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Komik und Humor by Theodor Lipps

T >> Theodor Lipps >> Komik und Humor

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Nicht nur die Schicksalskomik, sondern der Humor des dem komischen
Geschick sich entgegenstellenden und standhaltenden Charakters, verbindet
sich mit solchem Charakterhumor bei _Hamlet_, _Lear_ u. a. Auch _Lear_
ist beschaemt in der Erkenntnis der Thorheit, durch die er sich sein
laecherliches Schicksal zugezogen. Zugleich zeigt er sich als "jeder Zoll
ein Koenig" in dem Geschick, das ihn durch seine Schuld und doch so
unverdient trifft. Beides zusammen macht ihn erst so gross und
liebenswert.

Der Humor im _Lear_ schlaegt in furchtbare Tragik um. Aber, wie schon
gesagt, Humor und Tragik sind Geschwister. Und es sind Geschwister, die
sich oft schwer unterscheiden lassen.

Zunaechst ist leicht zu sehen, welche _speciellere Parallele_ hier
zwischen Humor und Tragik sich ergiebt: Der Schicksals- und
Charakterkomoedie, speciell der soeben besprochenen Art, entspricht eine
Schicksals- und Charaktertragoedie, und der Vereinigung jener beiden die
Vereinigung dieser. Dem Humor im Misanthrop steht gegenueber die
Schicksalstragik in Antigone, Maria Stuart, die nicht dem komischen,
sondern dem in brutaler Haerte auftretenden Schicksal aeusserlich
unterliegen, um es innerlich zu ueberwinden. Ebenso dem Humor des
Mephistopheles die Tragik des Macbeth, der nicht seine Thorheit, sondern
das Furchtbare seines Thuns erkennt, dadurch aber ebenso wie
Mephistopheles der Idee Recht giebt und ihre Macht an sich erweist.
Endlich sind beide Arten der Tragik vereinigt im Wallenstein, Coriolan
etc. Dass die Schicksalstragoedie, von der ich hier rede, nicht
zusammenfaellt mit der Karikatur derselben, die in der Literaturgeschichte
speciell diesen Namen traegt, brauche ich nicht besonders zu betonen.

Andererseits beruehren sich Humor und Tragik unmittelbar. Es braucht nur
der komische Konflikt ein gewisses Mass der Schaerfe zu ueberschreiten, um
ohne weiteres zum tragischen zu werden. Umgekehrt sehen wir den Raeuber
Moor seine Auflehnung gegen die sittliche Weltordnung humoristisch
fassen, wenn auch verzweiflungsvoll humoristisch, nachdem er die ganze
Widersinnigkeit seines Beginnens eingesehen hat.


DER IRONISCHE HUMOR.

Ebenso wie der zweiten Art des objektiven Humors die Tragik, so
entspricht der dritten Art desselben, die wir kurz als den _ironischen_
objektiven Humor bezeichnet haben, die Darstellung des Menschen, der
ernste Konflikte gluecklich Ueberwindet. Insbesondere hat die dramatische
Schicksalskomoedie des geloesten Konflikts in dem Schauspiele, dessen Held
ernste aeussere Widerwaertigkeiten besiegt, die entsprechende
Charakterkomoedie in dem Schauspiele, dessen Held ueber Regungen des Boesen
in sich Herr wird, ihr Gegenbild.

Wir nennen diese dritte Art des Humors ironisch, weil wir, wie nun oefter
betont, in der Ueberwindung des Nichtigen, im Umschlag seiner Ansprueche in
ihr Gegenteil, das Wesen der Ironie sehen. In gewisser Art ist ja
freilich Vernichtung des Nichtigen oder des der Idee Widrigen das
eigentliche Wesen jeden Humors. So koennen wir es als eine Vernichtung
bezeichnen, wenn das Nichtige dem Erhabenen von vornherein nichts anhaben
kann, also von Hause aus machtlos erscheint, wie beim harmlosen Humor.
Ebenso wenn es zur thatsaechlichen Geltung kommt, zugleich aber innerlich
ueberwunden wird, wie beim entzweiten oder satirischen Humor. Aber alles
dies ist nicht Vernichtung in unserem Sinne, nicht Umschlag des die
_Geltung_ in der Welt sich anmutenden Nichtigen _selbst_ in seiner
objektiven _Thatsaechlichkeit_, wodurch die Uebermacht der Idee
dokumentiert wird; darum nicht objektive Ironie, oder Ironie als Art des
objektiven Humors.

Es kann aber das Nichtige in dreifacher Weise jener Vernichtung und jenem
Umschlag anheimfallen. Dieselbe entspricht den drei Arten der witzigen
Ironie, die wir oben schon mit Ruecksicht hierauf unterschieden haben. Wir
sahen in der ironischen Bezeichnung und dem ironischen Urteil eine
Bezeichnung oder ein Urteil zergehen und der Wahrheit Recht geben, ohne
weiteres, durch den blossen Eintritt in den Zusammenhang unseres
Bewusstseins; wir sahen es in der "witzigen Widerlegung" zu Schanden
werden durch eine Wahrheit, die ihm geflissentlich entgegentrat; wir
sahen endlich in der "witzigen Folgerung" und "Konsequenz" den Umschlag
erfolgen durch ein gleich Nichtiges, in dessen Gewand sich die Wahrheit
kleidete. Dem entsprechend kann hier, bei dem ironischen objektiven
Humor, das Nichtige zergehen, ohne besondere Anstrengung seitens eines
Erhabenen, nur durch den Zusammenhang der Wirklichkeit, den natuerlichen
und vernuenftigen Lauf der Dinge; oder es wird zu Falle gebracht durch die
Uebermacht eines ihm geflissentlich entgegentretenden und den Kampf mit
ihm aufnehmenden Guten und Vernuenftigen; oder endlich es wird in seiner
Nichtigkeit und Machtlosigkeit offenbar durch seinesgleichen.

Eine ironische Schicksalskomoedie der ersten dieser drei Stufen ist die
"Komoedie der Irrungen", und die ganze Mannigfaltigkeit der Komoedien, in
denen eine komische Verwickelung in ihrem eigenen Verlauf, durch die
Laune des Zufalls, durch das Wechselspiel naerrischer Vorfaelle und
Einfaelle sich loest.

Ihr steht entgegen die Cbarakterkomoedie von der Art etwa der "Gelehrten
Frauen", die von ihrer Vergoetterung der Scheingelehrsamkeit durch die
zufaellige Entlarvung ihres Abgottes geheilt werden. Insofern ihre
Thorheit zugleich den beiden Liebenden als feindliches, aber ohne ihr
Zuthun sich loesendes Schicksal entgegentritt, ist diese Komoedie zugleich,
soweit diese beiden in Betracht kommen, Schicksalskomoedie der gleichen
Stufe.

Dagegen besiegt Petrucchio durch maennliche Kraft und Klugheit die Komik
des Geschicks, dass er sich mit Kaethchen aufgebunden hat. Er thut es,
indem er Kaethchen selbst besiegt, und zur Vernunft bringt. So sind hier
ironische Schicksals- und Charakterkomoedie der zweiten Stufe unmittelbar
verbunden. Ebenso sehen wir ein andermal die Damen in "Liebes Lust und
Leid" durch ihre Liebenswuerdigkeit, und die Liebe, die sie dadurch
erwecken, ueber die Kavaliere, die ihnen die Thuere weisen, aeusserlich
triumphieren und zugleich sie von ihrem naerrischen Vorsatz heilen.

Der Unterschied zwischen dieser Stufe und der vorigen ist kein
unwesentlicher. Es ist ein Anderes, ob das Nichtige in sich selbst zu
Fall kommt und das Gute und Vernuenftige Recht behaelt, oder ob das
Nichtige zu Fall gebracht wird durch ein positiv Gutes und Vernuenftiges,
das darin seine Uebermacht betaetigt. Dies hindert doch nicht, dass beide
Stufen im selben Kunstwerk sich verbinden und dass sie in einander
uebergehen. Ueberhaupt handelt es sich ja hier nicht um feste Grenzen,
sondern um fliessende Unterschiede; nicht um eine Klassifikation von
Kunstwerken, sondern um die Aufstellung von Gesichtspunkten, denen sich
dies oder jenes ganze Kunstwerk, oder auch nur diese oder jene Gestalt
einen solchen mehr oder weniger unterordnet.

Ich sagte, Petrucchio siege durch maennliche Kraft und Klugheit.
Humoristisch ist doch er selbst und sein Thun nicht durch diese Kraft und
Klugheit als solche. Der Humor fehlte, wenn dieselbe sich zur
Verkehrtheit lediglich in Gegensatz stellte, sie in stolzer
Selbstbewusstheit aufdeckte, abkanzelte, abwiese. Im Gegensatz hierzu
schliesst der Humor, von dem ich hier rede, dies in sich, dass der Traeger
des Vernuenftigen oder Guten von seiner Hoehe herabsteigt, in die Komik
eingeht, oder sich einlaesst, demgemaess die Verkehrtheit _lachend_
ueberwindet. So ueberwindet Petrucchio lachend Kaethchens Tollheit.

Aber freilich Petrucchio thut noch mehr. Er uebertollt die Tollheit der
Widerspaenstigen. Er besiegt sie mit ihren eigenen Waffen. Sofern er dies
thut, gehoert sein Humor bereits der dritten Stufe des ironischen Humors
an.

Diese dritte Stufe findet sich, zunaechst in der Form der
Schicksalskomoedie, verwirklicht in allen Komoedien, in denen und soweit in
ihnen das feindliche Schicksal oder die Person, die seine Rolle spielt,
auf eigenem Boden und mit eigenen Waffen geschlagen wird. Hier wird das
Nichtige von dem Erhabenen im Gewande seiner eigenen Nichtigkeit
ueberwunden.

Mit dieser Schicksalskomoedie muss nicht, aber es kann sich mit ihr die
Charakterkomoedie der gleichen Stufe verbinden. So ist "Minna von
Barnhelm" beides, sofern der Major, der die Heldin in die komische
Situation bringt, von ihr nicht nur besiegt, sondern damit zugleich
geheilt wird. Beides gelingt ihr, indem sie ihm in der Maske seiner
eigenen Narrheit entgegentritt.

In Minna von Barnhelm ist die Narrheit nur Maske; in den Helden der
"Voegel" ist sie Wirklichkeit. Die Gruender des Vogelstaates sind ganz
ausbuendige Narren. Und doch sind auch sie Vertreter der Idee. Eben in
ihrer Narrheit repraesentieren sie die gesunde Vernunft. Und indem das
naerrische Athenervolk mit seinen naerrischen Goettern vor ihnen sich beugt,
beugt es sich vor der gesunden Vernunft. Oder wohin anders sollte sich,
wenn es in der Welt und im Olymp so naerrisch zugeht, die gesunde Vernunft
fluechten koennen, als dahin, wohin sie sich fluechten, nach
Wolkenkukuksheim? Was anders kann man noch wuenschen, wenn es um alle
hoeheren Interessen so uebel bestellt ist, als sein Leben in Ruhe zu
verbringen und seinen Leib zu pflegen?--Wie erhaben bricht aber doch
wiederum die Idee, ich meine das sittliche Bewusstsein an dem Gewande der
Narrheit hervor, dann etwa, wenn der Hauptnarr dem schlechten Sohne das
Gebot, Vater und Mutter zu ehren, entgegenhaelt, oder den Sykophanten auf
die Mittel hinweist, sich ehrlich und ohne Schurkenprozesse sein
taegliches Brod zu verdienen. Wie nichtig erscheint die Anmassung des
Schlechten, wenn sie aus solchem Munde sich muss strafen lassen, wie
erhaben die Idee, wenn ihre Karikatur genuegt, die Karikatur in der Welt
der Wirklichkeit zu ihren Fuessen zu zwingen und zu entthronen. Denn nicht
das karikierte Athenertum, wie Droysen meint, koennen die Gruender des
Vogelstaates sein, sondern nur die Karikatur, ich meine die naerrische
Verkleidung und absichtliche Verzerrung der gesunden Vernunft, die den
Athenern _abhanden_ gekommen ist, und nun trotz ihrer Karikatur und in
aller Niedrigkeit und Possenhaftigkeit die wahre Narrheit lachend ad
absurdum fuehrt,

In der aristophanischen Komoedie hat die Komik ihre ausgiebigste
Verwertung im Dienste des Kunstwerkes gefunden. Hier ist hoechster Humor,
das heisst tiefster sittlicher Ernst, und groesste Freiheit des Geistes,
lachend in den Strudel der Verkehrtheit hinabzutauchen, und darin die
Hoheit des Vernuenftigen, Guten, Grossen, kurz des Menschlichen zu
bewaehren.





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If you think books have dumbed down …
Alison Flood: Today we can take our laptops on the road, but could we use them to produce On The Road?

Kerouac's On the Road manuscript travels to the Midlands

John Crace swallows a very thirsty volume

Documentary to lay bare 'Narnia Code'

He wrote it in just three weeks, furiously and loudly tap-tap-tapping away on his typewriter on 12ft long reels of paper so that he did not have to stop, just writing writing writing fuelled only, he said, by coffee…

It became one of the most important American novels of the last century and yesterday the original manuscript - a scroll taped together with eight reels of paper - of Jack Kerouac's On The Road was unfurled in the UK for the first time.
Fifty years after the novel which more or less defined the Beat generation, was published in Britain, the Barber Institute in Birmingham is showing what is now one of the most valuable literary manuscripts in existence as part of its exhibition Jack Kerouac: Back On the Road.

The exhibition's curator Professor Dick Ellis said there had been a lot of competition to get the scroll which is itself spending a lot of time on the move, having toured a string of US cities and hitting the road to Rome once this show is over. "We're very excited indeed," he said. "This is an iconic manuscript. It is a record of the huge effort Kerouac put into composing it. It was 20 days of typing 6,500 words a day, flat out, in spontaneous composition. He wanted to record things with the most possible accuracy using the spontaneous technique. His typewriter became a compositional instrument.

"Truman Capote once accused Kerouac of typing rather than writing, I would say he was learning the ability of using the typewriter like a jazz instrument, like a saxophone. He also had an incredible memory. And he had great speed at typing, he became a lightning typist. He came to be able to use a typewriter in a way that has not been seen before or since. Kerouac said he wrote fast because the road was fast."

About 22 of the scroll's 120ft will be on display in a specially built cabinet and while visitors will have to slightly tilt their heads, Ellis believes they will get a much deeper knowledge of what Kerouac was all about. It comes to Birmingham courtesy of Jim Irsay, owner of the Indianapolis Colts, who bought it for $2.4m (£1.6m) in 2001 before agreeing to a tour. Of course, in the published novel, there are paragraph breaks but in the scroll, there are none. Kerouac did not have the time. The exhibition runs until January 28.

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