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Komik und Humor by Theodor Lipps

T >> Theodor Lipps >> Komik und Humor

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Wiederum ist jene hoechste, geistige Erhabenheit intellektuelle
Erhabenheit; oder Erhabenheit des auf Zwecke, vor allem sittliche Zwecke,
gerichteten Wollens; oder endlich Erhabenheit, die in der Kraft, dem
Reichtum, der Feinheit des Gefuehls besteht. Auch darnach lassen sich
Stufen der objektiven Komik unterscheiden.


SITUATIONS- UND CHARAKTERKOMIK.

Neben solchen Einteilungen steht eine andere moegliche Einteilung der
objektiven Komik, fuer welche gleichfalls der Inhalt der Komik den
Einteilungsgrund bildet.

Wir scheiden das Uebel oder das Nichtseinsollende, das uns widerfaehrt, von
dem Boesen, dem Mangel, dem Fehler, der an uns ist und in unserem Thun
oder Gebaren zu Tage tritt. Das Nichtseinsollende ist Begegnis oder
Eigenschaft, Schicksal oder Charakter.

So ist auch jede Komik fuer die Person, oder auch die Sache, die darin
verflochten ist, Schicksal oder Charakter. Wir unterscheiden also
Schicksals- oder Charakterkomik. Statt Schicksalskomik koennen wir auch
sagen: Situationskomik.

Dies erinnert uns an unser drittes Kapitel. Dort stellten wir
einstweilen--mit _Kraepelin_--der Situationskomik nicht die
Charakterkomik, sondern die Anschauungskomik gegenueber. Aber die hier
gewaehlte Bezeichnung des Gegensatzes ist klarer. Wir bleiben darum bei
ihr. Missfaellt der Ausdruck Charakterkomik, dann sage man: Komik des
Wesens, oder: an der Beschaffenheit des komischen Objektes haftende
Komik.

Auch dies ist klar, dass beide Arten der Komik Hand in Hand gehen koennen,
dass eine Komik beides zugleich sein kann, Situations- und
Charakterkomik. Doch davon spaeter, wenn es sich um die aesthetische
Bedeutung dieses Gegensatzes handeln wird. Dass derselbe eine solche
aesthetische Bedeutung haben muss, braucht ja nicht gesagt zu werden.


NATUERLICHE UND GEWOLLTE KOMIK.

Hiermit verbinde ich weiterhin solche Unterschiede der objektiven Komik,
die sich aus der Betrachtung der Arten oder der Gruende des Auftretens der
Komik ergeben.

Objektive Komik kann einmal durch den natuerlichen Zusammenhang der Dinge
gegeben sein, oder im natuerlichen Verlauf des Geschehens sich einstellen.
Sie ist ein andermal kuenstlich oder geflissentlich hervorgerufen.

Fuer Letzteres bestehen wiederum verschiedene Moeglichkeiten. Ich haenge
jemanden etwas an, das ihn komisch macht, oder bringe ihn in eine
komische Situation, spiele ihm einen "Possen", mache mit ihm einen
"Witz".

Von solcher Hervorrufung der Komik, bei welcher das Komische oder der
eigentliche Gegenstand der Komik erst von mir ins Dasein gerufen wird,
unterscheide ich die komische Darstellung, die nicht das Komische, wohl
aber die Komik erst erzeugt.

Auch diese "komische Darstellung" kann wiederum einen verschiedenen Sinn
haben. Sie besteht einmal lediglich darin, dass ich dasjenige an einer
Person oder Sache, das an sich komisch zu wirken geeignet ist,
beschreibe, zur Kenntnis bringe, ans Licht setze. Indem ich dies thue,
mache ich erst die Komik moeglich. Dabei ist es gleichgueltig, ob das
dargestellte Komische ein wirkliches oder ein fingiertes ist. Ich rechne
also hierher auch die Darstellung erfundener oder durch kuenstlerische
Phantasie gefundener komischer Gestalten und Situationen.

Hiervon deutlich unterschieden ist die Darstellung, die erst durch die
Weise der Darstellung die Komik hervorruft. Ein Objekt traegt an sich
nichts, das mir bei gewoehnlicher Betrachtung komisch erschiene. Nun
manipuliere ich aber in der Darstellung mit dem Objekte so, dass ein
komisches Licht darauf faellt. Ich beleuchte es komisch.

Diese komische Beleuchtung wird immer zugleich im eigentlichen Sinne des
Wortes "witzig" sein, d. h. einen Fall der subjektiven Komik darstellen.
Die Manipulation, von der ich rede, erzeugt ja der Voraussetzung nach
eine Komik, die nicht im Objekte liegt. Sie ist also ein Spiel, das etwas
sagt, das ein Urteil ueber ein Objekt entstehen laesst, angesichts des
Objektes aber doch wiederum als nichtssagendes Spiel erscheint. Es ist
die sachlich unberechtigte Einfuegung in einen Vorstellungszusammenhang,
die das Objekt hinsichtlich seines Eindruckes auf uns in ein anderes
verwandelt, und doch das Objekt selbst laesst wie es ist.

Hierhin gehoert die Komik der Nachahmung, von der oben die Rede war. Die
komische Nachahmung loest, wie wir sagten, das Nachgeahmte aus dem
Zusammenhang der Person, in der es in der Ordnung, also nicht komisch
erscheint, und stellt es isoliert hin. Damit nimmt sie dem Nachgeahmten
seinen Sinn oder seine individuelle Berechtigung.

Neben diese komische Nachahmung tritt die durch die Mittel der Sprache
bewirkte komische Gruppierung von Zuegen eines wirklichen oder fingierten
Menschen oder Dinges, die Zusammenstellung des relativ Erhabenen und des
Nichtigen, der Art, dass daraus eine komische Beleuchtung sich ergiebt.

Die komische Darstellung geht von hier noch einen Schritt weiter, wenn
sie zur karikierenden, uebertreibenden, verzerrenden Darstellung wird.
Sofern solche Darstellung glaublich erscheint, das Dargestellte als damit
"getroffen" anerkannt wird, und andererseits doch wiederum die Karikatur,
Uebertreibung, Verzerrung als solche, d. h. als von der Wirklichkeit
abweichendes, willkuerliches und demnach nichtsbedeutendes Spiel
erscheint, ist sie zugleich eine besondere Art des Witzes. Als solche
gehoert sie nicht hierhin.

Hierzu fuege ich als weitere und eigenartige Weisen der "komischen
Darstellung", in unserem Sinne, die Travestie und die Parodie. Auch sie
sind Arten der komischen Gruppierung oder der unmittelbaren
Aneinanderrueckung des Erhabenen und des Nichtigen. Aber nicht Zuege des
Objektes sind es, die hier unmittelbar aneinandergerueckt und zur Einheit
verbunden scheinen, sondern: In der Travestie wird das Erhabene in Worten
und Wendungen, die einer niedrigeren Sphaere angehoeren, dargestellt, in
der Parodie umgekehrt das Niedrige oder Triviale durch Einkleidung in
eine dem Erhabenen zugehoerige sprachliche Form zu einem Scheinerhabenen
gestempelt. Dort zergeht die Erhabenheit des Inhaltes durch die Form, und
zugleich die Form, die vermoege des Inhaltes Erhabenheit sich anmasste, in
sich selbst. Hier zergeht die erhabene Form durch den Inhalt, und
zugleich der durch die Form zum Scheinerhabenen aufgebauschte Inhalt in
sich selbst.


POSSENHAFTE, BURLESKE, GROTESKE KOMIK.

Die hier gemachten Unterscheidungen bringen wir endlich wiederum in
Zusammenhang mit gewissen herkoemmlichen Begriffen, in denen Arten des
Komischen bezeichnet scheinen.

Nennen wir ein Komisches "_possenhaft_", so wollen wir es wohl zunaechst
als ein Derbkomisches charakterisieren. Possenhafte Komik ist eine Komik,
bei der wir nicht laecheln, sondern ueber etwas, vor allem ueber Personen
herzlich lachen, sie, wenn auch gutmuetig, belachen, verlachen, auslachen.
Aber wir nennen andererseits mit diesem Namen nicht dasjenige
Derbkomische, das jemandem natuerlicherweise anhaftet oder geschieht.
Sondern, wie jeder fuehlt: Das Possenhafte ist jederzeit ein
beabsichtigtes, gemachtes. Es ist eine gewollte Weise, jemanden komisch
erscheinen zu lassen.

Eine solche Weise liegt nun zunaechst vor, wenn ich jemandem "einen Possen
spiele". Dabei spekuliere ich auf seine Dummheit, sein Ungeschick, seine
Feigheit, sein koerperliches Unvermoegen u. dgl. Die possenhafte Komik ist
die Komik der "Streiche", die dem Dummen, Ungeschickten, Feigen,
vielleicht aber sehr klug, geschickt, tapfer sich Duenkenden oder
Gebaerdenden, auch dem mit einem Gebrechen Behafteten, gespielt werden und
diese Eigenschaften hervortreten lassen und dem Lachen preisgeben.

Es ist aber zum Possenhaften nicht erforderlich, dass der "Possenreisser"
anderen einen Possen spiele. Es ist auch possenhaft, wenn jemand sich
selbst in komischer Weise als Narren, Ungeschickten, Feigen oder
dergleichen darstellt, sein koerperliches Gebrechen dem Lachen preisgiebt,
oder ein solches fingiert; wenn er den Narren, Toelpel, Feigling, den mit
einem Gebrechen Behafteten "spielt", um damit zu belustigen.

Bisher verstand ich unter der possenhaften Komik eine Komik des
Verhaltens, Thuns, Gebarens. Possenhafte Komik ist aber weiter auch die
Komik der Darstellung in Wort und Bild, die Verlachenswertes zum Inhalte
hat, sei es, dass sie lediglich ein der Wirklichkeit Angehoeriges oder
fingiertes Verlachenswertes beschreibt, es erzaehlt, davon berichtet, sei
es, dass sie dasselbe erst durch die Weise der Darstellung als ein
Verlachenswertes erscheinen laesst oder dazu macht. Auch hier wird die
Dummheit, das Ungeschick, die Feigheit, das Gebrechen und dergleichen den
Inhalt der Komik ausmachen.

Indem ich das Possenhafte in diesem Sinne nehme, weiss ich mich
einigermassen in Uebereinstimmung mit _Schneegans_, der in seiner
"Geschichte der grotesken Satire" das Possenhafte als die Komik, die aus
der angeschauten Dummheit sich ergiebt, bezeichnet. Diese Bestimmung ist
freilich zunaechst enger als die unsrige, und zweifellos zu eng.
Andererseits unterlaesst es _Schneegans_, ausdruecklich zu betonen, dass
nicht komische Dummheit, der wir irgendwo im Leben begegnen, possenhaft
ist, sondern nur die geflissentlich hervorgelockte oder komisch
beleuchtete; nicht die "angeschaute", sondern die zur Anschauung
gebrachte. Oder bestimmter und zugleich allgemeiner gesagt, dass
"Possenhaft" nicht ein Praedikat der _Komik_, oder des Komischen als
solchen ist, sondern vielmehr ein Praedikat, durch welches wir das auf
Hervorbringung des komischen Effektes abzielende und zur Erreichung
dieses Zieles bestimmte Mittel anwendende, bewusste menschliche _Thun_
bezeichnen. Possenhaft ist nicht das Opfer eines Streiches, sondern der
Streich; nicht die Dummheit, die der Clown fingiert, sondern dies sein
Spiel; nicht das in Wort oder Bild dargestellte Verlachenswerte, sondern
diese Darstellung; zugleich doch wiederum diese Darstellung nicht als
solche, sondern sofern sie diesen bestimmten Inhalt hat, oder mit diesem
Mittel diesen bestimmten komischen Effekt hervorbringt.

Dieser possenhaften Komik tritt dann zur Seite die "_burleske_". Auch
"Burlesk" ist nicht eine Bezeichnung fuer eine bestimmte Art des
Komischen, sondern fuer eine Weise etwas komisch erscheinen zu lassen oder
eine Weise der Darstellung mit komischem Inhalt oder Effekt. Und zwar
erscheint es historisch und durch den Sprachgebrauch genuegend
gerechtfertigt, wenn wir mit _Schneegans_ als burlesk die parodierende
und travestierende komische Darstellung bezeichnen.

Endlich werden wir berechtigt sein, wiederum im Einklang mit
_Schneegans_, als "_grotesk_" die komische Darstellung zu bezeichnen, fuer
welche die Karikatur, die Uebertreibung, die Verzerrung, das Unglaubliche,
das Ungeheuerliche, das Phantastische das Mittel zur Erzeugung der
komischen Wirkung ist.

Hiermit haben nicht alle Arten der geflissentlich ins Dasein gerufenen
objektiven Komik ihre besonderen Namen bekommen. Es bleiben daneben viele
Moeglichkeiten der Hervorrufung oder Darstellung einer Komik, die vom
Possenhaften, Burlesken, Grotesken mehr oder weniger weit entfernt sind.
Es bleiben insbesondere vielerlei Arten, durch den Witz eine Person oder
einen Vorgang in komische Beleuchtung zu ruecken. Soweit dabei eine
besondere Eigenart des Witzes vorausgesetzt ist, werden diese
Moeglichkeiten nachher zu unterscheiden sein. Im uebrigen haette es nicht
viel Wert, wenn wir hier weitere Einteilungen und Unterscheidungen
versuchen wollten.

Alle die bezeichneten Moeglichkeiten der objektiven Komik bleiben
aesthetisch wertlos, solange sie nichts sind als Moeglichkeiten der Komik.
Es ist aber teilweise im Obigen schon angedeutet, wie sie aesthetischen
Wert gewinnen koennen. Die possenhafte Komik braucht als solche nicht,
aber sie kann gutmuetig sein. Noch mehr, sie kann herzerfreuend sein. Dies
ist nur moeglich, wenn etwas Gesundes, urspruenglich Menschliches, Wahres,
Ehrliches, Gutes in ihr ist, vielleicht gar eine besondere Staerke und
menschliche Groesse. Dergleichen kann in der possenhaften Komik nicht nur
nebenbei enthalten sein, sondern es kann eben durch dieselbe erst recht
zum Bewusstsein gebracht werden. Dann wird die possenhafte Komik zum
Humor; es entsteht das Kunstwerk der Posse, etwa der Volksposse, ein
Kunstwerk, das trotz der "niedrigeren" Sphaere und der drastischen Mittel
aesthetisch hoeher stehen, also im hoeherem Grade ein "Kunstwerk" sein kann,
als Dutzende von "feineren" Lustspielen, die vielleicht nur darum feiner
heissen, weil ihnen alle Kraft und Tiefe fehlt, weil sie unterhalten,
"interessieren", eine "Belustigung des Verstandes und Witzes"
hervorbringen, aber alles innerlich Erhebenden und Erwaermenden baar sind,
ebenso geistreich wie herzlos.

Noch weniger kann mir daran gelegen sein, in eingehenderer Weise, als ich
es oben schon that, Arten der naiven Komik zu unterscheiden.

Dagegen verlohnt es die Muehe, die unendliche Menge der Moeglichkeiten
einer subjektiven Komik nach Gesichtspunkten, die in der Natur der Sache
liegen, zu ordnen. Dies soll im Folgenden versucht werden.




XIII. KAPITEL. DIE UNTERARTEN DER SUBJEKTIVEN KOMIK.


ALLGEMEINES.

Auch die subjektive Komik oder der Witz kommt durch Wirkung jener beiden
Arten der Vorstellungsassociation, der Association des Aehnlichen und der
Association auf Grund der Erfahrung, zu stande. Wir verbinden aber diesen
Gesichtspunkt hier von vornherein mit dem aus der spezifischen Eigenart
des Witzes sich ergebenden logischen Gesichtspunkt. Der in Zeichen, vor
allem in sprachlichen Zeichen formulierte Gedanke, das ist, wie wir
wissen, das besondere Gebiet des Witzes. Entsprechend muss bei der
Einteilung der Witzarten der logische Gesichtspunkt, ich meine den
Gesichtspunkt derjenigen "Logik", die eben mit dem _formulierten_
Gedanken zu thun hat, der eigentlich sachgemaesse sein.

Die Logik redet von Begriffen, das heisst Worten, die etwas bezeichnen,
von Beziehungen zwischen Begriffen, von Urteilen, von Beziehungen
zwischen Urteilen, endlich von Schluessen. Darnach werden wir
unterscheiden den Begriffs- oder Wortwitz, die witzige Begriffsbeziehung,
das witzige Urteil, die witzige Beziehung zwischen Urteilen, endlich den
witzigen Schluss. Die Untereinteilung ergiebt sich dann einerseits aus
dem Gegensatz jener beiden Arten des Vorstellungszusammenhanges,
andererseits aus dem Unterschied solcher Arten des Witzes, bei denen der
Witz auf lediglich aeusseren, sprachlichen Momenten beruht, und solcher,
bei denen er irgendwie sachlich begruendet ist. Wir gewinnen auf diesem
Wege eine Unterscheidung von vier Arten von Begriffswitzen, witzigen
Begriffsbeziehungen, witzigen Urteilen etc., naemlich (A. 1) solchen, die
zu stande kommen durch Aehnlichkeit, beziehungsweise Gleichheit von Worten
oder Saetzen, (A. 2) solchen, deren Moeglichkeit darauf beruht, dass wir
irgendwelchen Sprachformen die Bedeutung, die sie in unserer Erfahrung
gewonnen haben, auf Grund davon, also gewohnheitsmaessig, auch da
zugestehen, wo sie ihnen nicht zukommt, oder nicht zuzukommen scheint,
(B. 1) solchen, bei denen eine sachliche Uebereinstimmung, und endlich (B.
2) solchen, bei denen ein erfahrungsgemaesser sachlicher Zusammenhang die
logische oder pseudologische Grundlage bildet.


DER WORT- ODER BEGRIFFSWITZ.

I. Der "_Wort- oder Begriffswitz_" erzeugt illegitime Begriffe, die wir
uns dennoch, wenigstens fuer den Augenblick, gefallen lassen; er macht und
gebraucht Worte, die etwas bezeichnen oder zu bezeichnen scheinen und
doch wiederum nichts bezeichnen oder nichts scheinen bezeichnen zu
koennen.

A. Gleich bei dieser ersten und niedrigsten Witzart ist jene
Untereinteilung am Platze. Die Witzart beruht zunaechst auf lediglich
_aeusseren_ Momenten, Momenten der reinen _sprachlichen Form_, und zwar

1. auf _Wortaehnlichkeit_. Man kennt die jugendliche Mode, Worte so zu
veraendern, oder umzudrehen, dass sie aufgehoert haben, sinnvolle
Sprachzeichen zu sein, und doch wegen der Aehnlichkeit mit dem Original
noch verstanden werden. Der Witz dieser "_witzigen Wortverdrehung_"
beruht, wie ueberhaupt der Wortwitz, nur eben auf diesem Gegensatz von
Sinnlosigkeit und verstaendlichem Sinne.--Als eine besondere Art der
witzigen Wortverdrehung kann die Verdrehung von Fremdwoertern--ohne
Anklang an andere, wovon spaeter--bezeichnet werden, wie sie "Unkel
Braesig" so oft wider Willen begegnet.

2. Auf der gewohnheitsmaessigen Festhaltung der erfahrungsgemaessen Geltung
sprachlicher Formen koennen Wortwitze in doppelter Weise beruhen. Auf der
Gewohnheit mit Worten ueberhaupt einen Sinn zu verbinden, beruht die
Moeglichkeit der "_witzigen Scheinbegriffe_". Ich antworte etwa auf die
Frage, was dies oder jenes sei, mit einem Worte, das es nirgends giebt,
und das fuer niemand einen Sinn hat; lediglich vertrauend auf den Glauben
des Hoerers, es muesse sich, wenn er nur Worte hoert, dabei doch etwas
denken lassen. Der Witz besteht fuer den, der sich verblueffen laesst und
einen Augenblick darauf "hereinfaellt", dann aber sofort weiss, dass er
duepiert ist.

Hoeher steht die "_witzige Wortbildung_" nach aeusserer Analogie, das
heisst nach einer erfahrungsgemaess feststehenden, im gegebenen Falle aber
unanwendbaren Regel der Wortbildung. Alle Wortbildungsmittel, moegen sie
Endsilben, Vorsilben oder sonstwie heissen, beliebige grammatikalische
Formen, die ungeheuerlichsten Wortzusammensetzungen, koennen in den Dienst
dieser Witzart treten. Vorausgesetzt ist nur, dass sie aus der sonstigen
sprachlichen Erfahrung verstaendlich sind, und darum in ihrer
Sinnlosigkeit doch sinnvoll erscheinen. Ihr Wert erhoeht sich, wenn sie
nicht blosse Spielerei sind, sondern eine Sache kurz und schlagend
bezeichnen.

B. Dem aeusseren Zusammenhange haben wir den _inhaltlichen_ oder
_sachlichen_ entgegengestellt. Verstehen wir darunter, wie nachher, den
objektiven Zusammenhang der Dinge, so kann es einen Wortwitz auf Grund
irgendwelchen sachlichen Zusammenhanges nicht geben. _Urteile_ gewinnen
wirkliche oder scheinbare Geltung aus dem Zusammenhange der Thatsachen.
Einem _Worte_ aber einen Sinn zuzuschreiben, dazu kann kein solcher
Zusammenhang veranlassen. Der einzige sachliche Zusammenhang, der hier in
Frage kommt, ist eben der zwischen dem Wort und seinem Sinn. Der ist es
denn auch, der hier an die Stelle des Zusammenhangs der Dinge treten
muss.

1. Dieser Zusammenhang ist Zusammenhang der Aehnlichkeit bei
ueberraschenden, und sprachlich unerlaubten, aber doch bezeichnenden
onomatopoetischen Bildungen, wie wir sie auch im gewoehnlichen Leben oft
in witziger oder witzelnder Weise vollziehen.

2. Er beruht auf Erfahrung bei allen den witzigen Wortbildungen, die wir
uns nur darum gefallen lassen, weil sie thatsaechlich bestehen. Ueberall,
bei Kindern, bei den verschiedenen Staenden Gesellschafts- und
Berufsklassen, in Provinzen und Staedten, begegnen wir neben der
allgemeingueltigen einer eigenen Sprache. Die Worte sind witzig, nicht fuer
denjenigen, dem sie voellig gelaeufig und naturgemaess sind, wohl aber fuer
den, dem sie verstaendlich und doch, weil dem anerkannten Sprachgebrauche
fremd, eigentlich sinnlos erscheinen. Auch fremdsprachliche Worte, die
ganz anders klingen, als wir es gewohnt sind, und die darum ueberhaupt
nicht als moegliche Sprachzeichen erscheinen, koennen aus gleichem Grunde
den Eindruck des Witzigen machen. Der Wert des Witzes erhoeht sich
wiederum, wenn die Worte die Sache kurz bezeichnen.--Wie dort, bei der
"_witzigen Onomatopoesie_", in der Aehnlichkeit des Wortes mit der
bezeichneten Sache, so liegt hier, bei den "_witzigen Idiotismen_", in
der erfahrungsgemaessen Thatsache, dass das Wort die Sache bezeichnet, die
"sachliche" Begruendung des Witzes.


DIE WITZIGE BEGRIFFSBEZIEHUNG.

II. Die "_witzige Begriffsbeziehung_" stellt Beziehungen zwischen
Begriffen unrechtmaessig oder scheinbar unrechtmaessig her, Beziehungen der
Gleichheit oder Verschiedenheit, der Identitaet oder des Gegensatzes.
Beziehungen endlich der Zusammengehoerigkeit dieser oder jener Art.

A. Betrachten wir auch hier zuerst die Faelle, in denen _aeussere Momente_
den Witz begruenden.

1. Wir haben dann, soweit das aeussere Moment in Wortaehnlichkeit besteht,
in erster Linie zu nennen die "_witzige Wortverwechselung_". Ein Wort
tritt an Stelle eines anderen, ihm aehnlichen Wortes, das seinen eigenen
und wohlbekannten Sinn hat. Der Witz entsteht, indem wir die
Verwechselung verstehen, d. h. sie, durch die Aehnlichkeit der Worte
verfuehrt, in Gedanken mitmachen, und damit die entsprechenden Begriffe
und Gegenstaende fuer einen Augenblick identifizieren. Jemand "insultiert"
etwa den Arzt statt ihn zu konsultieren und erweckt damit die
Vorstellung, als ob in der That das Konsultieren ein Insultieren waere,
und nicht bloss ein Wort fuer ein anderes taschenspielerisch eintraete.

Wie hier, so ist ueberhaupt bei der witzigen Begriffsbeziehung auf Grund
von Wortaehnlichkeit, die hergestellte Beziehung die der Identitaet oder
wenigstens der Vergleichbarkeit. Eine weitere Art bezeichnen wir als
"_witzige Wortkarikatur_". Wenn ich den Perueckentraeger einen "Perueckles"
nenne, so ersetze ich nicht ein Wort durch ein anderes, ebenso
sprachgebraeuchliches, sondern ich veraendere oder verdrehe ein Wort, ohne
es doch voellig unkenntlich werden zu lassen, kuenstlich in der Weise, dass
es an ein anderes bekanntes anklingt, oder in ein (illegitimes) neues,
mit selbstaendigem Sinn, sich verwandelt. Insofern das Wort trotz seiner
Veraenderung verstaendlich bleibt, liegt zunaechst eine einfache "witzige
Wortverdrehung" oder "Wortbildung", also ein blosser Wortwitz vor. Indem
wir aber zugleich den durch die Veraenderung erschlichenen neuen Sinn mit
dem festgehaltenen alten identifizieren, entsteht die genannte neue, in
diesen Zusammenhang gehoerige Witzart. Der "Perueckles" erscheint als eine
Art Perikles, ebenso die als "Dichteritis" bezeichnete Dichterei im
Lichte einer der Diphtheritis vergleichbaren Krankheit u. s. w.

Wir koennen Dinge bezeichnen direkt und bildlich. Auch das Bild kann
derart verschoben werden, dass es kein legitimes Bild mehr ist, aber doch
noch erkannt wird und zugleich in der Verschiebung einen scherzhaften
Nebensinn ergiebt. Eine sehr gelaeufige derartige Bildkarikatur lasse ich
mir beispielsweise zu Schulden kommen, wenn ich sage, jemandem sei--nicht
ein Licht, sondern ein Nachtlicht, eine Thranlampe oder etwas dergleichen
aufgegangen. So wenig Witz in solchen Witzen stecken mag, so habe ich sie
doch hier mit zu erwaehnen.

Alle moeglichen Wortverdrehungen und Wortbildungen koennen in den Dienst
jener witzigen Wortkarikatur treten. Wir koennen aber aus der Menge der
moeglichen Faelle diejenigen noch besonders hervorheben, in denen der mit
dem kuenstlichen Wortgebilde urspruenglich gemeinte Gegenstand nicht nur in
spielende, sachlich bedeutungslose Beziehung zu dem durch die Umbildung
neu entstehenden Begriffe gesetzt, sondern durch den Inhalt dieses
Begriffes charakterisiert, erklaert, illustriert werden soll. Derart sind
die _Fischart_'schen "_charakterisierenden Wortbildungen_"--"Jesuwider"
statt Jesuit oder Jesuiter, "Maulhenkolisch" statt Melancholisch und
unzaehlige andere. Der besondere Wert dieser Art leuchtet ein. Jene
Neubildung ist zugleich ein vernichtendes Urteil, diese wenigstens eine
drastische Veranschaulichung.

In allen diesen Faellen wird der mit dem gebrauchten Worte eigentlich
gemeinte Begriff oder Gegenstand erraten oder kann erraten werden. Es
genuegt, dass ich sage, jemand habe die Dichteritis und man weiss, dass
seine Dichterei damit witzig charakterisiert werden soll. Dagegen werden
bei anderen Arten der witzigen Begriffsbeziehung beide Begriffe
ausdruecklich bezeichnet und auch aeusserlich in Beziehung gesetzt.--Ein
analoger Gegensatz wird uns noch oefter begegnen.

Auch hierbei sind die beiden Moeglichkeiten: die Traeger der beiden
Begriffe sind gebraeuchliche Worte, oder es findet eine Wortneubildnng
statt. Das Erstere ist der Fall bei den "_einfachen Klangwitzen_" der
_Schiller_'schen Kapuzinerrede: Krug--Krieg, Sabel--Schnabel,
Ochse--Oxenstirn; das Letztere bei den demselben Zusammenhange
angehoerigen "karikierenden Klangwitzen": Abteien--Raubteien,
Bistuemer--Wuesttuemer. In beiden Faellen liegt eine Beziehung der Begriffe
bereits ausdruecklich vor. Wir verwandeln aber diese--bloss aeusserlich
thatsaechliche Beziehung, verfuehrt durch den Gleichklang der Worte, in
eine Art innerer Wesensbeziehung. Jene thatsaechliche Beziehung wird fuer
uns zu einer sozusagen selbstverstaendlichen, in der Natur der
Begriffsinhalte selbst liegenden. Eben darauf beruht bei beiden der Witz.

Als eine besondere Art des Klangwitzes kann noch der "_antithetische
Klangwitz_" bezeichnet werden, von der Art des recht bezeichnenden, der
mit Bezug auf eine Berliner Kunstausstellung gemacht wurde: es seien dort
viele eingerahmte Bilder, aber noch mehr eingebildete Rahmen zu sehen
gewesen. Entsprechend der Umkehrung der Worte scheinen auch die Begriffe
inhaltlich einer als blosse Umkehrung oder ergaenzende Kehrseite des
anderen.--Zugleich gehoert freilich die unlogische Begriffsverbindung
"eingebildete Rahmen" fuer sich allein noch einer andern und zwar einer
gleich zu besprechenden Witzart zu.

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If you think books have dumbed down …
Alison Flood: Today we can take our laptops on the road, but could we use them to produce On The Road?

Kerouac's On the Road manuscript travels to the Midlands

John Crace swallows a very thirsty volume

Documentary to lay bare 'Narnia Code'

He wrote it in just three weeks, furiously and loudly tap-tap-tapping away on his typewriter on 12ft long reels of paper so that he did not have to stop, just writing writing writing fuelled only, he said, by coffee…

It became one of the most important American novels of the last century and yesterday the original manuscript - a scroll taped together with eight reels of paper - of Jack Kerouac's On The Road was unfurled in the UK for the first time.
Fifty years after the novel which more or less defined the Beat generation, was published in Britain, the Barber Institute in Birmingham is showing what is now one of the most valuable literary manuscripts in existence as part of its exhibition Jack Kerouac: Back On the Road.

The exhibition's curator Professor Dick Ellis said there had been a lot of competition to get the scroll which is itself spending a lot of time on the move, having toured a string of US cities and hitting the road to Rome once this show is over. "We're very excited indeed," he said. "This is an iconic manuscript. It is a record of the huge effort Kerouac put into composing it. It was 20 days of typing 6,500 words a day, flat out, in spontaneous composition. He wanted to record things with the most possible accuracy using the spontaneous technique. His typewriter became a compositional instrument.

"Truman Capote once accused Kerouac of typing rather than writing, I would say he was learning the ability of using the typewriter like a jazz instrument, like a saxophone. He also had an incredible memory. And he had great speed at typing, he became a lightning typist. He came to be able to use a typewriter in a way that has not been seen before or since. Kerouac said he wrote fast because the road was fast."

About 22 of the scroll's 120ft will be on display in a specially built cabinet and while visitors will have to slightly tilt their heads, Ellis believes they will get a much deeper knowledge of what Kerouac was all about. It comes to Birmingham courtesy of Jim Irsay, owner of the Indianapolis Colts, who bought it for $2.4m (£1.6m) in 2001 before agreeing to a tour. Of course, in the published novel, there are paragraph breaks but in the scroll, there are none. Kerouac did not have the time. The exhibition runs until January 28.

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