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Komik und Humor by Theodor Lipps

T >> Theodor Lipps >> Komik und Humor

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Die humoristische Darstellung ist endlich ironische Darstellung des die
Idee Negierenden, das heisst eine Darstellung, die nicht nur _gegen_ das
Nichtseinsollende sich "erhebt", sondern zugleich in demselben den Keim
der Selbstvernichtung erblickt, und im Glauben, dass schliesslich alles
zum Guten dienen muesse, das Dasein desselben heiter ueber sich ergehen
laesst.


DIE HUMORISTISCHE DARSTELLUNG UND DER WITZ.

Hier ist der Punkt, wo auf die aesthetische Bedeutung, die der Witz zu
gewinnen vermag, oder auf die Bedeutung des Witzes als eines Elementes
des Humors, speciell hingewiesen werden kann.

Der Witz an und fuer sich, als dies reine Vorstellungsspiel, kann
ebensowenig wie die objektive Komik auf aesthetischen Wert Anspruch
erheben. Auch er kann einem aesthetisch Wertvollen nur _dienen_. Er ist
aber als _logisches_ Spiel, zu dem jede sachliche und persoenliche
Beziehung nur als ein ihm Fremdes hinzukommt, auch davon noch um einen
Schritt weiter entfernt als das objektiv Komische.

Der Witz naehert sich jener Aufgabe zunaechst, insoweit bei ihm
_Wahrheiten_ aus dem komischen Prozess auftauchen und sich behaupten.
Aber er naehert sich ihr damit auch nur. Das aesthetisch Wertvolle, oder
das "Schoene", ist nicht das Wahre, so gewiss Wahrheit Bedingung der
Schoenheit ist. Auch "_ergetzliche_ Belehrung" ist keine aesthetische
Leistung.

Aesthetischer Wert ist Wert von Objekten, von Gegenstaenden der Anschauung
oder der Phantasie. Es ergiebt sich daraus, dass der Witz aesthetische
Bedeutung besitzen kann, nur sofern er solche Objekte, also Dinge,
Menschen, ein Geschehen an Dingen oder Menschen, in die komische
Vorstellungsbewegung, in welcher er psychologisch betrachtet besteht,
hineinzieht. Insoweit aber dies der Fall ist, ist der Witz nicht mehr
blosser Witz, sondern traegt ein Moment der objektiven Komik in sich. Als
Mittel zur Erzeugung der objektiven Komik also kann der Witz allein
aesthetische Bedeutung gewinnen.

In die komische Vorstellungsbewegung des Witzes wird nun zunaechst
dasjenige hineingezogen, auf dessen Kosten der Witz gemacht wird. Dies
"Objekt" des Witzes wird durch den Witz in komische Beleuchtung gerueckt,
also als komisch oder in seiner Komik _dargestellt_. Der Witz, sofern er
objektive Komik erzeugt, ist demnach eine Weise der komischen
Darstellung. Diese wird zur humoristischen Darstellung, wenn
sie--humoristisch ist Und dies kann sie sein in der soeben bezeichneten
dreifachen Art:

Der Witz deckt _harmlos_ witzig, oder im engeren Sinne humoristisch,
Schaeden und Schwaechen auf, greift die Wirklichkeit, selbst die erhabenste
an, wo immer sie ihm einen Angriffspunkt bietet, und verraet dabei seinen
Glauben an die unmittelbare Gegenwart und Macht der "Idee". Er geisselt
_satirisch_, mit schneidendem Witze, das Nichtseinsollende, das sich
blaeht, und zeigt darin die Festigkeit seines vernuenftigen und sittlichen
Bewusstseins. Er wird endlich zur witzig _ironischen_ Darstellung, aus
der der Glaube an den schliesslichen Sieg des Seinsollenden oder der Idee
hindurchleuchtet.

Sowenig, wie bereits zugestanden, die im XIII. Kapitel gegebene
Einteilung der Arten des Witzes vom aesthetischen Gesichtspunkte
beherrscht war, so wollte ich doch in ihr auf die soeben bezeichnete
dreifache Moeglichkeit der aesthetischen Verwertung des Witzes schon in
gewisser Weise vorbereiten. Ich wollte dies durch die Art, wie ich von
dem bloss scherzenden Witze den charakterisierenden und andererseits den
ironischen Witz unterschied.

Nicht als koennte diese Unterscheidung mit jener Unterscheidung des
harmlosen, satirischen, und ironischen Humors einfach zusammentreffen.
Der charakterisierende Witz kann ja auch Schwaechen _harmlos_
charakterisieren; er dient andererseits der Charakterisierung des
Wertvollen sogut wie der des Nichtigen. Der ironische Witz kann dem
harmlos Bescheidenen, das selbst keinen Anspruch erhebt, spielend einen
Anspruch leihen, um diesen Anspruch wieder in sein Gegenteil umschlagen
zu lassen, und auch er kann andererseits am Wertvollen sich vergreifen.

Immerhin fehlt eine Beziehung zwischen beiden Unterscheidungen nicht.
Der bloss scherzende Witz, der nur, was ihm eben vorkommt, in seine
willkuerliche Beleuchtung rueckt, ohne den Anspruch zu machen, es in
seinem eigentlichen Wesen zu treffen oder in seinem wahren Lichte
erscheinen zu lassen, kann auch nicht den Anspruch erheben, das
_Nichtseinsollende_ in seinem wahren Wesen blosszustellen oder in
sein Nichts zuerueckzuschleudern. Ihm bleibt nichts als das harmlose
_Spiel_ mit Personen und Objekten, und die das Wesen der Objekte
nicht beruehrende Komik, der sie damit verfallen.

Dagegen liegt es in der Natur den charakterisierenden Witzes, auch das
Wesen des thatsaechlich Nichtigen oder der Idee Widrigen, das sich erhaben
geberdet, zu beleuchten.

Ebenso wird der ironische Witz, der zunaechst nichts ist, als die in ihr
Gegenteil umschlagende Bezeichnung oder Aussage, im ironischen Humor, der
den Anspruch des Nichtseinsollenden in sein Gegenteil umschlagen laesst,
eine wichtige, ueber den Witz hinausgehende Aufgabe haben. Er wird diese
Aufgabe erfuellen, beispielsweise immer dann, wenn die in ihr Gegenteil
umschlagende Bezeichnung oder Aussage einen solchen Anspruch des
Nichtseinsollenden zum Inhalte hat.




XVIII. KAPITEL. DER OBJEKTIVE HUMOR.


UNENTZWEITER HUMOR.

Dieselben drei Moeglichkeiten oder Stufen, wie wir sie beim Humor der
Weltbetrachtung und beim Humor der Darstellung unterschieden haben,
bestehen endlich auch beim objektiven Humor. Darauf haben wir noch etwas
naeher einzugehen.

Nach dem oben Gesagten unterscheiden wir einen harmlosen, in sich
unmittelbar versoehnten, unentzweiten, im engeren Sinne "humoristischen"
objektiven Humor; andererseits einen in sich entzweiten oder satirischen;
endlich einen wiederversoehnten oder ironischen objektiven Humor.

Der objektive Humor gewinnt ein mannigfaltigeres Ansehen, wenn wir mit
dieser Dreiteilung hier sogleich den Gegensatz der Situations- oder
Schicksalskomik und der Charakterkomik verbinden, den wir oben bei
Betrachtung der objektiven Komik feststellten, dann aber einstweilen
ausser Acht liessen. Indem ich die hieraus sich ergebenden Arten des
Humors bezeichne, setze ich gleich voraus, dass der Humor in Form des
Kunstwerkes uns entgegentrete. Dabei nehme ich mir die Freiheit, den
Namen "Komoedie" zu verallgemeinern, und nicht nur das zunaechst so
benannte dramatische Kunstwerk damit zu bezeichnen, in dem die Komik die
hoechste kuenstlerische Verwertung findet, sondern jedes Kunstwerk, in dem
und soweit in ihm ein dargestelltes Komisches Traeger des Schoenen oder
Vermittler des aesthetischen Wertes ist.

Die "Komoedie" in diesem Sinne ist erstlich harmlose oder im engeren Sinne
"_humoristische_" _Schicksalskomoedie_. Der Mensch erfaehrt die Tuecke des
Schicksals, sei es in Gestalt des blinden Zufalls, sei es in Gestalt des
neckenden oder feindlichen Thuns anderer, und wird objektiv komisch, er
erhebt sich aber darueber, als ueber etwas, das ihm und seinen wesentlichen
Zwecken nichts anhaben kann.--Ihr steht entgegen die harmlose
_Charakterkomoedie_, das heisst dasjenige Kunstwerk, in dem in der
Schwaeche, Beschraenktheit, Verkehrtheit des Individuums und durch dieselbe
das relativ Gute, Vernuenftige, Gesunde, kurz das positiv Menschliche sich
offenbart.

Diese Art der Schicksals- und Charakterkomoedie verwirklicht sich in der
epischen Poesie, und soweit jener Gegensatz des Individuums und seiner
Komik in einer einzigen Situation darstellbar ist, schon in der bildenden
Kunst. Dass sie dagegen in Gestalt des dramatischen Kunstwerkes auftrete,
daran hindert der ihr eigentuemliche Mangel des dramatischen Konflikts und
der dramatischen Entwicklung. Mag im komischen Drama der Konflikt geloest
werden, oder zur Unloesbarkeit sich zuspitzen, in jedem Falle besteht ein
Konflikt, und in jedem Falle wird--nicht der Konflikt, aber das Komische
oder Nichtige, irgendwie ueberwunden, naemlich objektiv thatsaechlich im
Falle der Loesung, nur innerlich im Falle der Unloesbarkeit des Konfliktes.
Wo aber die Person ueber die Tuecke des Schicksals sich im oben
vorausgesetzten Sinne unmittelbar "erhebt", ich meine in dem Sinne, dass
sie trotz alles Strauchelns und Fallens doch ihrer selbst und ihrer guten
Zwecke sicher bleibt, da ist der Gegensatz zwischen ihr und dem Schicksal
fuer sie selbst von vornherein aufgehoben. Und damit ist Beides
ausgeschlossen, sowohl dass sie das Schicksal bekaempfe und aeusserlich
darueber triumphiere, als auch dass sie dem uebermaechtigen und sie
aeusserlich vernichtenden Schicksal die Wuerde ihrer Persoenlichkeit
entgegenstelle und es so innerlich ueberwinde. Ebenso ist bei der
komischen Person, ueber deren verkehrtes Gebahren wir uns um des
dahinterliegenden Guten willen "erheben", so dass es uns nicht hindert,
den Wert der Person zu erkennen und anzuerkennen, der Gegensatz zwischen
dem Guten und der Verkehrtheit _fuer uns_ von vornherein ueberwunden. Wir
koennen darum nicht fordern, dass eine solche Ueberwindung noch besonders
sich _vollziehe_. Das heisst: wir koennen weder fordern, dass das
Verkehrte in der Person thatsaechlich negiert, beseitigt, weggeschafft
werde, noch dass die bleibende Verkehrtheit in ihr Nichts
zurueckgeschleudert und dadurch ein von ihr _negiertes_ Erhobene in seiner
Wuerde uns erst zum Bewusstsein gebracht werde.

In mancherlei Graden kann dieser harmlose Humor im Kunstwerk verwirklicht
sein. Vor allem kommt hier jener Unterschied des unbewussten und bewussten
Humors zu seinem Rechte, der bereits von uns betont wurde. In erster
Linie war damals gedacht an den Humor des komischen _Charakters_.
Derselbe Gegensatz besteht aber auch beim Humor des komischen Schicksals.
Wir begegnen der untersten Stufe des objektiven Humors der einen und der
anderen Art im Humor des naiven Kindergemuetes, das weder der
Unzulaenglichkeit oder Verkehrtheit seines Wollens, noch der Komik des
Schicksals, die es straucheln und fallen laesst, sich bewusst ist. Wir
begegnen beiden Arten des Humors in ihrer hoechsten Steigerung bei der
vollbewussten Persoenlichkeit, die in ihrem erhabenen Wollen nicht nur die
komische Situation deutlich erkennt, in welche, sie der natuerliche Lauf
der Dinge geraten laesst, sondern auch die eigene Unvollkommenheit klar
durchschaut, darum aber doch weder am Weltverlauf noch an sich selbst
irre wird.

Ohne Zweifel wuerde es zur vollkommenen Persoenlichkeit gehoeren, dass sie
das komische Geschick jederzeit voraussaehe und abzuwenden wuesste. Darnach
muss vom erhabensten Standpunkte aus jede Schicksalskomik zugleich als
Charakterkomik erscheinen. Aber auch fuer den niedrigeren, menschlichen
Standpunkt koennen die beiden Arten der Komik nicht nur in einer Person
sich vereinigen, sondern sie werden sich jederzeit irgendwie, bald in
hoeherem bald in geringerem Grade, wechelseitig bedingen. Es ist also auch
die Scheidung zwischen Schicksals- und Charakterkomoedie nur eine in
Gedanken rein vollziehbare; waehrend in der Wirklichkeit der Kunst die
beiden in mannigfacher Weise sich verbinden. Je mehr die Charakterkomoedie
ueber die Einfachheit eines Bildes hinausgeht oder aus der Stille eines
bescheidenen Daseins in den Strom des Lebens tritt, um so weniger werden
dem Helden, um seiner eigenen Komik willen, komische Situationen erspart
bleiben koennen. Umgekehrt wird die Schicksalskomoedie, je weniger sie sich
auf der Oberflaeche des blinden Zufalls haelt, um so mehr im Charakter des
Helden einen schwachen Punkt statuieren muessen, aus dem das komische
Schicksal begreiflich erscheint. Das Leben des anspruchslosen
Schulmeisterleins Wuz von Auenthal kann so "still und meergruen"
verlaufen, wie es verlaeuft. Schon Onkel Braesig dagegen greift soweit in
das Geschick Anderer ein, dass er es sich gefallen lassen muss, durch
sein gutmuetiges Ungeschick in allerlei Ungemach zu geraten; und dass er
darein geraet, ist uns wiederum nur aus seiner komischen Natur
verstaendlich.


SATIRISCHER HUMOR.

Was hier ueber das Zusammentreffen und Zusammenwirken von Schicksals- und
Charakterskomoedie gesagt wurde, gilt nun ebensowohl auch fuer die anderen
Gattungen der Komoedie, d. h. fuer die des ungeloesten und die des geloesten
Konfliktes, die ich nach Obigem auch als satirische und ironische Komoedie
oder als Komoedie des entzweiten und des wiederversoehnten Humors
bezeichnen kann. Mit beiden stehen wir auf dramatischem Boden, ohne dass
doch die epische Gestaltung ausgeschlossen waere.

Wenn ich hier von einem Konflikte spreche, so meine ich nicht
irgendwelchen Konflikt, sondern denjenigen zwischen dem Nichtigen, der
Thorheit, dem Laecherlichen in irgend einer Sphaere einerseits, und dem
Erhabenen, der Vernunft, dem Seinsollenden andererseits. Und der Konflikt
ist ungeloest, dies heisst, dieser Gegensatz bleibt bestehen; das
Laecherliche, sei es nun ein Laecherliches an einer Person, oder das
Laecherliche einer Situation, oder beides zugleich, hoert nicht auf zu
existieren. Es wird nicht thatsaechlich aus der Welt geschafft, macht
nicht einem Erhabenen Platz, schlaegt nicht in ein solches um. Es wird
freilich Ueberwunden, aber nur innerlich, d. h. im Bewusstsein. Diese
Ueberwindung kann nur darin bestehen, dass sein Anspruch als ein Erhabenes
oder Seinsollendes betrachtet zu werden, als ein Zurechtbestehendes,
Ueberlegenes, Vornehmes, Grosses zu gelten, oder auch sein Anspruch ein
Maechtiges zu sein, zu nichte wird.

Dies Zunichtewerden muss nun irgendwie sich vollziehen. Es muss im
humoristischen Kunstwerke etwas geben, dass solchen Anspruch aufhebt.
Dies erscheint dann als Traeger des Seinsollenden oder der "Idee"; und
zwar als Traeger der siegreichen Idee. Auch dieser Sieg ist beim
objektiven satirischen Humor oder in der satirischen "Komoedie" nicht ein
thatsaechlicher, sondern ein solcher im Bewusstsein.

Hier erhebt sich nun die Frage: In wessen Bewusstsein? Die Antwort
lautet: In jedem Falle in dem unsrigen. Vielleicht aber auch im
Bewusstsein dargestellter Personen.

Und dazu tritt die andere Frage: Wo findet sich die Idee, oder was ist
der Traeger derselben? Auch darauf sind verschiedene Antworten moeglich.

Das Nichtige, Unvernuenftige, Laecherliche, aber mit Anmassung, d. h. mit
Anspruch auf Wuerde Auftretende kann zunaechst sich in seiner Nichtigkeit
offenbaren im natuerlichen Verlauf der Dinge, im einfachen sich Auswirken,
in irgend einem Konflikt mit den Umstaenden. Dabei nehmen wir an, der
Traeger des Laecherlichen sei sich seiner Laecherlichkeit nicht bewusst. Er
verlacht, so setzen wir voraus, nicht sich selbst, sondern geht froehlich
seinen Weg. Er erreicht sein Ziel, behaelt also aeusserlich betrachtet
Recht. Er steigt nur eben notgedrungen von seiner angemassten Hoehe herab,
muss sich ohne Maske zeigen, muss mit dem von ihm Verachteten, dass seine
Nichtigkeit und vielleicht Nichtswuerdigkeit offen zur Schau traegt, sich
auf eine Linie stellen, mit ihm paktieren, ihm den "bruederlichen
Versoehnungskuss" reichen.

Dass dies geschieht, ist das Verdienst jenes natuerlichen Verlaufs der
Dinge. Der Zusammenhang des Geschehens, die innere Logik desselben, die
in ihm waltende sittliche Notwendigkeit will es so. Mit diesem
Zusammenhang, dieser Logik, dieser sittlichen Notwendigkeit
sympathisieren wir. Sie erscheint als das Erhabene. In dem hieraus
entspringenden Gefuehl sind wir versoehnt.

Man kann dies Versoehntsein als Schadenfreude bezeichnen. Aber es ist
Schadenfreude besonderer Art, naemlich sittliche Schadenfreude. Jede
Schadenfreude ist--nicht Freude am Schaden Anderer als solchem, sondern
Freude an der Aufhebung eines auf der eigenen Persoenlichkeit liegenden
Druckes, Freude am einer Befreiung und damit Steigerung des
Selbstbewusstseins. Und sittliche Schadenfreude ist Freude an einer
Befreiung und damit einer Steigerung des sittlichen Selbstbewusstseins.

Solche Schadenfreude oder solche sittliche Befreiung kommt in uns auch zu
stande angesichts der satirischen Darstellung, von der ich oben sagte,
dass ihr wohl zunaechst der Name der Satire zukomme. Davon unterscheidet
sich die satirische "Komoedie", von der wir hier reden, dadurch, dass bei
ihr das Befreiende nicht nur in der Darstellung, sondern objektiv als
Gegenstand der Darstellung uns entgegentritt. Die Befreiung besteht im
Miterleben der durch den Zusammenhang des Geschehens bewirkten
Vernichtung des Erhabenheitsanspruches des Nichtigen.

Dieser Zusammenhang des Geschehens ist hier der eigentliche Held, oder
tritt an die Stelle desselben. Wo wir eine _Person_ in einem poetischen
Kunstwerk als Helden bezeichnen, meinen wir damit die Person, auf welche
schliesslich der ganze mannigfache Inhalt des Kunstwerkes sich bezieht,
nicht irgendwie aeusserlich, sondern aesthetisch, d. h. in der Art, dass
unser aesthetisches Interesse an diesem Inhalt in dem Interesse am Helden
muendet oder zur Einheit sich zusammenfasst. Dies Interesse ist aber
positives Miterleben, d. h. ein solches, in welchem wir eine eigene
Lebenssteigerung erfahren. Wir koennen also auch sagen: Der "Held"
bezeichnet den Punkt, in dem dasjenige, was wir angesichts des ganzen
Kunstwerkes miterleben sollen, oder was uns durch das ganze Kunstwerk
Positives gegeben werden soll, in Eines sich zusammenfasst.

Dieser Punkt nun ist in unserem Falle bezeichnet durch den Zusammenhang
des Geschehens. Er ist also der "Held". Oder: die "Idee" ist der Held,
sofern sie in diesem Zusammenhang sich als uebermaechtg ausweist, naemlich
uebermaechtig ueber den Erhabenheitsanspruch des Nichtigen. Dagegen koennen
die Traeger des Nichtigen nicht Helden sein. Ihnen fehlt das Positive. Es
wird darum auch kein Einzelner in einem solchen Kunstwerk alles
beherrschend heraustreten. Was uns entgegentritt, wird eine Gruppe von
Menschen sein, eine Gesellschaftsklasse, Vertreter eines Standes oder
mehrerer Staende.

Damit ist zugleich gesagt, dass der _Humor_ der Sache hier--nicht in den
Entlarvten oder ihres Erhabenheitsanspruches Beraubten, sondern in diesem
Zusammenhang des Geschehens, oder dieser "Idee" seinen Traeger hat. Der
Humor liegt in der aus der Verschleierung oder versuchten Vernichtung
emportauchenden Wahrheit. Dieser Humor ist nicht Schicksalshumor und
nicht Charakterhumor, oder er ist beides. Der Gegensatz zwischen beiden
kann eben hier, weil der Held nicht persoenlich ist, noch nicht
hervortreten. Der Zusammenhang des Geschehens ist komisch. Und sofern die
Idee, das Seinsollende, die Wahrheit, nur in diesem Geschehen, oder in
Gestalt desselben fuer uns gegenwaertig ist, erscheint auch sie mit der
Komik _behaftet_. Andererseits ist doch jener Zusammenhang ein
Zusammenhang des _Geschehens_; die Komik ist also Schicksal; die komische
Verschleierung oder versuchte Vernichtung _widerfaehrt_ der Idee.

Ist die Idee oder das Positive bei dieser satirischen Komoedie nicht
persoenlich, so ist es doch quasi-persoenlich. Wir beleben, beseelen, also
personifizieren schliesslich auch einen solchen abstrakten Zusammenhang
des Geschehens. Wir reden von treibenden Kraeften, die in einem solchem
Zusammenhang wirken. Solche "Kraefte" sind, wie alle "Kraefte",
Persoenlichkeitsanaloga.

Immerhin steht ein derart abstrakter Zusammenhang uns persoenlich umso
ferner und ist unserem Mitleben umso weniger unmittelbar zugaenglich, je
abstrakter er ist. Er wird aber in der That so abstrakt, wie wir ihn
bisher gedacht haben, niemals bleiben.

Verschiedene Moeglichkeiten bestehen zunaechst, wie konkret Persoenliches in
ihn eingehen kann. Immer wird es in dieser satirischen Komoedie geschehen,
dass Laecherliches und Laecherliches _wechselseitig_ sich blosstellt, noch
nicht mit Bewusstsein von der Laecherlichkeit oder Jaemmerlichkeit des
Blossgestellten, sondern nur einfach thatsaechlich. Es ist dann die Macht
der Wahrheit in dem Laecherlichen selbst wirksam. Dass diese Wirksamkeit
unbewusst, ja gegen den Willen des Laecherlichen geschieht, mindert nicht,
sondern steigert den Eindruck dieser Macht.

Es koennen aber auch die Traeger des Laecherlichen mehr oder minder bewusst
einer dem anderen das Recht auf Erhabenheit streitig machen, und einer
den anderen in seiner Nacktheit zeigen. Ebenso koennen andererseits
diejenigen, denen dies widerfaehrt, von ihrer Nacktheit ein mehr oder
minder deutliches Bewusstsein haben. Vielleicht auch ist unter den
Verkehrten ein Cyniker, der das Kind beim rechten Namen nennt und damit
der sich vornehm duenkenden Niedrigkeit ihren Spiegel vorhaelt. In allen
solchen Faellen ist es von Wichtigkeit, dass der _selbst_ in die
Verkehrtheit _Verstrickte_ die Verkehrtheit in ihr Nichts verweist oder
zurueckschleudert. Es zeigt sich darin die Macht der Wahrheit doppelt
deutlich. Der Cyniker, der die Wahrheit eingestellt, thut der Wahrheit
einen groesseren Dienst, als der Tugendhafte, der sie verkuendigt, oder gar
der Moralist, der sie predigt. Hier ist die Wahrheit einfach da. Dort
siegt sie ueber das Schlechte, dessen natuerlicher Schutz die _Luege_ ist.

Andererseits kann zu denjenigen, um deren Verkehrtheit eigentlich es sich
handelt, eine Gestalt _hinzutreten_, die irgendwie in positiver Weise die
Idee, und damit den Standpunkt des Beschauers vertritt. Mit ihr ist ein
Zuwachs des Humors gegeben, schon wenn sie lediglich lachend und
verlachend in die Komik eingeht oder sich _einlaesst_. Einen weiteren
Zuwachs erfaehrt die Komik, wenn diese Gestalt gleichfalls in ihrem
_Wesen_ komisch und schliesslich laecherlich ist, aber eben in ihrem
komischen Gebaren oder in ihrer laecherlichen Erscheinung das Bewusstsein
von jener Verkehrtheit erst recht machtvoll zu Tage tritt.

Ein Verkommener etwa, ein mauvais sujet, sagt den Heuchlern derbe
Wahrheiten; und wir verspueren die Wirkung viel eindrucksvoller, als wenn
sie aus anderem Munde kaeme. Vielleicht hat er das Recht der Wahrheiten an
seinem eigenen Leibe erfahren. Ehe er so verachtet war, wie er es jetzt
ist, war er so veraechtlich, wie diejenigen sind, die ihn jetzt verachten.
Oder eine niedrige Gesinnung von der Art, die hier vor ihm sich bruestet,
und als edel oder menschenfreundlich sich ausgiebt, hat ihn zu dem
gemacht, was er jetzt ist. Er wird von den Heuchlern ausgestossen. Aber
sie sind die Gerichteten.

Oder ein komischer Polterer, aber gesund und ehrlich, nicht ohne
moralische Groesse, vertritt seinen Standpunkt gegenueber dem Unwahren,
Verschrobenen oder innerlich Verrotteten. Die sich erhaben Duenkenden
gehen aber ueber ihn hinweg. Er ist in ihren Augen ein Narr. Um so mehr
uebt seine Gesundheit und Ehrlichkeit ihre herzerfreuende Wirkung.

Hierbei ist nicht vorausgesetzt, dass solche Gestalten Helden seien. Sie
koennen Nebenpersonen sein, die auftreten und wieder verschwinden. Dann
bleibt der "Held" noch immer der Zusammenhang des Geschehens, nur dass
zugleich die in diesem Zusammenhang waltende Idee in solchen Gestalten
verdichtet, uns anschaulich gemacht und dadurch naeher gerueckt ist. Sie
sind noch nicht _die_ Traeger, aber sie sind doch Traeger der Idee, das
heisst des Positiven, das uns nahe gebracht werden soll.

Von da geht die "Verdichtung" der Idee weiter. Zugleich scheidet sich
schaerfer und schaerfer der Humor der Schicksals- und der Humor der
Charakterkomik. Eine Persoenlichkeit wird nicht nur verlacht, sondern sie
ist der eigentliche Gegenstand des Lachens. Sie ist es um des
Vernuenftigen oder Guten willen, das in ihr ist, das aber in eine
verschrobene oder heuchlerische Umgebung nicht hineinpasst. Sie haelt dem
Lachen stand und bethaetigt damit die Sicherheit ihres vernuenftigen oder
sittlichen Bewusstseins. Dies ist satirischer Schicksalshumor. Das
Kunstwerk, das uns dergleichen zeigt, ist satirische Schicksalskomoedie.
In ihr ist jener Verlachte der Held. Ein Beispiel ist _Moliere_'s
"Menschenfeind", dessen Titelheld uns in seiner eigensinnigen Ehrlichkeit
um so lieber wird, jemehr alle ihn verspotten und im Stiche lassen. Dass
zugleich auch sein Wesen nicht von Komik frei ist, macht uns dies
Schicksal begreiflicher und laesst es uns milder erscheinen.

Diesem ausgepraegten satirischen Schicksalshumor steht entgegen der
satirische Charakterhumor, bei welchem in der verkehrten Persoenlichkeit
selbst der Gegensatz des Erhabenen und des Naerrischen zu einem aeusserlich
ungeloesten Konflikte sich zuspitzt. Das verkehrte Wollen zeigt sich
machtlos. Die Persoenlichkeit erlebt es an sich selbst, dass die Vernunft
oder das Gute dem verkehrten Wollen ueberlegen ist. Sie giebt, wenn auch
widerwillig der Vernunft oder dem Guten Recht. Der Konflikt ist ungeloest,
sofern wir hier voraussetzen, dass der Verkehrte nicht etwa vernuenftig
wird. Es wird ihm nur eben die Unvernunft seines Gebarens zum Bewusstsein
gebracht. Er steht beschaemt. So steht _Mephisto_ "beschaemt", indem er
"gestehen muss", der "dunkle Drang" im Menschen sei maechtiger als er. Er
hoehnt ueber sich und seine Mitteufel, weil die Liebe sich ihnen ueberlegen
erwiesen hat. Darin liegt solcher satirischer Charakterhumor.

Was _Mephisto_ dazu bringt, die Nichtigkeit seines verkehrten Wollens zu
erkennen, ist das komische Scheitern seiner Plaene, also die Komik seines
Schicksals. So wird ueberhaupt dieser satirische Charakterhumor oder
dieser Humor "des in sich komisch entzweiten Charakters" ueberall durch
die Komik des Schicksals, die ihrerseits durch die Verkehrtheit des
Charakters bedingt ist, vermittelt sein.

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If you think books have dumbed down …
Alison Flood: Today we can take our laptops on the road, but could we use them to produce On The Road?

Kerouac's On the Road manuscript travels to the Midlands

John Crace swallows a very thirsty volume

Documentary to lay bare 'Narnia Code'

He wrote it in just three weeks, furiously and loudly tap-tap-tapping away on his typewriter on 12ft long reels of paper so that he did not have to stop, just writing writing writing fuelled only, he said, by coffee…

It became one of the most important American novels of the last century and yesterday the original manuscript - a scroll taped together with eight reels of paper - of Jack Kerouac's On The Road was unfurled in the UK for the first time.
Fifty years after the novel which more or less defined the Beat generation, was published in Britain, the Barber Institute in Birmingham is showing what is now one of the most valuable literary manuscripts in existence as part of its exhibition Jack Kerouac: Back On the Road.

The exhibition's curator Professor Dick Ellis said there had been a lot of competition to get the scroll which is itself spending a lot of time on the move, having toured a string of US cities and hitting the road to Rome once this show is over. "We're very excited indeed," he said. "This is an iconic manuscript. It is a record of the huge effort Kerouac put into composing it. It was 20 days of typing 6,500 words a day, flat out, in spontaneous composition. He wanted to record things with the most possible accuracy using the spontaneous technique. His typewriter became a compositional instrument.

"Truman Capote once accused Kerouac of typing rather than writing, I would say he was learning the ability of using the typewriter like a jazz instrument, like a saxophone. He also had an incredible memory. And he had great speed at typing, he became a lightning typist. He came to be able to use a typewriter in a way that has not been seen before or since. Kerouac said he wrote fast because the road was fast."

About 22 of the scroll's 120ft will be on display in a specially built cabinet and while visitors will have to slightly tilt their heads, Ellis believes they will get a much deeper knowledge of what Kerouac was all about. It comes to Birmingham courtesy of Jim Irsay, owner of the Indianapolis Colts, who bought it for $2.4m (£1.6m) in 2001 before agreeing to a tour. Of course, in the published novel, there are paragraph breaks but in the scroll, there are none. Kerouac did not have the time. The exhibition runs until January 28.

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