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Komik und Humor by Theodor Lipps

T >> Theodor Lipps >> Komik und Humor

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Ich stelle jetzt in einem Beispiele alle drei Moeglichkeiten der Komik
einander gegenueber. Muenchhausen erzaehle die bekannte Geschichte, wie er
sich selbst am Schopfe aus dem Sumpf gezogen habe. Ein Erwachsener glaube
die Geschichte. Ein Kind frage, ob die Geschichte denn wahr sei. Hier ist
die Glaeubigkeit des Erwachsenen objektiv komisch. Als Erwachsener erhebt
er den Anspruch genuegend urteilsfaehig zu sein, um die Luege zu
durchschauen. An die Stelle der vorausgesetzten Urteilsfaehigkeit tritt
die thatsaechliche Unfaehigkeit. Dagegen ist die Erzaehlung selbst ein Witz.
Sie besitzt fuer uns im ersten Momente einen Schein der Wahrheit oder
Wahrscheinlichkeit. Man kann zur Not einen Menschen am Schopf aus dem
Sumpfe ziehen: da man selbst auch ein Mensch ist, warum sollte man die
Prozedur nicht auch bei sich selbst anwenden koennen. Dieser Fehlschluss
bezeichnet den subjektiven Gedankenzusammenhang, der den Schein der
Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit erzeugt. Endlich ist die harmlose Frage
des Kindes naiv-komisch.

Was heisst dies? Wir erwarten von dem Kinde nicht, dass es die Luege
durchschaue. Vielmehr finden wir bei ihm den Mangel an Einsicht voellig in
der Ordnung und unserer gewoehnlichen Erfahrung entsprechend. Dies ist
eine, aber auch nur eine Seite der Sache. Beruhte auf dem Umstand, dass
wir vom Kinde nichts anderes erwarten, fuer sich allein der Eindruck des
naiv Komischen, so muesste der gleiche Eindruck entstehen, wenn ein Kind
ueber ein leichtes Hindernis stolpert und faellt. Auch dies Stolpern und
Fallen widerspricht ja beim Kinde nicht wie beim Erwachsenen unserer
erfahrungsgemaessen Erwartung. In der That entsteht in unserem Falle der
Eindruck der Komik erst, wenn wir zugleich uns auf den Standpunkt des
Kindes stellen, und von seinen Voraussetzungen aus selbst urteilen. Es
erscheint dann auch uns die Aeusserung des Kindes logisch berechtigt; sie
erscheint ungleich als Zeichen echt kindlichen Sinnes sittlich wertvoll.

Damit nun, dass wir die Aeusserung als Aeusserung des Kindes fassen,
stellen wir sie zunaechst in einen _objektiven_ Zusammenhang, naemlich den
Zusammenhang mit dem kindlichen Wesen und Auffassungsvermoegen. Es handelt
sich zunaechst einfach um die objektive Herkunft der Aeusserung.
Andererseits stellen wir, indem wir selbst von den Voraussetzungen des
Kindes aus urteilen, die Aeusserung zugleich in einen logischen, also
_subjektiven_ Zusammenhang, naemlich den Zusammenhang mit den kindlichen
Voraussetzungen, die wir uns angeeignet haben. Die Frage lautet nicht
mehr, woher diese Aeusserung stamme, sondern wie sie aus jenen
Voraussetzungen logisch sich rechtfertige. Wir geben die Antwort, indem
wir sie als logisch berechtigt anerkennen. Mit dieser logischen
Berechtigung gewinnt dann die Aeusserung zugleich einen--wiederum
objektiven Wert, genauer einen Persoenlichkeitswert. Die Aeusserung ist als
logisch berechtigte zugleich Anzeichen kindlicher Klugheit, also eine
relativ bedeutsame intellektuelle Leistung. Sie ist nicht minder, indem
sich darin der ehrliche Sinn des Kindes verraet, der nichts davon weiss,
dass man mit ernstem Gesichte so ungeheuer luegen kann, sittlich wertvoll.

Es wird also im vorliegenden Falle zunaechst der Eindruck der
Bedeutsamkeit _erzeugt_, indem wir die Aeusserung in einen sowohl
objektiven als subjektiven Zusammenhang hineinstellen. Wir gehen aus von
der objektiven Betrachtungsweise, wenden uns zur subjektiven und kehren
zur objektiven wieder zurueck. Diese Betrachtungsweisen verhalten sich
aber genauer so zu einander, dass die erste Hineinstellung in den
objektiven Zusammenhang die Bedingung und nur die Bedingung ist fuer die
folgende Betrachtung im subjektiven und objektiven Zusammenhang. Nur
indem wir die Aeusserung als Aeusserung des Kindes fassen, kommen wir dazu,
sie vom Standpunkte des Kindes aus zu beurteilen, also in den logischen
Zusammenhang mit den kindlichen Praemissen, und den objektiven mit der
darin zum Ausdruck kommenden kindlichen Klugheit und ehrlichen
Harmlosigkeit zu stellen. Insoweit fuer den Anspruch der Bedeutsamkeit
oder Erhabenheit, den die naive Aeusserung erhebt, die objektive
Betrachtungsweise wesentlich ist, stimmt das Naive mit dem objektiv
Komischen ueberein; soweit der Anspruch nur auf Grund der subjektiven
Betrachtungsweise zu stande kommt, trifft das Naive mit dem Witze
zusammen. Die Vereinigung beider Momente und die Art ihrer Vereinigung
unterscheidet zugleich das Naive von jenen beiden Arten der Komik
wesentlich.

In aehnlicher Weise umfasst dann die naive Komik objektive Komik und Witz
hinsichtlich der Art, wie bei ihr die Erhabenheit zergeht. Von den
kindlichen Praemissen aus war die Aeusserung logisch berechtigt. Es giebt
aber andere Praemissen, mit denen die Aeusserung ebenfalls in logischen
Zusammenhang gebracht werden muss. Thun wir dies, so ist die Aeusserung
nicht mehr logisch berechtigt. Indem wir diese Praemissen in Betracht
ziehen, zeigen wir uns als kluge Leute. Ohne sie urteilen ist thoericht.
Das Kind hat also mit der Aeusserung oder dem Urteil, das die Aeusserung in
sich schliesst, eine Thorheit begangen, keine bedeutsame, sondern eine
voellig nichtige intellektuelle Leistung vollbracht.

Zu diesem doppelten Resultat gelangen wir, indem wir vom Standpunkt des
Kindes zu unserem Standpunkte zurueckkehren. Die Rueckkehr schliesst eben
dies beides in sich, die _logische_ Beurteilung der Aeusserung innerhalb
des Zusammenhanges _unserer Gedanken_ und die _objektive_ Beurteilung
nach dem Massstabe, den wir an _unsere Leistungen_ zu legen gewohnt sind.
Fassen wir alles zusammen, so ist ueberhaupt der Gegensatz der
Standpunkte, aus dem die naive Komik entspringt, ein Gegensatz der
zugleich objektiven und subjektiven Betrachtung. Wir haben alles Recht,
die naive Komik als die zugleich objektive und subjektive zu bezeichnen.


MOEGLICHKEITEN DES NAIV-KOMISCHEN.

Der Anspruch der naiven Aeusserung, eine bedeutsame _intellektuelle_
Leistung zu sein, verschwand in unserem Beispiele, wenn wir sie von
unserem Standpunkt aus betrachteten. Dagegen blieb die sittliche
Erhabenheit der Aeusserung beruhen. Mag das Kind thoericht geredet haben,
um den kindlichen Sinn und den kindlichen Glauben an Wahrhaftigkeit ist
es eine schoene und erhabene Sache. Damit verliert die Komik der naiven
Aeusserung, aber die Naivitaet gewinnt. Es geht eben die Naivitaet, wie wir
spaeter deutlicher sehen werden, je mehr inneren Wert sie hat, um so
weniger voellig in der naiven Komik auf.

Es kann aber in anderen Faellen des naiv Komischen recht wohl auch der
Anspruch sittlicher Erhabenheit zergehen. Wiederum in anderen Faellen
_besteht_ gar kein solcher Anspruch. Das naiv Komische ist ja keineswegs
an die Sphaere des intellektuellen oder des Sittlichen gebunden. Um so
mehr werden wir doch ein Recht haben, Arten des naiv Komischen zu
unterscheiden, je nachdem dasselbe ganz oder vorzugsweise dieser oder
jener Sphaere angehoert.

Wenn Fallstaff in seiner beruehmten Rede ueber die Ehre diese herunterzieht
und bei gar mancher Gelegenheit nicht eben moralisch gross handelt, so
koennen wir doch nicht umhin ihm in gewisser Weise recht zu geben. Er
redet und handelt von seinen Voraussetzungen aus--die die Voraussetzungen
eines nicht eben mit hohen Ideen erfuellten, doch in seiner Art gesunden
Menschenverstandes sind,--im Grunde recht logisch, viel logischer als gar
mancher, der diese Voraussetzungen mit ihm teilt. Er verraet in seinen
Reden und Handlungen zugleich einen Grad an und fuer sich betrachtet
wertvoller _moralischer_ Gesundheit. Trotz aller schlechten Streiche ist
er im Grunde gutmuetig, durch alle Liederlichkeit leuchtet eine gewisse
Unverdorbenheit, durch alle Verlogenheit eine gewisse Ehrlichkeit. Er
trifft denn auch mit seiner Rede gewisse, vom Boden der gesunden
Menschenvernunft sich lossagende, hohle, schwaermerische oder doktrinaere
Ehrbegriffe mit Fug und Recht. Und was er sonst sagt und thut, hat mehr
moralisches Recht als manches, was im Namen hoher sittlicher Ideen
gepredigt und gethan worden ist. Aber wie jene logische, so zergeht diese
moralische Berechtigung, wenn wir von unserem landlaeufigen Standpunkt aus
urteilen. Fallstaffs Rede und sein Handeln ist unlogisch, weil es auch
sittlich bedeutsame Voraussetzungen giebt, die den in seiner Rede
ausgeprochenen und in seinem Handeln bethaetigten Anschauungen logisch
zuwiderlaufen. Beides erscheint, nicht mit Ruecksicht auf den zu Grunde
liegenden Gedankenzusammenhaug, sondern als objektive Thatsache
betrachtet, sittlich niedrig stehend im Vergleich mit wirklicher Ehre und
Sittlichkeit.

In dem hier angefuehrten Beispiele ist das Zergehen der sittlichen
Erhabenheit beim Eindruck der naiven Komik wesentlich beteiligt. Dagegen
fehlt der Anspruch sittlicher Erhabenheit bei einem Falle, den ich
gelegentlich selbst erlebte. Die Katze hat aus der Kueche ein Stueck Braten
gestohlen. Schwere Anklage wird gegen sie erhoben. Da kommt das juengste
Toechterchen des Hauses, das die Katze nachher hat in den Keller gehen
sehen, hinzu und meint: Ja, Mama, und dann ist die Katz' in den Keller
gegangen und hat Wein gefressen! Wiederum hat das Kind von seinem
Standpunkt aus gut geschlossen und zugleich durch die dem Schluss zu
Grunde liegende Gedankenkombination ziemliche Klugheit an den Tag gelegt.
Es hat gesehen, dass Menschen ihr Mahl durch einen Trunk wuerzten; warum
soll die Katze nicht dasselbe Beduerfnis haben und warum soll sich nicht
der Umstand, dass sie nachher in den Keller gegangen ist, daraus
erklaeren. Jener Sinn der kindlichen Aussage und dieser Anspruch der
Klugheit zergeht wiederum von unseren Voraussetzungen aus, und im
Vergleich zu dem, was wir sonst Klugheit nennen. Dagegen ist die Aussage
sittlich weder berechtigt noch unberechtigt.

Wiederum in anderen Faellen gehoert die gleichzeitig erhabene und nichtige
Leistung, die in der naiv komischen Aeusserung oder Handlung liegt, weder
der rein intellektuellen noch der sittlichen oder, allgemeiner gesagt,
praktischen Sphaere an, sondern ist aesthetischer Natur. Es ist naiv
komisch, wenn ein Kind an glaenzenden Gegenstaenden Wohlgefallen verraet,
die wir aus tiefer liegenden Gruenden geschmacklos finden. Es kennt eben
diese tiefer liegenden Gruende nicht und kann sie noch nicht kennen. Sein
Schoenheitsurteil ist in sich, als dies subjektive dem Zusammenhang seiner
Vorstellungen angehoerige Faktum berechtigt von seinem, unberechtigt von
unserem Standpunkte. Es ist zugleich, als Ergebnis eines beschraenkten,
aber an und fuer sich gesunden und natuerlichen Gefuehles eine von seinem
Standpunkte aus wertvolle, fuer unseren Standpunkt nichtige aesthetische
Leistung.

Ich sprach oben von Faellen des naiv Komischen, die der sittlichen "_oder
allgemeiner gesagt praktischen_" Sphaere angehoeren. Mit diesem Ausdruecke
wollte ich zugleich die verschiedenartigen Faelle des naiv Komischen zu
ihrem Rechte kommen lassen, die nicht dem Gebiete der Sittlichkeit im
engeren Sinne, sondern dem der Sitte und des gesellschaftlichen Anstandes
zugehoeren. Gelegentlich hat man Miene gemacht, auf dies Gebiet das naiv
Komische ueberhaupt einzuschraenken. Dieser Anschauung muessen wir
widersprechen, solange wir dabei bleiben unter dem naiv Komischen eine
besondere, durch einen besonders gearteten Vorstellungsprozess fuer uns zu
stande kommende Art der Komik zu verstehen. Wir haben diese besondere
Geartetheit bezeichnet, indem wir die naive Komik als die Komik des
Gegensatzes der Standpunkte charakterisierten. Einen Standpunkt nun giebt
es nur fuer die vernuenftig sich bethaetigende oder kurz die urteilende
Persoenlichkeit; es giebt ihn aber fuer die ganze urteilende
Persoenlichkeit. Wir urteilen theoretisch, praktisch und aesthetisch, d. h.
wir haben, ein Bewusstsein, dass etwas ist, sein oder geschehen soll,
dass etwas gefaellt oder missfaellt. Bei allen diesen Urteilen kann es
vorkommen, dass sie in sich richtig sind vom Standpunkte einer naiven
Persoenlichkeit, unrichtig von unserem, dass sie zugleich eine
entsprechende intellektuelle, Charaktereigenschaft, Eigenschaft des
Geschmacks bekunden, um deren willen sie objektiv bedeutsam erscheinen
innerhalb der naiven Persoenlichkeit, und nichtig im Zusammenhang dessen,
was wir sonst von Menschen erwarten. Alle jene Urteile koennen also
naiv-komisch erscheinen, oder die Aeusserungen und Handlungen, in denen
sie zu Tage treten, naiv-komisch erscheinen lassen. Zugleich ist mit
diesen drei Gebieten der Umkreis der Gebiete des naiv Komischen
abgeschlossen.


KOMBINATION DER DREI ARTEN DER KOMIK.

Die Bezeichnung des Wesens des naiv Komischen war im Bisherigen immer
zugleich ausdrueckliche Entgegensetzung gegen die objektive und subjektive
Komik. Diese Entgegensetzung koennen wir noch nach anderer Richtung
vollziehen. Der Anspruch auf Erhabenheit, den das objektiv Komische sich
anmasst, ist eben nur ein angemasster. Die Erhabenheit verschwindet,
sobald das Objekt dem Bewusstsein sich darstellt, oder unsere objektive
Regel in ihr Recht tritt. Was sein sollte oder sein muesste, das ist
nicht. Dagegen ist der Witz fuer unser Bewusstsein--darauf allein kommt es
ja an--einen Augenblick ein Erhabenes, Traeger eines Sinnes oder einer
Bedeutung. Bei ihm ist, was doch nicht sein sollte. Das naiv Komische nun
naehert sich dem Witz, insofern auch ihm eine Erhabenheit wirklich eignet.
Zugleich eignet sie ihm doch auch nicht. Beim naiv Komischen ist, was
ungleich nicht ist.

Diesem Gegensatz kann ein entsprechender Gegensatz im Verhalten der
Persoenlichkeit zur Seite gestellt werden. Die Persoenlichkeit wird, wie
ich frueher betonte, objektiv komisch; sie macht den Witz. Sie bethaetigt
endlich im Naiven ihr, nur individuelles Wesen. Der Traeger der objektiven
Komik, so sagte ich weiter, unterliege einer Schranke seines Wesens oder
Koennens und sei insofern leidend; dagegen vollbringe der Urheber des
Witzes eine positive Leistung und erweise sich in diesem Sinne aktiv.
Entsprechend werden wir von der naiven Persoenlichkeit sagen muessen, sie
sei aktiv und passiv zugleich, indem sie etwas von ihrem Standpunkte aus
Bedeutungsvolles leiste, zugleich aber eben dieser Standpunkt nur ein
beschraenkter sei.

Indem wir nun so das naiv Komische von der objektiven Komik und vom Witze
abgrenzen, duerfen wir doch auch nicht uebersehen, wie sie sich miteinander
verbinden und ineinander uebergehen. Wir sahen schon, dass dieselbe
Aeusserung das eine Mal als Witz, das andere Mal als Fall der objektiven
Komik erscheinen kann. Es bietet aber jeder Witz eine Seite, nach der er
unter den Gesichtspunkt der objektiven Komik gestellt werden kann. Der
Witz ist an sich unpersoenlich; dies hindert doch nicht, dass die Person,
die ihn macht, mit in Betracht gezogen werde. Die Person erscheint,
vermoege der Leistung, die sie vollbringt, relativ erhaben. Zugleich
bleibt sie doch, sofern sie mit Worten oder mit der Logik spielt, hinter
dem zurueck, was wir im allgemeinen vom gesetzten und ernsthaften Menschen
erwarten. Achten wir darauf, stellen wir diese eine Seite des Witzes
unter den objektiven, dem Witze selbst fremden Gesichtspunkt der
menschlichen _Leistung_, dann sind die Bedingungen fuer die objektive
Komik gegeben. Der Eindruck derselben mag zunaechst zuruecktreten. Er
braucht sich aber nur zu haeufen und das Interesse am Witz zu erlahmen,
und das Gefuehl der objektiven Komik tritt deutlich hervor. Er ist nichts
leichter als durch fortgesetztes Witzemachen komisch, laecherlich, ja
veraechtlich zu werden.

Ebenso bietet auch die naive Komik der objektiven eine Seite dar. Ich
citiere ein weiteres Beispiel naiver Komik nach Lazarus.[2] "Der Korporal
Trim, der Diener des Onkel Toby--in 'Tristram Shandy'--soll
scherzeshalber, weil ihm wenig Bildung zugetraut wird, examiniert werden.
Ein Doktor der Theologie fragt ihn, wie das vierte Gebot lautet; er kann
es aber nicht anders hersagen, als indem er, wie Kinder und gemeine Leute
immer, beim ersten anfaengt. Er hat das schwere Stueck gluecklich
vollbracht, und nun fragt sein Herr: Trim, was heisst das, du sollst
Vater und Mutter ehren. Das heisst, sagt er mit einer Verbeugung, wenn
der Korporal Trim jede Woche 14 Groschen Lohn erhaelt, so soll er seinem
alten Vater 7 davon geben."--Die Antwort auf die Frage des Onkel Toby ist
es, die uns hier vorzugsweise angeht. Sie ist als Antwort auf die
allgemeine katechismusmaessige Frage voellig inkorrekt und Zeichen eines
niedrigen Bildungsstandpunktes. Aber schon ehe wir uns dessen bewusst
werden, imponiert uns die konkret persoenliche Wendung, die Trim der Sache
giebt, und die bei ihm, der nicht gewoehnt ist, Dinge abstrakt und
allgemein zu fassen, so berechtigt ist, in der sich zugleich so viel
Sicherheit des moralischen Bewusstseins verraet. In der That kommt bei
jenem Gebote alles darauf an, dass jeder wisse und davon durchdrungen
sei, was es von ihm fordere. Wir koennen aber nachtraeglich die Sache auch
noch von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachten. Wir erwarten von
Trim, so wie er nun einmal ist, nicht, dass er die Katechismusantwort
aufsagen koenne. Aber wir koennen auch von seiner individuellen Eigenart
absehen und ihn als Menschen betrachten, der wie andere in die Schule
gegangen ist, und dort seinen Katechismus gruendlich gelernt hat. Dann
erhebt er, wie andere, in unserem Bewusstsein den Anspruch, was er so
gruendlich gelernt hat, auch zu wissen; und sein Nichtwissen laesst ihn
objektiv komisch erscheinen.

[2] Leben der Seele. 2. Aufl. I, 308.

Dieser Hinzutritt des Momentes objektiver Komik zum Naiven hat oefter
verfuehrt, das Naive einfach dem objektiv Komischen zuzuordnen. Schon
_Jean Paul_ verfaellt in diesen Irrtum. Ich denke aber, das obige Beispiel
zeigt deutlich die Verschiedenheit, ja Gegensaetzlichkeit der Bedingungen,
durch die beide Arten der Komik zu stande kommen. Naiv ist die Komik,
solange die beiden Standpunkte, der naive und der unsrige, einander
gegenuebertreten, objektiv, sobald wir unsern Standpunkt zum
alleinherrschenden machen. Darum tritt von den beiden Arten der Komik,
der objektiven und der naiven, immer die eine zurueck, indem die andere
hervortritt. Trims Aeusserung ist naiv komisch, solange wir sie von beiden
Standpunkten aus beurteilen, also beide anerkennen, objektiv komisch,
wenn wir von dem Rechte des naiven Standpunktes, statt ihn anzuerkennen,
vielmehr geflissentlich absehen, und von vornherein unseren Massstab an
die Aeusserung legen. Wuerdigung des individuell Guten in der Welt, ist die
Devise der naiven, Leugnung desselben und Alleinherrschaft der Regel oder
Schablone die Devise der objektiven Komik. Dort ist das Individuelle
etwas, wenn auch freilich nicht nach der Regel; hier ist es nichts, weil
es der Regel nicht genuegt.

Ich erwaehnte schon _Jean Pauls_ Beispiel: Wenn Sancho Pansa eine Nacht
hindurch sich ueber einem vermeintlichen Abgrund in der Schwebe haelt, so
ist--nach _Jean Paul_--"bei dieser Voraussetzung seine Anstrengung recht
verstaendig, und er waere gerade erst toll, wenn er die Zerschmetterung
wagte. Warum lachen wir gleichwohl? Hier kommt der Hauptpunkt: wir
_leihen_ seinem Bestreben unsere Einsicht und Ansicht, und erzeugen durch
einen solchen Widerspruch die unendliche Ungereimtheit." In dieser
Erklaerung bezeichnet _Jean Paul_ in seiner Weise den Grund der objektiven
Komik, als deren Gegenstand Sancho Pansa uns erscheinen kann. Sie beruht
auf dem "Leihen". Wir betrachten Sancho Pansa als mit unserer Einsicht
begabt und erwarten von ihm, dass er einsichtig handle. Aber schon ehe
wir Sancho Pansa "unsere Einsicht liehen", war sein Handeln naiv-komisch.
Es war dies genau so lange, als wir ihm _seine_ Einsicht _liessen_ und
wussten, dass er die unsrige _nicht_ habe und nicht haben koenne, waehrend
wir doch _im Gegensatz_ zu ihm die Einsicht _hatten_, und _fuer uns_ die
Handlung darnach beurteilten. Der Eindruck der objektiven Komik kann
entstehen, und den der naiven Komik zerstoeren, erst wenn wir das Recht
und die Erhabenheit der _Sancho Pansa_'schen Individualitaet aus dein Auge
lassen. Nur fuer den, der dafuer kein Verstaendnis hat, mag _Sancho Pansa_'s
Gebaren von vornherein und ausschliesslich objektiv komisch sein. So ist
ueberhaupt die Empfaenglichkeit fuer das naiv Komische bedingt durch den
Sinn fuer persoenliche Eigenart. Es wandelt sich alles Naive in objektive
Komik fuer den, dem dieser Sinn abgeht. Zugleich bieten freilich die
verschiedenen Faelle der naiven Komik bald mehr bald weniger Veranlassung
zu dieser Verwandlung. Bei _Sancho Pansa_ und mehr noch bei _Falstaff_
ist jenes, bei _Trim_ dieses der Fall.

Endlich kann sich die naive Komik auch, ohne ihr eigenes Wesen
aufzugeben, mit dem Witze verbinden. _Hecker_ erzaehlt folgendes Beispiel
eines naiven Witzes: In einer Schule trug der Lehrer die Geschichte des
Tobias ganz mit den Worten der heiligen Schrift vor. Bei den Worten:
Hannah aber, sein Weib, arbeitete fleissig mit ihrer Hand und ernaehrte
ihn mit Spinnen, machte ein Maedchen mit Gesicht und Hand die Gebaerde des
Abscheus und Ekels. Agnes, was hast du, ruft der Lehrer. Antwort: Ach,
Herr Lehrer, ist das denn wirklich wahr?--Lehrer: Warum zweifelst du
daran?--Kind: O, weil die Spinnen doch gar zu schlecht schmecken
muessen.--Hier beruht der (unbewusste) Witz darauf, dass wir uns durch den
Gleichklang zweier Worte verfuehren lassen, dem _Urteil_ des Kindes einen
Sinn und eine logische Berechtigung zuzuschreiben, die es nicht besitzt;
der Eindruck der naiven Komik darauf, dass wir dem _Kinde_ und dem
kindlichen Urteils_vermoegen_ das Recht zugestehen, sich durch die
Verwechselung verfuehren zu lassen, und dass wir dementsprechend in dem
kindlichen Verhalten sogar einen Grad von Klugheit finden, waehrend wir
sonst jenes Recht nicht zugeben und abgesehen von dieser
Betrachtungsweise das Verhalten thoericht finden muessen. Auch hier gilt,
was ich oben betonte, dass der Witz als solcher gaenzlich unpersoenlich
ist. Er hat nichts zu thun mit der Individualitaet dessen, der ihn macht.
Dagegen ist fuer die naive Komik die Individualitaet alles. Darum bliebe
der Witz auch, wenn ein Erwachsener bei Anhoerung der Erzaehlung an der
betreffenden Stelle die Bemerkung einwuerfe: das muss aber schlecht
schmecken. Es bliebe andererseits die naive Komik bestehen, wenn der Witz
ganz wegfiele, und nur eine _beliebige_ thoerichte aber kindlich
berechtigte Verwechselung stattfaende.

In anderen Faellen erscheint das naemliche Vorhalten witzig und naiv
komisch je nach der Art der Deutung. Es widerspricht unseren gewoehnlichen
Anschauungen von Klugheit und Wuerde, wenn _Sokrates_ bei Auffuehrung der
Wolken sich dem Gelaechter der Zuschauer geflissentlich preisgiebt. Aber
was bedeutet einem _Sokrates_ das Lachen der unverstaendigen Menge. Seine
Erhabenheit ueber dergleichen rechtfertigt sein Verhalten. Es verraet sich
darin zugleich eben diese Erhabenheit. Fuer diese Betrachtungsweise faellt
_Sokrates_ unter den Begriff des naiv Komischen. Angenommen aber
_Sokrates_ wollte durch sein Verhalten zu _verstehen_ geben, wie wenig
ihm die Meinung der Menge bedeute, und er wollte dies nicht bloss,
sondern es gelang ihm auch durch die besondere Weise seines Verhaltens in
ueberzeugender Weise diesen Gedanken hervorzurufen. Dann war sein
Verhalten witzig--fuer diejenigen naemlich, die ihn wirklich verstanden und
zugleich den Widerspruch empfanden zwischen dieser Art, seine Meinung zu
sagen, und gemeiner Logik.


"VERBLUEFFUNG" UND "ERLEUCHTUNG" BEIM NAIV-KOMISCHEN.

Zum Schlusse dieses Kapitels sei noch eine Bemerkung gestattet, die auf
eine oefters erwaehnte Bestimmung des Komischen ueberhaupt zurueckgreift. Bei
der Betrachtung sowohl der objektiven als der subjektiven Komik haben wir
uns mit den Begriffen der Verblueffung und Erleuchtung auseinandergesetzt.
Auch die naive Komik kann unter diese Begriffe gestellt werden. Auch hier
aber ist erforderlich, dass wir die beiden Stadien der Verblueffung oder
der Erleuchtung unterscheiden. Die Naivitaet verbluefft als etwas in dem
Zusammenhang, in dem sie auftritt, Unverstaendliches. Sie "verbluefft"
dann, als in einem bestimmten Zusammenhange, naemlich im Zusammenhange der
naiven Persoenlichkeit, Sinnvolles oder Bedeutsames, sie verbluefft vermoege
dieses unseres Verstaendnisses. Darin liegt eine Loesung jener ersten
Verblueffung. Endlich "verstehen" wir auch dieses unser Verstaendnis
wieder; d. h. wir sehen, dass das von unserem Standpunkte aus Sinnlose
nur durch Betrachtung vom Standpunkte der naiven Persoenlichkeit aus
sinnvoll erschien, abgesehen davon aber fuer uns sinnlos bleibt. Die
Naivitaet war unverstaendlich; dann wurde sie bedeutsam-verstaendlich;
endlich wird sie als an sich nichtig verstanden.

Ich sagte oben, die naive Komik sei objektiv und subjektiv zugleich.
Sofern sie objektive Komik ist, steht sie doch zugleich zur reinen
objektiven Komik in einem bemerkenswerten Gegensatz. Der Anspruch des
objektiv Komischen zergeht. Auch der Anspruch des naiv Komischen zergeht,
wenn wir es von unserem objektiven oder vermeintlich objektiven
Standpunkt aus betrachten. Aber die naive Persoenlichkeit, als deren
Aeusserung das naiv Komische berechtigt, sinnvoll, klug, sittlich
erscheint, ist doch auch eine wirkliche Persoenlichkeit. Blicken wir,
nachdem wir uns auf unseren Standpunkt gestellt haben, zurueck, so finden
wir diese Persoenlichkeit wieder. Damit taucht diese Berechtigung, dieser
Sinn, diese Klugheit, dies Sittliche wieder vor uns auf und besitzt
wiederum fuer uns seine relative Erhabenheit. Und vielleicht geschieht es
jetzt, dass unser objektiver Standpunkt im Vergleich mit dem naiven
Standpunkte nicht allzu hoch erscheint. Der naive Standpunkt kann sogar
als der hoehere erscheinen. Dann wird der Eindruck seiner relativen
Erhabenheit zum herrschenden. Vermoege dieser Besonderheit der naiven
Komik steht die naive Komik auf dem Uebergang zwischen dem Komischen und
dem Humor, dessen Wesen Erhabenheit ist naemlich Erhabenheit in der Komik
und durch dieselbe.

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If you think books have dumbed down …
Alison Flood: Today we can take our laptops on the road, but could we use them to produce On The Road?

Kerouac's On the Road manuscript travels to the Midlands

John Crace swallows a very thirsty volume

Documentary to lay bare 'Narnia Code'

He wrote it in just three weeks, furiously and loudly tap-tap-tapping away on his typewriter on 12ft long reels of paper so that he did not have to stop, just writing writing writing fuelled only, he said, by coffee…

It became one of the most important American novels of the last century and yesterday the original manuscript - a scroll taped together with eight reels of paper - of Jack Kerouac's On The Road was unfurled in the UK for the first time.
Fifty years after the novel which more or less defined the Beat generation, was published in Britain, the Barber Institute in Birmingham is showing what is now one of the most valuable literary manuscripts in existence as part of its exhibition Jack Kerouac: Back On the Road.

The exhibition's curator Professor Dick Ellis said there had been a lot of competition to get the scroll which is itself spending a lot of time on the move, having toured a string of US cities and hitting the road to Rome once this show is over. "We're very excited indeed," he said. "This is an iconic manuscript. It is a record of the huge effort Kerouac put into composing it. It was 20 days of typing 6,500 words a day, flat out, in spontaneous composition. He wanted to record things with the most possible accuracy using the spontaneous technique. His typewriter became a compositional instrument.

"Truman Capote once accused Kerouac of typing rather than writing, I would say he was learning the ability of using the typewriter like a jazz instrument, like a saxophone. He also had an incredible memory. And he had great speed at typing, he became a lightning typist. He came to be able to use a typewriter in a way that has not been seen before or since. Kerouac said he wrote fast because the road was fast."

About 22 of the scroll's 120ft will be on display in a specially built cabinet and while visitors will have to slightly tilt their heads, Ellis believes they will get a much deeper knowledge of what Kerouac was all about. It comes to Birmingham courtesy of Jim Irsay, owner of the Indianapolis Colts, who bought it for $2.4m (£1.6m) in 2001 before agreeing to a tour. Of course, in the published novel, there are paragraph breaks but in the scroll, there are none. Kerouac did not have the time. The exhibition runs until January 28.

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