte, man sieht's ja, zu Tode mich schlafen.
Aber, das taete nicht gut!–-Er springt empor, und die Kueche
Stumm und sinnend durchschreitend und dann ich ploetzlicher Wendung
Vor das Maedchen tretend und ihre Schoenheit betrachtend,
Ruft er aus: Nein, nein, sie soll mir nicht hungern und frieren!
Voll Verwunderung schaut sie auf und merkt es nun endlich,
Dass er bewegt ist, wie nie. Was hast du? fragt sie ihn aengstlich,
Und er streichelt sie sanft und spricht die bedaechtigen Worte:
Wem ein altes Weib fuer seinen Groschen das Schicksal
Aus den Karten verkuendigt, der mag noch zweifeln und lachen,
Aber, wem es der Herr im liebsten Freunde und Bruder
Dicht vor die Augen stellt, dem ziemt es, sich warnen zu lassen!
Haette der AErmste mich in solchem Elend gesehen,
Wie ich gestern ihn, er waere wohl ledig geblieben,
Und sein Beispiel soll--dies wird, so meint er, ihn troesten-–
Nicht verloren sein fuer seinen Jugendgenossen!
Geht es den beiden so schlecht--versetzt sie erschreckend–-ich habe
Anna nicht wieder erblickt, sie ist nicht weiter gekommen,
Und ich kann das Haus nur selten auf Stunden verlassen,
Und da hab' ich zu tun und rechne mit Schuster und Schneider.
Ging's mir anders mit Wilhelm--erwidert er traurig--ich hatte
Ihn so gut wie verloren, denn aengstlich, wie Suende und Schande,
Pflegen sich Armut und Not in Ecken und Winkeln zu bergen.
Seinen eigenen Vetter vermocht' ich nicht zu ihm zu fuehren,
Als er nach Hamburg kam, um Anna endlich zu sehen,
Und erst gestern zur Nacht bin ich ihm wieder begegnet,
Aber in welcher Gestalt! Wie gaenzlich veraendert! Du kannst es
Dir nicht denken! Ich glaubte zuerst, es waere sein Vater,
Der noch lebt auf dem Dorf, um seinen Jammer zu mehren,
Weil er den Greis nicht fuerder ernaehren kann, wie so lange!
Als ich ihn dann erkannte in seinem gebrochenen Wesen,
Wollte er mir nicht stehn, wie einer, der giftige Blattern
Zu verbreiten fuerchtet, ich aber blieb ihm zur Seite
Und so nahm er mich mit zum kranken Weib und den Kindern.
Nun, die dienten zusammen!--Das Maedchen erhebt sich und schliesst ihn
Innig und fest an die Brust.--Sie wohnen im feuchtesten Keller
Welchen ich jemals sah. Dem Totengraeber gehoerig,
Hat er die nassen Waende mit Brettern von Saergen beschlagen,
Wie sie der Kirchhof ihm aus wieder eroeffneten Graebern
Fett und modrig liefert. Die dunsten, dass, wer hereintritt,
Fast erstickt, doch die Miete ist billig, auch jagt sie der Hausherr
Nicht so leicht heraus, es fehlt am zweiten Bewerber,
Darum bleiben sie sitzen. Sie sollen vom Fieber genesen,
Wo's ein Gesunder bekommt. Da macht's natuerlich die Runde,
Springt von ihm zu ihr, von einem Kinde zum andern
Und verlaesst sie nicht mehr! Du weinst schon bittere Traenen,
Nun, ich rede nicht weiter!--Sie trocknet sich ploetzlich die Augen,
Welche ihr laengst schon stroemten, und spricht mit krampfhaftem Lachen,
Ihn bei der Hand ergreifend und ueber und ueber ergluehend:
Christian, weisst du was? Es ist der heilige Abend,
Und es wird uns beschert: da wollen wir wieder bescheren!
Meinen ganzen Weihnacht, und reichlich gibt ihn die Herrschaft,
Kleider und Tuecher und Geld, und was noch etwa hinzukommt,
Alles trag' ich zu Anna, du machst es auch so mit Wilhelm,
Und sie koennen den Keller verlassen und wieder gesunden!
Kind--versetzt er darauf--ich tat zwar gleich, was ich konnte,
Und der Weihnacht1) ist die Haelfte des Lohnes in Hamburg,
Aber es sei darum! Denn, wie kein Engel im Himmel,
Hat mich Wilhelm gestern fuer ewige Zeiten gesegnet,
Und ich dank' es ihm gern! Zwar war sie bitter, die Lehre,
Die ich empfing, als ich sah, dass trockenes Brot ihm, wie Kuchen,
Schmeckte, Kaese wie Fleisch, doch werd' ich sie nimmer vergessen.
Ja, ich hab' es erkannt, und werd' es im Herzen bewahren:
Wenn der Arme es wagt, nur Gatte und Vater zu werden,
Ist es suendlich, als daechte der Reiche auf Kaiser und Koenig,
Und es straft sich noch haerter. So bin ich denn fest auch entschlossen,
Endlich den Schritt zu tun, auf den ich schon lange gesonnen,
Denn das Leben ist kurz, und einmal will ich doch wuerfeln!--
Sie erschrickt, doch bald zerschmilzt in freudigem Laecheln
Ihre Angst, denn er zieht zu ihrem hoechsten Erstaunen
Einen goldenen Ring hervor--er ist in den Handschuh
Eingewickelt, den sie vermisst und den er entwandte,
Um ihr Mass zu haben--und reicht ihr das funkelnde Kleinod.
Nimm ihn an von mir--so spricht er--und trag' ihn zu Ehren,
Gottes, des Vaters, des Sohnes, sowie des Heiligen Geistes
In Geduld drei Jahre, du wirst nicht darueber ergrauen,
Und das Glueck hat Zeit, mir einen Finger zu reichen!
In Geduld drei Jahre!--versetzt sie--und das noch zu Ehren
Gottes, des Vaters, des Sohnes, sowie des Heiligen Geistes?
Nein, in Liebe und Treue das ganze Leben und keinem
Mehr zurueck Ehren, als dir, du Bravster unter den Braven!
Kind, ich nehm' es nicht an--entgegnet er ernst--denn es wuerde
Mir das Gewissen belasten, du bist nicht laenger gebunden,
Wenn die Frist verlief, auch ist sie voellig genuegend,
Und wenn ich dich nicht loese, so magst du selber dich loesen!
Aber--ruft sie--was koennen so wenige Jahre dir bringen,
Wenn du das Heil nicht von Alt'na erwartest oder von Wandsbeck2),
Und du bist wohl der letzte, dein Haus aufs Lotto zu bauen!
Darauf schwoere nur nicht--versetzt er--du wuerdest dich taeuschen,
Denn ich rechne aufs Lotto, doch setz' ich nicht Heller und Groschen,
Nein, ich setze mich selbst. Ich geh' im Fruehling zu Schiffe.
Schlage nicht gleich die Haende zusammen und halte die Schuerze
Vor die Augen! Ich hab' es lange bedacht und erwogen,
Gestern kam's zum Entschluss! Die Welt ist anders geworden,
Als mein Vater sie kannte, und seine goldenen Regeln
Passen nicht mehr hinein! Wer bliebe nicht gerne im Lande
Und ernaehrte sich redlich! Ich sehne mich nicht nach dem Weltteil,
Wo man Loewen und Affen und Papageien umsonst sieht,
Nein, ich will das Plaesier mit Freuden noch laenger bezahlen,
Wenn wir ueber den Berg3) nach Altona gehn zur Erholung!
Aber, wer kann, was er moechte! Wofuer mein Vater das Haeuschen
Kaufte, miet' ich mir kaum, die Stube, und was fuer den Ochsen
Einst der Schlachter gab, das gibt fuer die Haut jetzt der Gerber!
Sprich, wo waere da Hoffnung! Es sind der Menschen zu viele
UEber die Erde versaet, und statt, wie einst, sich zu helfen,
Draengen sie sich und stossen und suchen sich neidisch die Bissen
Aus den Haenden zu reissen. Drum sind auch die schrecklichen Tiere
Losgelassen, von denen die Offenbarung Johannis
Prophezeite, sie sollen den Haufen lichten und sichten.
Bonaparte voran als Tod mit der blinkenden Sense,
Jetzt die neue Pest, die Cholera, wie sie sie heissen,
Und die Hungersnot wird folgen, sie guckt um die Ecke.
Fault nicht schon die Kartoffel? So sagte der Alte aus Bremen,
Den sie den Mystikus nennen, und der uns Knechten und Maegden
Seine Gesichte verkuendigt, und wahrlich: er hat nicht gefaselt!
Hoere den Orgeldreher, wer will! Doch sieh wie dein Kessel
Siedet! Auch haben die Pferde in meinem Stall wohl gefressen,
Und je eher daran, je eher davon. Bis zum Abend
Bin ich morgen zurueck und bringe Wilhelm das Seine,
Denn du wuerdest den Gang, geschweige den Keller nicht finden,
Duerftest dich auch nicht hineinbegeben, er wimmelt von Schiffern
Und von allerlei Volk, und was sie da suchen, das weisst du.
Heute ist er versehn!--Er reicht ihr die Hand hin zum Abschied,
Aber sie haelt ihn fest, sie schaut ihm ins Auge und schuettelt
Kindlich den lockigen Kopf, im Anfang leise und schuechtern,
Dann geschwind und geschwinder, und da er noch immer nicht redet,
Zieht sie den Hochgewachsnen zu sich hernieder und bietet
Ihm, wie zum Danke, den Mund. Er aber weigert sich laechelnd,
Diesen Kuss zu nehmen und spricht: Das waer' ein Geloebnis,
Hier zu bleiben, und dies vermag ich dir nicht mehr zu geben,
Denn habe den Dienst schon aufgesagt, und ich gehe
Mit den Gefaehrten, dem Schmied und dem Tischler, die lange schon draengten,
Wenn die Stoerche kommen, damit wir endlich erfahren,
Welche Reise sie machen. Das wenige, was ich ersparte,
Reicht schon aus fuer das Schiff, und warum gingen nur wir nicht,
Unser Glueck zu versuchen! Zu Tausenden ziehn sie hinueber,
Um nach Gold zu graben im kalifornischen Boden!
Waere der Himmel geoeffnet und wuerde am Tore gelaeutet,
Wie des Abends bei uns zur Zeit der Sperre4), es gaebe
Schier kein groessres Getuemmel, kein aergeres Rennen und Laufen:
Musikanten verkaufen die Fiedel, Gelehrte die Bibel,
Schuster und Schneider den Pfriem und die Nadel und eilen nach Bremen.
Von dem Bette des Kranken entweicht der gierige Doktor,
Und sein Koch ist voraus, es stosse im Moerser, wer Lust hat,
Advokaten und Schreiber verachten auf einmal die Zunge,
Die sie so lange ernaehrte, und rechnen auf Arme und Beine,
Der Senator bedenkt sich's, ob er denn wirklich zu dick ist,
Und der Prediger kaum haelt's aus bei seiner Gemeinde.
Sollte der AErmste da fehlen? Ich daechte doch, diesem vor allen
Waere der Segen beschert, nur muss er sich freilich auch ruehren,
Denn Sankt Nikolaus schenkt zwar die Kuh, doch nicht auch den Halfter.
Darum weine mir nicht! Ich bin ja nicht, wie die andern,
Unersaettlich, und werfe das Brot, das ich habe, zu Boden,
Um nach dem Kuchen zu schnappen, ich will ja nicht mehr, als ich brauche,
Um dich mit gutem Gewissen zur Kirche fuehren zu koennen,
Und du bist es wohl wert, dass mir dies wenige werde.
Haett' ich den Dampfer auch schon bestiegen, und wuerde ihn willig
Wieder verlassen, wenn hier noch ein maessiges Glueck sich mir zeigte,
Aber ebenso sicher vollbring' ich auch, was ich beschlossen,
Wenn kein Wunder geschieht und an die Heimat mich fesselt.
Knarrt nicht die Treppe? Jawohl! Man kommt! So trockne die Augen,
Dass sie nicht glauben, wir zankten! Da rollt schon der Wagen des Nachbars!
Nun, ich hol' ihn noch ein, denn meine Pferde sind besser.
Lebe denn wohl! Sie bringen in Holstein den Pudding nicht fertig,
Wenn ich nicht mache, es fehlt an frischen Rosinen und Mandeln,
Und hier brauchen wir Schinken und wohlgeraeucherte Zungen!
Heller Tag! Wie die Zeit verstrichen ist! Gluecklicherweise
Hat mein Alter die Gicht! Da schlaeft er hinein in den Morgen,
Weil sie ihn zwickt bei der Nacht fuers fleissige Schnapsen von frueher,
Sonst erging' es mir uebel! Es hat ihn nicht wenig verdrossen,
Dass ich nicht bleiben will und, selbst nicht offen und ehrlich,
Glaubt er, ich will den Dienst nur wechseln und nicht mit dem Spaten
Wirklich die Zuegel vertauschen! Ei nun, er wird es erfahren!
Keinen Kuss? Doch die Hand! Auch die nicht? Du sollst mich noch loben!--
Damit eilt er hinweg. Sie setzt sich, um Kaffee zu mahlen,
Doch ihr rinnen die Traenen von neuem, es kann sie nicht troesten,
Dass die Raben noch kraechzen und nicht die Stoerche schon klappern,
Denn sie weiss: Was er sagt, das tut er! Sie kennt ihn zu lange.
Zweiter Gesang.
Waehrend dies in der Kueche geschah, ist alles im Hause
Nacheinander lebendig geworden, das fleissige Maedchen
Hatte zuerst sich erhoben, in ihrer laendlichen Weise
Nach der Kaelte nicht fragend, nur nach der Stunde, verdriesslich
Ist ihr nach langer Pause, mit offenen Ohren verdaemmert,
Dann die zweite gefolgt und hat Kamine und OEfen
Bis zum Zerspringen geheizt, vom Schlaf erst voellig ermuntert,
Als ihr auf einmal die Haube zu glimmen begann und ein Loeckchen
Sich entzuendete, rasch, wie Hanf, am Feuer verflackernd,
Und die Augenbraunen, ja selbst die Wimpern ihr sengend.
Noch viel spaeter schluepfte der Kutscher in seine Pantoffeln:
Diesen weckt zwar gewoehnlich die Kaffeemuehle, doch huetet
Er sich, aufzustehn, bevor sie wieder verstummt ist,
Denn er kaeme zu frueh, noch waere das Brot nicht geroestet
Oder die Sahne gesotten, das hat er laengst schon berechnet,
Und ein verstaendiger Mann verachtet nie die Erfahrung.
Jetzt sogar bleibt ihm noch Zeit, den Thermometer am Fenster
Um den Grad zu befragen, doch ist's ihm freilich nicht moeglich,
Auch nach der Uhr zu sehn, die ihm zu Haeupten am Bett haengt,
Denn es wird ihm da unten zu still, sie sind schon beim Trinken.
Endlich huscht auch die Zofe hinab, das Prasseln im Ofen
Hat sie herausgetrieben, doch sind ihr die Augen noch immer
Matt, und gleichen den Lichtern, die, nachts in der Kaelte beschlagen,
Oder mit Wasser bespritzt, nicht brennen wollen am Morgen.
Darum bemerkt sie's auch nicht, dass Magdalena schon weinte,
Sondern erkundigt sich bloss, ob keiner ihr Traumbuch gesehn hat.
Nur der Bediente fehlt, der muss die Klingel erst hoeren,
Aber er ruehmt sich der Kunst, so flink in die Kleider zu kommen,
Dass er, wie schwach sie der Herr auch ziehn mag, immer schon fertig
In das Zimmer tritt, bevor noch die Glocke verhallte:
Und da darf er's schon wagen, die Nachricht1) im Bette zu lesen.
Dennoch irrt er gewaltig, indem er das Knattern des Bodens,
Welches er ueber sich hoert, allein dem Springen der Bretter
Zuschreibt, wenn sie auch maechtig im klingenden Winter sich kruemmen,
Denn schon lange wandelt der Kaufherr sinnend und schweigend
In den Gemaechern herum, die koeniglich weit und geschmueckt sind,
Aber nicht mit Stolz, man sieht es ihm an, und Behagen.
Vor dem Spiegel flammen in schweren silbernen Leuchtern
Noch die Kerzen, sie sind zwar nicht mehr noetig, doch mag er,
Wie er sie angezuendet, sie nicht auch selber noch loeschen,
Und noch weniger scheint er den Diener schon rufen zu wollen.
Jetzt beschaut er die Blumen und fremden Gewaechse, sie fuellen
Fast ein ganzes Gemach, und alle Teile der Erde
Haben ihr Schoenstes geliefert, doch fesseln die schwellenden Knospen,
Die er sonst wohl mustert, als waer' er in Holland geboren
Und ein Buerger der Zeit, wo Zwiebeln die Wechsel vertraten,
Diesmal ihn nur wenig, ja selbst die geoeffneten Kelche
Hauchen ihm heute vergebens die heissen Duefte entgegen,
Welche den Papagei, er schliesst vor Behagen die Augen
Und ist betaeubt und berauscht, zurueck in die Heimat versetzen.
Jetzt betrachtet er sich die neue chinesische Vase:
Altoum selbst, der Drachen und Schlangen erlauchter Gebieter,
Hat sie in Peking nicht reicher, mit Gold gefuellt bis zum Rande
Waere sie kaum bezahlt, so selten und rein ist die Mischung
Und so brennend die Farbe! Man stellte in jedem Museum
Einen Waechter daneben, doch er, in ploetzlicher Wendung
Gegen ein Bild an der Wand, der Morgen beleuchtet's gerade,
Stoesst sie vom Tisch herunter, und wenn er erschrickt, so geschieht es
Bloss des Geprassels wegen, das dennoch der tuerkische Teppich
Maechtig daempft, denn er horcht, anstatt die Scherben zu sammeln
Oder auch nur zu beachten, mit angehaltenem Odem
Nach der linken Seite hinueber, wo ihm die Gattin
Schlummert im Bett von Damast, und da's dort still, wie zuvor, bleibt,
Spricht er laechelnd: so war denn doch noch ein Glueck bei dem Unglueck!
Und, als haette er nur die Kaffeetasse zerbrochen,
Tritt er gelassen und ruhig, nicht einmal den fegenden Schlafrock
Erst um den Leib sich guertend und weiteren Schaden verhuetend,
Vor das Gemaelde hin. Es ist von Rahl2), und es zeigt uns
Marius unter den Cimbern im grimmigen Wuergen. Kein Koenig
Hat es beim Meister bestellt, nicht einmal der Koenig der Juden,
Auch kein reicher Praelat, kein Julius oder ein Bembo,
Noch viel minder ein Junker, was kuemmern sie Kuenstler und Dichter,
Aber der Handelsherr, obgleich zum Patron nicht geboren,
Und von manchen bespoettelt, die mit ihm rechnen und tauschen,
Rief's ins Leben, sobald er in Wien die Skizze erblickte,
Denn er sucht in Venedig und nicht in Karthago sein Vorbild.
Freilich haelt ihn auch dies, so sehr er es schaetzt und bewundert,
Heute nicht lange fest. Er nickt zwar, erstaunend, wie immer,
Dem gewaltigen Stier, der eben den Roemer gespiesst hat,
Und der entsetzlichen Mutter, die ihren eigenen Saeugling
Unter die Feinde schleudert, doch greift er nicht nach der Kerze,
Um es heller zu sehn, obgleich das goldene Tagslicht
Wieder verduestert ward durch jenes graue Geriesel,
Welches nicht Nebel bleibt und auch nicht zu Schnee sich verdichtet
Und die Finsternis mehrt, die Kaelte aber nicht mindert.
Nein, er schreitet aufs neue von Zimmer zu Zimmer und heftet
Bald auf die Nipse den Blick, die Tische und Schraenke ihm zieren,
Bald auf Figuren und Buesten und bald auf Stiche und Buecher.
Alles besieht er und prueft's, er spaeht begierig nach Luecken,
Aber er findet sie nicht, und wenn sich die Lust des Besitzes
Auch in seinem Gesicht nicht eben spiegelt, so zeigt es
Doch auch keinen Verdruss. Da faellt sein schweifendes Auge
Auf die Dresdner Madonna, mit ihrem lieblichsten Knaben,
Und den reizenden Engeln, die Raphael malte, und eilig
Wendet er's wieder ab, als saehe er, was ihn nicht freute,
Und sein ruhiger Ernst verwandelt in Schmerz sich und Trauer.
Waer' nur das Stueck kein Geschenk, ich wuerd' es noch heute entfernen,
Spricht er, aber ich darf's nicht wagen, und dennoch vergoss sie
Oft schon Traenen davor, sie kann in der Fuerstin des Himmels
Nur noch die glueckliche Mutter erblicken und liesse ihr willig
Fuer den fluechtigsten Kuss des Kindes die ewige Krone.
Waer' doch der Tag erst vorueber, besonders der Abend! Die Domzeit3)
Macht sie fast immer krank. Was schelt' ich den goettlichen Kuenstler
Und sein koestliches Blatt! Die quiekendste Weihnachtstrompete,
In der schmutzigsten Twiete4) vom garstigsten Rangen geblasen,
Tut ihr ja eben so weh! Die bunten, beleuchteten Buden,
Welche den Gaensemarkt den ganzen Advent so beleben,
Schneiden ihr tief in das Herz. Sogar die Juden am Steinweg
Mit den Karren voll Tand entlocken ihr seltner das Laecheln
Halber Ergoetzung, nach dem ich oft Wochen vergebens mich sehne,
Als den Seufzer des Grams. Denn neben den scharfen Gesichtern,
Die das haessliche Schreien verzerrt, bemerkt sie noch immer
Auch die OEchslein und Esel von Zinn, mit denen sie troedeln,
Und um die sich begierig die Knaben und Maedchen versammeln,
Und da kehren sogleich die bittren Gefuehle ihr wieder.
Nun, es geht ja zu Ende! Wenn nur nicht heute gerade
Alles so uebel sich traefe! Der Affe ist nicht gekommen,
Weil das Schiff, das ihn trug, verschlagen wurde, die Voegel
Freilich sind eingetroffen, doch scheinen sie krank, und ich werde
Schon zufrieden sein, wenn sie nur leben bis Neujahr.
Waere die Blumenuhr nicht da, ich muesste verzweifeln,
Denn hier fehlt es an nichts, und alles ist dreifach vorhanden,
Aber es wird sie zerstreun, es wird sie vielleicht gar erfreuen,
Wenn ihr die persische Rose, bis auf die letzte Minute
Fest geschlossen, den Mittag, die tuerkische Tulpe den Abend,
und der Jasmin von Athos die Mitternachtsstunde verkuendigt,
Ja, es wird sie erfreun, die Schritte des Tages an Dueften
Abzuzaehlen und Farben, die alle Wunder der Ferne
Vor die Seele ihr ruecken! Er wiederholt es und klingelt
Endlich dem Diener: ihm folgt sogleich auf dem Fusse der Doktor,
Welcher, des Hauses Freund und alter Vertrauter, sein Vorrecht
Braucht, und das um so eher, als er schon lange gewartet.
Ei, da sind Sie ja--ruft ihm der Kaufherr freundlich entgegen--
Ich bin auch schon bereit, hier liegen in Gold und in Silber
Ihre Summen, und wollen Sie mehr, so kommen Sie wieder!
Nun verschonen Sie mich mit Ihren Berichten, ich mag nicht
Wissen, wo Sie es lassen, ich mag die Perlen nicht sammeln,
Welche aus Freudentraenen bestehen sollen, ich muesste
Sonst auch den AErger verwinden, wenn unser Pfenning nicht wuchert,
Wie er wohl koennte. Sie laecheln? Sie glauben, dass ich nur scherze
Oder mich selbst verleumde, weil jede Erfahrung mir mangelt?
Freund, ich habe sie nicht aus Grille gemieden! Sie zweifeln?
Kennen Sie wirklich das Herz des Menschen so wenig? Die Baeume,
Welche er pflanzt und begiesst und saeubert von Raupen und Wuermern,
Werden ihm nimmer zu gruen, doch leicht die Armen zu froehlich,
Und ein Heiliger wird nicht jeder durch Essen und Trinken,
Welche ein Maertyrer ist durch Hungern und Dursten und Frieren;
Wen man aber beschaemt, den wird man zugleich auch erbittern.
Darum soll man die Kluft, die zwischen dem Geber und Nehmer
Einmal besteht, durch Milde nicht fuellen wollen, man kann's nicht,
Nein, man soll sie mit Nacht, mit heiligem Dunkel bedecken,
Und, wie der Ewige selbst, ins tiefste Geheimnis sich huellen.
Denn es ist nicht genug, dass bloss die Rechte nicht wisse,
Was die Linke tut, sie soll es auch selber vergessen;
Reiche den Becher und wende dich ab, so wirst du erquicken!
Sie verhalten's darnach--entgegnet der Doktor mit Ruehrung--
Sie entkleiden die Pflicht des einzigen Reizes und ueben
Jede um Gottes willen, nur nicht die Stirne gerunzelt,
Heute muessen Sie's hoeren, ich heisse seit Jahren das letzte
Unglueck aller Heroen, und meine verrufene Zunge
Schont auch so wenig den Caesar, als Bonaparte und Friedrich,
Oder die hohen Poeten, die immer mit Worten bezahlen,
Aber wenn ich das Grosse in Voelkerwuergern und Kuenstlern,
Wie sie auf Ihren Gesimsen zu Hunderten prunken im Lorbeer,
Auch nur selten entdecke, das Edle vermag ich zu schaetzen,
Und, wer nie noch geschmeichelt, der scheint mir berufen, zu loben.
Waeren Sie nur auch so gluecklich, als gut! Wie ging es denn gestern?--
Aber der Kaufherr seufzt und spricht mit stockender Stimme:
Nun, Sie wissen's am besten, wie sehr die Woche der Kinder
Ihr die Hoelle im Busen entzuendet, das Schlimmste ist aber,
Dass mit jeglichem Jahre die Qualen sich steigern und mehren.
Ehmals lenkte sie selbst vom Weihnachtszimmer das Auge
Auf die Krankenstube, vom Tannenbaum mit den Kerzen
Auf die Trauerweide hinueber und fand sich getroestet:
Jetzt erblickt sie nur noch die festlichen Raeume des Jubels,
Aber der Kirchhof rueckt in immer weitere Ferne,
Und doch stehen die Saerge so nah an den Wiegen und werden,
Wie wir es selbst schon erlebt, an teuren Verwandten und Freunden,
Oft aus dem naemlichen Baum vom naemlichen Meister gehobelt,
Ja, ich fuerchte fuer sie, ich will es nicht laenger verhehlen,
Und Sie fuerchten sich auch, obgleich Sie's mir nicht bekennen,
Und so mag es wohl kommen, dass sich der letzte der Bettler,
Welchen ich heute beschenke, noch gluecklicher fuehlt, wie ich selber,
Denn sie ist mir der Mund, mit dem ich esse und trinke.
Ihrethalben koennte ich wuenschen, wir waeren katholisch,
Wenn ich sie hoch auch ehre, die protestantische Freiheit,
Und ihr goettliches Recht auf jeglichen wahren Gedanken,
Wie es der zwoelfte Apostel, denn Judas hat sich gestrichen,
Wie es der eiserne Luther mit feuriger Zunge erkaempfte.
Denn da duerft' ich mit ihr von einem Orte der Gnade
Zu dem anderen pilgern, und erst am heiligen Grabe
Zu Jerusalem wuerde die Hoffnung voellig erloeschen,
Aber da waere zugleich doch auch das Leben zu Ende.
Was mich selber betrifft, so fand ich mich laengst in mein Schicksal,
Denn ich hab's nicht verschuldet, es ward mir von oben gesendet,
Und ich glaube den Finger des Ewigen deutlich zu sehen.
Sie verwundern sich, Doktor? Vernehmen Sie, wie ich es meine.
Wissen Sie, was mich zumeist am grossen Brande entsetzte,
Welcher ein Fuenftel der Stadt in Asche legte vor Jahren?
Nicht die flammenden Strassen mit ihren donnernden Haeusern,
Welche vor dem Minieren gen Himmel flogen und barsten;
Nicht der tueckische Wind, der, wie ein daemonisches Wesen,
Immer sich drehte, sobald die Spritzen Meister geworden;
Nicht die lodernde Boerse mit all den Kaisergestalten,
Die das roemische Reich, doch auch uns Buerger bevogtet;
Nicht die gruenlichen Flammen der Tuerme, welche von Kupfer
Sich ernaehrten und Blei und graesslichen Regen verspritzten;
Nicht der endliche Sturz von Nikolai und Petri5),
Fast so entsetzlich fuer uns, als braeche die Erde zusammen;
Nicht einmal das Geheul der Feuerglocken, die alles
UEberwimmerten, selbst die Stunden-Uhren, so dass man
Keine einzige hoerte, als waeren die Zeiten vollendet,
Und als muesste der Richter nun gleich in den Wolken erscheinen:
Alles dieses verschwand mir gegen die Hungergesichter,
Welche mit Ratten und Maeusen verschuechtert zutage sich draengten,
Ja, sie kamen mir vor, als sollten sie klagen und zeugen
Und erwarteten nur noch den Engel mit seiner Posaune.
Welche ein Elend erblickt' ich! Und tief, wie unter der Erde,
War es verborgen gewesen, und stahl sich, als waere es Suende
Gegen die gluecklichen Brueder, auch jetzt noch zoegernd und aengstlich,
Und vom draeuenden Tode gejagt, hervor aus den Loechern!
Maenner, Weiber und Kinder! Und das im christlichen Hamburg,
Welches der Armen und Kranken doch wahrlich nie noch vergessen.
Fast mit Grausen gedacht' ich der eigenen Gueter und schaemte
Mich des eigenen Kummers! Allein nicht lange verharrt' ich
In dem stumpfen Entsetzen: mir schien auf einmal das Raetsel
Meines Lebens geloest. Fuer diese stroemen die Schaetze
So zusammen bei dir, und wenn es am Erben dir mangelt,
Ist's der Verzweifelten wegen! So rief's in mir, und so ruft es
Bis zur Stunde noch fort! Ich moechte, wie Fugger in Augsburg6),
Ein Asyl begruenden, in welchem es nimmer an Mitteln,
Eher an Duerftigen fehlte. Man spricht von roten Gespenstern,
Die man mit Pulver und Blei verscheuchen muesse. Sie sind wohl
Noch viel leichter zu bannen: man gebe ihnen zu essen,
Und, anstatt die Erde in unersaettlicher Goldgier
Auszuschmelzen und dann als Schlacke liegen zu lassen,
Wie es ein Rothschild tut, bestelle man Wuesten und weise
Ihnen die AEcker an! Das heisst, sich selber beschuetzen,
Denn wir besitzen die Habe noch nicht, wie Arme und Beine,
Die wir freilich mit keinem zu teilen vermoegen, und sollen
Nicht vergessen, was Moses gebot und Christus voraussetzt:
Fuerchterlich koennt' es sich raechen! Ich wuerde mit Freuden beginnen,
Und mir waer' es genug fuers Leben und sicher fuers Sterben,
Wenn ich mir sagen duerfte: Du wirst bis ans Ende der Zeiten
Hier die Hungrigen speisen und so den heiligen Frieden,
Denn ihn bricht nur die Not, auf ewig im Innern besiegeln!
Ja, mir waer' es genug! Doch sie ist anders geschaffen,
Sie entbehrt die Tochter, wenn ich auch den Sohn nicht vermisse,
Und der heimliche Gram verzehrt ihr leise die Kraefte.
Anfangs freute ich mich, dass sie am heutigen Morgen
Nicht so frueh, wie gewoehnlich, erwachte, aber es waehrt mir
Jetzt schon wieder zu lange: sie hat die Nacht nicht geschlafen,
Und ein trauriger Tag wird folgen! Sie kommen doch abends?
Sicher!--versetzte der Doktor--und einen eignen Gedanken
Bringe ich mit: Sie moegen ihn nun als toericht verwerfen
Oder, wie ich, als troestlich mit einiger Freude begruessen,
Immer verdient er die Pruefung. Ich war vorhin in der Kueche,
Und da fand ich das Maedchen vom Lande in bitteren Traenen,
Das gesunde und frische, das ich dem Hause empfohlen.
Sie eroeffnete mir ihr Herz, denn seit ich vom Fieber
Sie befreite, vertraut sie mir, als waer' ich ihr Vater.
Ei, wie bunt ist die Welt! Hier oben fehlt es an einem
Und dort unten am andern! Es waere vielleicht noch zu helfen,
Wenn man die Haende sich boete. Denn: Alles beruht ja auf Mischung!
Sagt Apotheker Franz, der Helgolaender, und kaemen
Mit den Kraeutern des Berges die Kraeuter des Tals nicht zusammen,
Wuerde kein UEbel geheilt! Ei nun, wir wollen's versuchen.
Nur nicht zu frueh erwarten Sie mich. Ein gluecklicher Schneider,
Dem sie unter die Arme gegriffen haben, erlaubt sich
Mit den Seinigen heute den ersten Pudding. Er lud mich,
Und ich moechte wirklich das kleine Fest nicht versaeumen,
Denn nicht lieber seh' ich den Regenbogen am Himmel
Als im Menschengesicht die wiedererwachende Freude.