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Komik und Humor by Theodor Lipps

T >> Theodor Lipps >> Komik und Humor

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Da an dem "intellektuellen" Kontrast fuer _Kraepelin_ alles haengt, so
sollte man eine scharfe und unzweideutige Abgrenzung dieses Begriffes
erwarten. Dieser Erwartung wird nicht genuegt. Der intellektuelle Kontrast
entsteht nach _Kraepelin_ aus dem notwendig misslingenden Versuch der
begrifflichen Vereinigung disparater Vorstellungen. Dabei duerfen zunaechst
die "disparaten" Vorstellungen nicht allzu ernst genommen werden. Gemeint
sind einfach Vorstellungen, welche die ihnen angesonnene begriffliche
Vereinigung nicht zulassen, sie moegen im Uebrigen von der Disparatheit
beliebig weit entfernt sein.

Was aber will die begriffliche Vereinigung? Sie soll mehr sein als ein
blosser Vergleich, demnach der intellektuelle Kontrast kein bloss
sinnlicher. Aber ich sehe nicht, worin jenes Mehr bestehen soll. "Der
Bauer lacht ueber den Neger, den er zum ersten Male sieht." Auch wir
koennen uns bisweilen "eines leisen Gefuehls der Komik nicht erwehren, wenn
wir einen Freund mit veraenderter Haarfrisur, abrasiertem Bart, oder zum
ersten Male in der feierlichen Kopfbedeckung des Cylinders begegnen."
Dies sind Faelle der von _Kraepelin_ sogenannten "Anschauungskomik", der
ersten Hauptgattung, die er aufstellt. Bei ihr kontrastieren jedesmal
"sinnliche Anschauungen mit Bestandteilen unseres Vorstellungsschatzes
unmittelbar und ohne intellektuelle Verarbeitung". Nun leugne ich das
Vorhandensein und die Bedeutung dieses Kontrastes nicht, ich sehe nur
nicht, was ihn von einem blossen Vergleichskontrast unterscheiden soll.
Es scheint mir sogar, _Kraepelin_ bezeichne ihn, indem er ihn "unmittelbar
und ohne intellektuelle Verarbeitung" entstehen lasse, ausdruecklich als
solchen. In der That koennen wir einen wahrgenommenen Gegenstand mit
anderen, die wir frueher wahrgenommen haben, nicht vergleichen, ohne des
Kontrastes zwischen ihm und den frueher wahrgenommenen, also jetzt zu
Bestandteilen unseres Vorstellungsschatzes gewordenen, inne zu werden.
Das Resultat der Vergleichung, die Unterscheidung, besteht eben in diesem
Innewerden des Kontrastes.

Statt von begrifflicher Vereinigung spricht _Kraepelin_ auch wohl von
inniger Verbindung disparater Vorstellungen. Aehnlichkeiten der disparaten
Vorstellungen werden benutzt, diese innige Verbindung herzustellen. Aber
auch damit ist kein Gegensatz zwischen begrifflicher Vereinigung und
blossem Vergleich bezeichnet. Was mich zum Vergleich veranlasst, sind
immer Aehnlichkeiten, und der Vergleich selbst besteht jederzeit in dem
Versuch der Verschmelzung oder der Identifikation von Vorstellungen, also
der denkbar _innigsten_ Verbindung derselben. Eben aus diesem Versuch der
Identifikation ergiebt sich beim Vergleiche das Unterschieds- oder
Kontrastbewusstsein. Heisst demnach intellektueller Kontrast derjenige,
der aus dem Versuch inniger, auf vorhandene Aehnlichkeiten sich gruendender
Verbindung von Vorstellungen entsteht, so muss jeder Kontrast, der bei
irgendwelcher Vergleichung sich ergiebt, diesen Namen tragen.

Oder besteht die begriffliche Vereinigung und damit die specifische
Bedingung der Komik in den oben genannten Faellen darin, dass der Bauer
den Neger, ebenso wie den Kaukasier, dem Begriff "Mensch", oder dass wir
das Bild des anders frisierten und mit ungewohnter Kopfbedeckung
versehenen Freundes ebenso wie das gewohnte Bild dem Begriff "unser
Freund" unterzuordnen versuchen, und dabei die Erfahrung machen, dass
dies nicht ohne Widerspruch gelingt?

Dies scheint wirklich _Kraepelins_ Meinung. Weil wir in reicherer
Lebenserfahrung solche Begriffe gewonnen haben, die auch Neues und
Ungewohntes widerspruchslos in sich aufnehmen, darum ist seiner Erklaerung
zufolge fuer uns nicht mehr, wie fuer den Ungebildeten, alles Neue und
Ungewohnte komisch. Aber auch darin liegt nichts, was nicht bei
beliebigen Vergleichen vorzukommen pflegte. Jeder Vergleich, so sagten
wir oben, sei Versuch der Identifikation. Dieser Versuch der
Identifikation aber ist ohne weiteres auch Versuch der Unterordnung unter
denselben Begriff. So vergleiche ich eine Pflanze, der ich irgendwo
begegne, mit den mir bekannten Arten, indem ich versuche, ihre Form mit
den Typen der letzteren zu identificieren. Damit ist der Versuch, die
Pflanze dem _Begriff_ einer der fraglichen Arten unterzuordnen, sofort
verbunden. Daher ich denn auch das Resultat des Vergleichs ohne weiteres
in der Weise ausspreche, dass ich von der Pflanze die Zugehoerigkeit oder
Nichtzugehoerigkeit zu einem bestimmten Artbegriff praediziere: die Pflanze
ist eine Orchidee oder sie ist es nicht.

Ebenso kann ich den veraenderten Zustand, in dem sich eine Pflanze heute
befindet, mit dem Zustand, in dem sich dieselbe Pflanze gestern
befand--sie habe etwa ueber Nacht Blueten getrieben--nicht vergleichen,
ohne beide Wahrnehmungsinhalte--die bluehende und die bluetenlose
Pflanze--demselben Begriff dieser mir bekannten Pflanze einzuordnen.
Wenigstens hat es hier ebensoviel bezw. ebensowenig Sinn, von einer
Einordnung in einen gemeinsamen Begriff zu sprechen, wie beim komischen
Kontrast zwischen dem neufrisierten Freunde einerseits und dem gewohnten
Anblick desselben andererseits.

Darnach sind wir wohl berechtigt, in der "begrifflichen Vereinigung" oder
"innigen Verbindung" und dem "intellektuellen Kontrast" das ueber den
blossen Vergleich und Vergleichskontrast hinausgehende Moment zu
vermissen. _Kraepelin_ ist im Rechte, insofern er ein solches Moment
ueberhaupt fordert. Er irrt nur, wenn er meint es damit aufgewiesen zu
haben, dass er jene Namen einfuehrt. Die Ausdruecke, "begrifflich" und
"intellektuell" sind ja freilich so vieldeutig, dass sie alles besagen
koennen. Aber eben darum besagen sie in einer wissenschaftlichen Theorie
wenig oder gar nichts. Sie gehoeren zu den in der Psychologie so vielfach
ueblichen Worten, die wohl "um die Ohren krabbeln", aber statt das
Verstaendnis zu foerdern, vielmehr ueber die Notwendigkeit des
Verstaendnisses hinwegtaeuschen.

Moegen nun aber die begriffliche Vereinigung und der intellektuelle
Kontrast sein was sie wollen. Auch fuer _Kraepelin_ begruenden sie ja die
Komik nicht unter allen Umstaenden. _Kraepelin_ bezeichnet als Gegenstaende
der Anschauungskomik auch die leichter zu ertragenden menschlichen
Gebrechen. Der Kontrast mit der gewohnten menschlichen Bildung laesst sie
komisch erscheinen. Warum, so fragen wir, muessen gerade Gebrechen die
eine Seite des Kontrastes bilden? Warum entsteht der Eindruck der Komik
nicht ebenso, wenn ein Mensch durch irgend welchen Vorzug zu dem, was wir
zu sehen gewohnt sind, in Gegensatz tritt? Warum lachen wir ueber den
ungewoehnlich Kraeftigen und Wohlgebildeten nicht, wie ueber den
ungewoehnlich Fetten oder Hageren?--Und warum verschwindet bei uns
gebildeten Menschen sogar die Komik der Gebrechen, wenn sie schwer zu
ertragende sind? Warum lachen wir ueber den Armen, der beide Beine
verloren hat, nicht ebenso, wie ueber die rote Nase, da doch der Kontrast
in jenem Falle viel deutlicher in die Augen springt? Auf alle diese
Fragen bleibt _Kraepelin_ die Antwort schuldig.

Doch nein. Wir irren. _Kraepelin_ giebt auf diese Fragen sogar eine sehr
bestimmte Antwort. Wir wissen schon, der intellektuelle Kontrast wirkt
komisch nur, wenn er in uns einen Gefuehlswiderstreit "mit _Vorwiegen der
Lust_" erweckt. Nun erweckt die ausserordentlich wohlgebildete Gestalt in
uns keine Unlust, also keinen Widerstreit der Gefuehle, der Anblick des
schwer zu ertragenden Gebrechens laesst nicht die Lust, sondern die Unlust
ueberwiegen; es fehlt also in beiden Faellen ein wesentliches Element der
Komik.

Aber ist dies wirklich eine Antwort auf jene Fragen? Die komische Wirkung
_besteht_ ja fuer _Kraepelin_ in gar nichts Anderem, als dem Widerstreit
der Lust und Unlust mit Ueberwiegen der Lust. Wenn er uns also sagt, nur
der Kontrast wirke komisch, der diesen Widerstreit erwecke, so heisst
dies, nur der Kontrast wirke komisch, der komisch wirke. Nun werden wir
uns ja freilich dieser Einsicht nicht verschliessen koennen. Wir erfahren
nur das nicht, was wir gerne wissen moechten, unter welchen Umstaenden
naemlich ein Kontrast komisch wirke, _das heisst_--nach _Kraepelin_--den
Widerstreit der Gefuehle erzeuge, in dem die komische Wirkung angeblich
besteht.

Jener allgemeinen Antwort auf die Frage, warum der "intellektuelle"
Kontrast vielfach gar nicht komisch wirke, entspricht die Art, wie
_Kraepelin_ sich in speciellen Faellen hilft. Kinder finden leicht alles
komisch, weil bei ihnen der intellektuelle Kontrast leichter entsteht.
Vorausgesetzt ist, dass dabei nicht die Furcht ueberwiegt. Die Faelle, in
denen der intellektuelle Kontrast seine Pflicht versaeumt, erscheinen also
als Ausnahmen, die die Regel bestaetigen. Der Kontrast _wuerde_ das Gefuehl
der Komik erzeugen, wenn nicht statt desselben ein anders geartetes oder
entgegengesetztes Gefuehl eintraete. Aber dies hat ebensoviel Sinn, als
wenn ich erst den allgemeinen Satz aufstellen wollte: alle Koerper sinken
im Wasser, um dann hinzuzufuegen: wofern sie nicht oben bleiben. Oder will
_Kraepelin_ sagen, in jenen Faellen werde das Eintreten der Komik durch
andersgeartete Gefuehle aufgehoben? Auch damit ist nichts gebessert. Auch
von Koerpern, die sich nicht darauf einlassen im Wasser zu sinken, kann
ich zur Not sagen, bei ihnen werde durch das Obenbleiben oder die Tendenz
des Obenbleibens der Effekt des Sinkens aufgehoben. Eine Begruendung des
Sinkens dieser Koerper und des Nichtsinkens jener waere damit nicht
gegeben.

Endlich ist es aber auch, wie wir schon wissen, gar nicht richtig, dass
Widerstreit von Lust und Unlust mit Ueberwiegen der Lust das Gefuehl der
Komik ausmacht. Weder von einem solchen Widerstreit zu reden ist
_Kraepelin_ so ohne weiteres berechtigt, noch findet das Ueberwiegen der
Lust jederzeit statt. Umgekehrt koennen, wie wir gleichfalls schon wissen,
Lust und Unlust thatsaechlich in dem bezeichneten Verhaeltnis stehen und
doch kein Gefuehl der Komik ergeben.

Es koennen aber auch schliesslich die ganzen _Kraepelin_'schen Bedingungen
der Komik erfuellt, also der unerwartete intellektuelle Kontrast samt dem
von _Kraepelin_ geforderten Verhaeltnis von Lust und Unlust gegeben sein,
ohne dass von Komik im entferntesten die Rede ist. Jedes zugleich
praechtige und furchtbare Schauspiel, das ich nie gesehen, das also zu
meinem "Vorstellungsschatz" in unerwarteten Gegensatz tritt, der
unerwartete Anblick eines maechtigen Heeres, eines maechtig aufsteigenden
Wetters und dergleichen erfuellt die Bedingungen, wenn zufaellig der
erhebende Eindruck der Pracht das Gefuehl der Furcht ueberwiegt. Darum
finden wir ein solches Schauspiel doch niemals komisch.

So bleibt schliesslich von der ganzen _Kraepelin_'schen Bestimmung der
Komik nur der Vorstellungskontrast uebrig. Wie der beschaffen sein muesse,
davon erfahren wir nichts. Das heisst, wir erfahren nichts von der
eigentlichen Hauptsache.


WUNDTS THEORIE.

Wir werden zu _Kraepelin_ nachher noch einmal zurueckkehren muessen. Vorerst
schliessen wir an das ueber seine Theorie Gesagte eine Bemerkung ueber
verwandte Anschauungen. Zunaechst ueber die _Wundts_. Nur in wenigen Worten
charakterisiert _Wundt_ die Komik. Diese Worte finden sich im zweiten
Bande der "Grundzuege der physiologischen Psychologie" 4. Aufl. In seiner
Charakteristik vereinigt _Wundt_ in gewisser Weise mit der
_Kraepelin_'schen Theorie die _Hecker_'sche. _Wundt_ meint: "Beim
Komischen stehen die einzelnen Vorstellungen, welche ein Ganzes der
Anschauung oder des Gedankens bilden, unter einander oder mit der Art
ihrer Zusammenfassung teils im Widerspruch, teils stimmen sie zusammen.
So entsteht ein Wechsel der Gefuehle, bei welchem jedoch die positive
Seite, das Gefallen, nicht nur vorherrscht, sondern auch in besonders
kraeftiger Weise zur Geltung kommt, weil es, wie alle Gefuehle, durch den
Kontrast gehoben wird."

Was ich dagegen zu sagen habe, ist der Hauptsache nach bereits gesagt:

Werden alle Gefuehle durch Kontrast gehoben, so erfaehrt in dem Wechsel der
Gefuehle, wie die Lust durch die Unlust, so auch die Unlust durch die Lust
eine Steigerung. Es bleibt also das Verhaeltnis dasselbe.

Zweitens: Das hier vorausgesetzte Kontrastgesetz existiert nicht. Das
_Gefuehls_kontrastgesetz insbesondere ist eine psychologische
Unmoeglichkeit.

Drittens: Es kann auch nicht gesagt werden, dass bei der Komik das Gefuehl
der Lust ueberwiegen muesse. Die Komik des Veraechtlichen, die Komik, die
aus dem Lachen der Verzweiflung spricht, zeigt ein Uebergewicht der
Unlust, Komik ist ihrem eigentlichen Wesen nach weder Lust noch Unlust,
sondern im Vergleich mit beiden etwas Neues.

Viertens: Damit ist auch schon gesagt, dass zur Komik der Wechsel der
Lust und Unlust nicht gehoert. Mag beim Gefuehl der Komik bald die Lust-
bald die Unlustfaerbung staerker heraustreten; das Gefuehl der Komik ist an
sich ein von diesem Gegensatze unabhaengiges eigenartiges Gefuehl.

Fuenftens, abgesehen von allem dem: Setzen wir den Fall, zwei Thatsachen
lassen sich unter einen Gesichtspunkt stellen, und fordern, dass wir dies
thun, wenn wir sie von einer bestimmten Seite her betrachten. Sie
widerstreiten dagegen dem Versuch, dies zu thun, wenn wir andere Momente
an ihnen ins Auge fassen. Hier ist fuer _Wundt_ die Grundbedingung der
Komik gegeben. Es kann auch daraus unter Umstaenden ein Wechsel der
Gefuehle sich ergeben. Ich achte bald auf das Moment der Uebereinstimmung,
bald auf das Moment des Widerstreites. Dann schwankt auch mein Gefuehl
zwischen Lust und Unlust. Dabei wird freilich nicht das Gefuehl der Lust,
sondern das der Unlust durch den "Kontrast" gesteigert: Je mehr, was
beide Thatsachen Uebereinstimmendes haben, zur Zusammenfassung unter den
einen wissenschaftlichen Gesichtspunkt einladet, um so unangenehmer
beruehrt es uns, wenn wir dann doch wiederum von der Unmoeglichkeit der
Zusammenfassung uns ueberzeugen muessen. Dagegen wird das Moment der
Uebereinstimmung keineswegs dadurch fuer uns erfreulicher, dass das
gegenteilige Moment uns die Freude daran immer wiederum verkuemmert.
Verkuemmerte Freude ist nicht, wie es nach dem Gesetz des
"Gefuehlskontrastes" sein muesste, doppelte Freude.

Indessen nehmen wir an, das Kontrastgesetz bestaende, und wirkte, so wie
es nach _Wundt_ wirken muesste; es wuerde also im obigen Falle die Lust
"gehoben". Dann waeren alle Bedingungen, die nach _Wundt_ fuer die Komik
charakteristisch sind, gegeben. Es muesste also eine den obigen Angaben
entsprechende Beziehung zwischen Thatsachen jederzeit komisch sein. Das
heisst jede Theorie, jede Zusammenfassung von Thatsachen, die einerseits
berechtigt, andererseits doch auch wiederum unzulaessig erscheint, muesste
komisch erscheinen. Nun haftet gewiss mancher wissenschaftlichen Theorie
von der bezeichneten Art der Charakter der Komik an. Sie braucht nur etwa
sehr selbstbewusst aufzutreten und zugleich dieses Selbstbewusstsein
moeglichst wenig zu rechtfertigen. Oder sie verbluefft uns momentan durch
einen Schein der Wahrheit; dann aber sinkt _eben das_, was ihr den Schein
der Wahrheit verlieh, in _nichts_ zusammen. Aber das sind ja
Voraussetzungen, die _Wundt_ nicht macht. Es fehlt so bei _Wundt_ die
Pointe der Komik, also ihr eigentlicher Sinn.

Immerhin liegt auch in _Wundts_ Charakteristik der Komik ein Hinweis auf
Richtiges und Wichtiges. Ich denke wiederum vorzugsweise an die
Anerkenntnis, dass ein Gegensatz oder ein Kontrast, und zwar, allgemein
gesagt, ein Kontrast zwischen einem Positiven und einem Negativen fuer die
Komik notwendig sei. Dass und wiefern diese Anschauung berechtigt ist,
werden wir nachher genauer sehen.

Dass sie ein gewisses Recht haben muesse, koennen wir aber auch schon aus
der Thatsache entnehmen, dass uns aehnliche Wendungen, sei es zur
Charakterisierung des Witzes, sei es zur Kennzeichnung der Komik
ueberhaupt frueher und spaeter immer wieder begegnen.


VERWANDTE THEORIEN.

Hier kommen fuer uns einstweilen nur diejenigen Definitionen der Komik in
Betracht, die auf die Komik ueberhaupt sich beziehen. Erwaehnung verdient
vor allem _Schopenhauer_, der in "Die Welt als Wille und Vorstellung" II.
Buch I sek. 13 sagt: "Das Lachen entsteht jedesmal aus nichts Anderem, als
aus der ploetzlich wahrgenommenen Inkongruenz zwischen einem Begriff und
den realen Objekten, die durch ihn in irgend einer Beziehung gedacht
worden waren; und es ist selbst eben nur der Ausdruck dieser
Inkongruenz." "Je richtiger einerseits die Subsumtion ... unter den
Begriff ist, und je groesser und greller andererseits ihre
Unangemessenheit zu ihm, desto staerker ist die aus diesem Gegensatz
entspringende Wirkung des Laecherlichen. Jedes Lachen also entsteht auf
Anlass einer paradoxen und daher unerwarteten Subsumtion, gleichgueltig ob
diese durch Worte oder Thaten sich ausspricht. Dies ist in der Kuerze die
richtige Erklaerung des Laecherlichen."

Hier begegnen uns in sehr ausgesprochener Form die oben als positiv
wertvoll anerkannten Momente. Im uebrigen wissen wir, warum diese
Erklaerung so unzulaenglich ist, wie sie kurz ist und anspruchsvoll
auftritt. _Schopenhauers_ "Laecherliches" ist laecherlich, wenn es nicht
aergerlich, oder imponierend, sondern eben laecherlich ist.

Es ist _zunaechst_ lediglich _aergerlich_, wenn wir ploetzlich wahrnehmen,
ein Objekt sei dem Begriff, unter den wir es subsumiert haben,
inkongruent. Und zwar ist zu diesem Gefuehl um so mehr Grund, je richtiger
die Subsumtion schien, oder je mehr unser Urteil ueber das Objekt zwingend
und einleuchtend war.

Es ist zweitens _imponierend_, wenn wir ein Objekt zunaechst, etwa auf
Grund einer bloss aeusserlichen Betrachtung, einem Begriff subsumierten,
dessen Anwendung eine geringe Bewertung des Objektes in sich schloss, und
wenn dann ploetzlich diese Subsumtion und mit ihr diese niedrige Bewertung
als fuer das Objekt voellig unangemessen sich ausweist.

Es ist endlich _komisch_ dann und nur dann, wenn dem Objekt vermoege der
Subsumtion, oder vermoege unserer Beurteilung desselben, irgend welche
Wuerde zukam, oder zuzukommen schien, und nun ploetzlich _diese Wuerde
verleihende_ Subsumtion als inkongruent oder unangemessen sich darstellt.
Man sieht, auch _Schopenhauer_ setzt bei seiner Erklaerung der Komik die
Komik voraus.

Daneben mag erwaehnt werden _Lillys_ "Theory of the Ludicrous",
Fortnightly Review, Mai 1896, wonach das Laecherliche ist: an irrational
negation which arouses in the mind a rational affirmation. Sehr nahe mit
_Kraepelin_ beruehrt sich dann _Melinauds_ Erklaerung in einem Aufsatz der
Revue des deux mondes 1895: Pourquoi rit-on? Etude sur la cause
psychologique du rire. Die Antwort auf jene Frage lautet: Quand un objet
d'un cote est absurde, et d'autre trouve une place toute marquee dans une
categorie familiere.

Soll auch dagegen noch eine besondere Bemerkung gemacht werden, so sei
auf folgendes hingewiesen: Ein menschliches Verhalten, ein religioeser
Gebrauch etwa, sei in sich moeglichst "absurd". Diese Absurditaet wird
komisch erscheinen, wenn sie ueberraschend oder verblueffend ist; d. h.
wenn wir die betreffenden Personen mit unserem Masse messen, sie also als
vernuenftige Menschen betrachten, wenn demgemaess die Unvernunft in unseren
Augen den Anspruch erhebt, vernuenftig, ja vielleicht erst recht
vernuenftig zu sein, zugleich aber voellig klar in ihrer Unvernunft
einleuchtet.

Nehmen wir dagegen an, die absurde Handlung sei uns in aller ihrer
Absurditaet dennoch aus Erziehung, Gewohnheit, Unkenntnis, geistiger
Stumpfheit der Personen voellig verstaendlich, so dass wir uns sagen, die
Personen muessen unter diesen Umstaenden so absurd sich gebaerden, wie sie
es thun. Dann hoert die Komik auf. Es tritt dann an die Stelle der Komik
dies nuechterne Verstaendnis oder diese klar bestimmte Einordnung in eine
"categorie familiere". Man erinnert sich des Wortes: Nicht weinen, nicht
lachen, _sondern_ verstehen. Hier ist also die "place toute marquee dans
une categorie familiere" der Komik feindlich.

Andererseits ist doch freilich auch wiederum das Verstaendnis des absurden
Gebarens Bedingung einer bestimmten Art der Komik, naemlich der _naiven_
Komik. Nur muss hier die Verstaendlichkeit in besonderem Sinne genommen
werden. Nicht im Sinne der einfachen verstandesgemaessen Einsicht, sondern
im Sinne der Anerkenntnis: Das absurde Gebaren erscheint als Gebaren
dieser Person berechtigt, sinnvoll, "natuerlich"; es giebt sich darin
etwas Gutes, Gesundes, eine Einsicht, kurz eine gewisse Groesse der Person
kund. Andererseits aber bleibt doch das Gebaren an sich betrachtet
absurd. Angenommen _Melinaud_ haette an diese Art der Komik gedacht, dann
gehoerte seine Theorie zu den zahlreichen, deren Schiefheit sich aus der
aeusserlichen und unzureichenden Betrachtung bestimmter Moeglichkeiten der
Komik erklaert.

Endlich erwaehne ich die letzte Schrift, die mit der Frage der Komik sich
eingehender beschaeftigt, naemlich _Herkenraths_ Problemes d'estetique et
de morale, Paris 1898. _Herkenrath_ knuepft an _Melinauds_ Definition
unmittelbar an. Er will sie nur verallgemeinern. Zugleich bestimmt er sie
genauer. Er meint, komisch sei die "reunion soudaine de deux aspects, qui
paraissent incompatibles".

Hier ist das "soudaine" gegen _Melinaud_ eine Verbesserung. Aber auch die
"ploetzlichste" Vereinigung zweier unvertraeglicher "Aspekte" erzeugt nicht
ohne weiteres die Komik. _Herkenrath_ setzt den Fall: Wir hoeren aus einem
Wandschrank ein Wimmern, und meinen, die Katze sei darin eingesperrt.
Beim Oeffnen finden wir darin unsere Tante oder unseren Schwiegervater.
Dies waere gewiss komisch. Und es trifft auch hier thatsaechlich ein
"Aspekt", naemlich die Erwartung, dass das Eingeschlossene eine Katze sei,
mit einem anderen damit unvertraeglichen "Aspekt", naemlich der
Wahrnehmung, dass es meine Tante oder mein Schwiegervater ist, ploetzlich
zusammen. Aber die Wahrnehmung, dass ein kleiner Hund in den Schrank
eingesperrt worden sei, wuerde jener Erwartung ebenso widersprechen.
Worauf es ankommt, das ist: die Tante oder der Schwiegervater, diese
wuerdevollen oder auf Wuerde Anspruch machenden Personen; und weiter der
Umstand, dass eine solche wuerdevolle Person in den Schrank eingeschlossen
ist, und damit ploetzlich in meinen Augen ihrer Wuerde verlustig geht, und
in dem speziellen Falle sogar auf das Niveau einer kleinen wimmernden
Katze herabsinkt. Die Komik entsteht hier nicht aus der ploetzlichen
Vereinigung zweier unvertraeglicher Aspekte, sondern aus diesem Zergehen
der Wuerde der Tante oder des Schwiegervaters.

_Herkenrath_ meint, hier ein Beispiel gegeben zu haben, in welchem die
Komik entstehe, indem an die Stelle eines erwarteten Kleinen ein Grosses
oder Wuerdevolles tritt. In Wahrheit findet hier wie in allen Faellen der
Komik das Gegenteil statt: Ein Grosses schrumpft zu einem Kleinen
zusammen. Waere dies nicht der Fall, so wuerde die Komik unterbleiben. Die
Wahrnehmung eines reissenden Stromes, wo nach vorangehenden Erfahrungen
ein wasserarmer Bach erwartet wurde, wirkt nicht komisch, sondern
imponierend. Und doch haben wir auch hier die ploetzliche Vereinigung
zweier unvertraeglicher Aspekte.

* * * * *

II. ABSCHNITT. DIE GATTUNGEN DES KOMISCHEN.


IV. KAPITEL. DIE OBJEKTIVE KOMIK.


KONTRAST DES GROSSEN UND KLEINEN.

Mit den letzten Bemerkungen des vorigen Abschnittes habe ich dem
Folgenden vorgegriffen. Das dort Angedeutete wird in diesem Abschnitt
naeher auszufuehren sein.

Wir reden zunaechst von der objektiven Komik. Die genauere Abgrenzung
derselben von den beiden anderen Gattungen der Komik, der subjektiven und
der naiven Komik, wird spaeter, im Kapitel ueber die naive Komik, zu
vollziehen sein. Hier genuegt uns einstweilen diejenige Bestimmung des
Begriffes der objektiven Komik, die sich aus dem hier Folgenden von
selbst ergiebt.

Ich sagte oben, _Kraepelin_ unterlasse es, uns zu sagen, welcher Kontrast
komisch wirke. Die Antwort auf diese Frage ist teilweise seit lange
gegeben. In gewisser Weise schon von der Aesthetik der _Wolff_'schen
Schule. Diese bezeichnet den komischen Kontrast als einen Kontrast
zwischen Vollkommenheiten und "Unvollkommenheiten". Deutlicher redet
Kant. Ihm zufolge entsteht die Komik aus der ploetzlichen Aufloesung einer
Erwartung in "Nichts". Nach _Jean Paul_ ist das Laecherliche das unendlich
"Kleine", das zu einem Erhabenen in Gegensatz tritt. Und dieselbe
Anschauung begegnet uns in der folgenden Geschichte der Aesthetik immer
wieder, in den mannigfachsten Modifikationen, in geistvollster Weise
durchgefuehrt von _Vischer_.

Ich erwaehne speziell noch _Spencer_, fuer den die Komik beruht auf einer
"descending incongruity"; einem unvermerkten Uebergang "from _great_
things to _small_". Aehnlich ist fuer _Bain_ der Anlass der Komik "the
_degradation_ of some person or interest possessing dignity in
circumstances, that excite no other strong emotion".

Die Antwort auf die Frage nach dem Grunde der Komik, die ich meine, liegt
aber im Grunde auch schon in der gewoehnlichen und jedermann gelaeufigen
Gegenueberstellung des _Erhabenen_ und des Komischen oder Laecherlichen.
Wie kann man es unterlassen, das Recht solcher Anschauungen und Wendungen
wenigstens zu pruefen?

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If you think books have dumbed down …
Alison Flood: Today we can take our laptops on the road, but could we use them to produce On The Road?

Kerouac's On the Road manuscript travels to the Midlands

John Crace swallows a very thirsty volume

Documentary to lay bare 'Narnia Code'

He wrote it in just three weeks, furiously and loudly tap-tap-tapping away on his typewriter on 12ft long reels of paper so that he did not have to stop, just writing writing writing fuelled only, he said, by coffee…

It became one of the most important American novels of the last century and yesterday the original manuscript - a scroll taped together with eight reels of paper - of Jack Kerouac's On The Road was unfurled in the UK for the first time.
Fifty years after the novel which more or less defined the Beat generation, was published in Britain, the Barber Institute in Birmingham is showing what is now one of the most valuable literary manuscripts in existence as part of its exhibition Jack Kerouac: Back On the Road.

The exhibition's curator Professor Dick Ellis said there had been a lot of competition to get the scroll which is itself spending a lot of time on the move, having toured a string of US cities and hitting the road to Rome once this show is over. "We're very excited indeed," he said. "This is an iconic manuscript. It is a record of the huge effort Kerouac put into composing it. It was 20 days of typing 6,500 words a day, flat out, in spontaneous composition. He wanted to record things with the most possible accuracy using the spontaneous technique. His typewriter became a compositional instrument.

"Truman Capote once accused Kerouac of typing rather than writing, I would say he was learning the ability of using the typewriter like a jazz instrument, like a saxophone. He also had an incredible memory. And he had great speed at typing, he became a lightning typist. He came to be able to use a typewriter in a way that has not been seen before or since. Kerouac said he wrote fast because the road was fast."

About 22 of the scroll's 120ft will be on display in a specially built cabinet and while visitors will have to slightly tilt their heads, Ellis believes they will get a much deeper knowledge of what Kerouac was all about. It comes to Birmingham courtesy of Jim Irsay, owner of the Indianapolis Colts, who bought it for $2.4m (£1.6m) in 2001 before agreeing to a tour. Of course, in the published novel, there are paragraph breaks but in the scroll, there are none. Kerouac did not have the time. The exhibition runs until January 28.

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